Bergkamener Zeitzeugen

Lebende Läuse gegen Gallenkolik

Der Zeitzeugenkreis stellt die neueste Ausgabe „Bergkamen gestern und heute“ vor.

Foto: Susanne Brzuska

Der Zeitzeugenkreis stellt die neueste Ausgabe „Bergkamen gestern und heute“ vor. Foto: Susanne Brzuska

Bergkamen. Die einen werden sich schütteln, andere sich amüsieren, und viele werden staunen, wenn sie in die neueste Ausgabe „Bergkamen gestern & heute“ eintauchen. Rund um „Lebertran und Wadenwickel“ berichten die Zeitzeugen über die Entwicklungen im Gesundheitswesen. Dabei decken sie so manche Heilmethode auf, die zwar manchem Mediziner heute suspekt erscheinen mag, aber zu Kriegszeiten beispielsweise gang und gäbe waren.

Gabriele Scholz und Barbara Strobel vom Stadtmuseum präsentieren gestern stolz die neue Ausgabe. Die Zeitzeugenberichte werden aktuell durch Dokumentationsmaterial von ärztlichen Instrumenten über alte Arztrechnungen bis hin zur „Polizeiverordnung über den Verkehr mit Milch“ ergänzt.

Wadenwickel gegen hohes Fieber und Lebertran zur Stärkung der Abwehrkräfte kennt fast jeder, aber den Krötentest als Pendant zum heute üblichen Schwangerschaftstest hat nicht jede junge Mutter mitgemacht. Was noch 1970 Kröten und Schwangere verband, beschreibt Zeitzeugin Ursula Janik in ihrem Bericht ausführlich: Tatsächlich hat ihr damals eine gemeine Kröte in einer Kamener Arztpraxis die Schwangerschaft richtig „bestätigt“.

Die Zeitzeugen präsentieren mit der aktuellen Ausgabe erneut einen interessanten Streifzug durch die Bergkamener Geschichte. Werksfürsorge, Schwangerschaft, Diakonissen und Hebammen finden in „Lebertran und Wadenwickel“ einen festen Platz. So erfährt der Leser, warum lange Zeit Gemeindeschwestern einfach unentbehrlich waren, Männer nicht mit zu Entbindung durften und Läuse bei akuter Gallenkolik zum Einsatz kamen: Sie wurden lebend aus dem Schaffell gepickt, und dann zum Frühstück unter die Marmelade gemischt – allerdings ohne Erfolg, wie Eva Eckold-Donder in ihrem Bericht über Hausmittel in Bergkamen beschreibt.

„Ein tolles Jahr mit schönen Themen liegt hinter uns“, freute sich Gabriele Scholz. Und hat dabei schon das Thema für die Zeitzeugenberichte im kommenden Jahr fest im Blick. Kinderspielzeug und Spiele wie „1,2,3,4 Eckstein“ werden den neuen Band bestimmen, zu Recherchezwecken sind auch Ausflüge geplant. Wie immer sind noch Zeitzeugen willkommen, die Gruppe trifft sich zum ersten konspirativen Gedankenaustausch am 18. Januar im Bergkamener Stadtmuseum.

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