Jagd

NRW-Jäger wollen als Tierschutzverein anerkannt werden

Warten auf das Wild: Jäger bei einer Treibjagd in der Kirchhellener Heide in Bottrop.

Foto: Winfried Labus / FotoPool

Warten auf das Wild: Jäger bei einer Treibjagd in der Kirchhellener Heide in Bottrop. Foto: Winfried Labus / FotoPool

An Rhein und Ruhr.   Landesjagdverband blitzte beim Umweltwinisterium ab – und zieht nun vor Gericht. Verbandspräsident beklagt „Mangel an Respekt“.

Die Jäger sind sauer. Das NRW-Umweltministerium hat dem rund 65 000 Mitglieder starken Landesjagdverband die Anerkennung als Tierschutzverband versagt. Der Verband will sich damit nicht zufrieden geben, er hat Klage beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingereicht. „Offenbar will das Ministerium nur solche Organisationen anerkennen, die mindestens 150-prozentig ins enge Weltbild einer kleinkarierten Tierschutzideologie passen“, schimpft Jäger-Präsident Ralph Müller-Schallenberg.

Hintergrund des Streits ist ein neues Landesgesetz. Es sichert anerkannten Verbänden zu, dass sie im Vorfeld weitgehend beteiligt werden, wenn neue Tierschutz-Vorgaben auf den Weg gebracht werden; zudem können diese Organisationen vor Gericht ziehen, wenn sie den Tierschutz nicht ausreichend berücksichtigt sehen. Eine Liste der ersten Organisationen, die das Haus von Minister Johannes Remmel (Grüne) geprüft hatte, war jüngst veröffentlicht worden. Dass es in einer begleitenden Mitteilung hieß, die Anerkennung werde nur „seriösen Organisationen“ gewährt, stieß den Jägern sauer, ganz sauer auf.

Denn: Der Landesjagdverband hatte ebenfalls einen Antrag auf Anerkennung gestellt, war aber nicht auf der Liste. Die Ablehnung kam am 29. Januar. Darin wird den Jägern, die u. a. auch Biotope pflegen, durchaus zugestanden, dass ihnen daran gelegen sei, „gesunde (Wild-)Tiere im Einklang mit einer gesunden Natur- und Umwelt zu sehen“. Gleichwohl sei Tierschutz bei den Aktivitäten des Jagdverbandes nur ein Nebenzweck; andere Ziele wie Umwelt- und Artenschutz, Wildgesundheit oder Jagdwesen seien wichtiger. Um im Sinne des Gesetzes anerkannt zu werden, sei aber wesentlich, dass „das Leben und das Wohl des Tieres als Mitgeschöpf um seiner selbst willen im Vordergrund steht“. Die Jäger allerdings sind überzeugt, dass der Tierschutz bei ihnen obenan steht. Sie wollen es bei der Ablehnung nicht bewenden lassen.

Ministerium: Verband hat Kriterien nicht erfüllt

Nun wird mit Worten scharf geschossen. Müller-Schallenberg beklagt einen „Mangel an Respekt“ gegenüber seinem Verband, andere Organisationen würden „bevorzugt“. Das Ministerium selbst äußert sich zurückhaltend, bestätigt nur, dass der Antrag abgelehnt wurde, weil Kriterien nicht erfüllt seien. Fassungslosigkeit dafür bei Umweltschützern: „Es ist absurd, dass der Jagdverband ein Tierschutzverein sein will, und es ist dreist, dies jetzt auch noch vor Gericht einklagen zu wollen“, meint BUND-Landeschef Holger Sticht. Durch den vieltausendfachen Abschuss von z. B. Füchsen, Möwen und Krähen verstießen Jäger immer wieder gegen den ersten Paragrafen des Tierschutzgesetzes, der das Töten von Tieren „ohne vernünftigen Grund“ verbiete.

Das mag Hans Jürgen Thies keinesfalls so stehen lassen. Der Justiziar des Jagdverbandes verweist darauf, dass ein anderer Paragraf (§ 4) desselben Gesetzes die waidgerechte Jagd sehr wohl legitimiere. Abschuss und Tierschutz sei kein Widerspruch: „Dass man bodenbrütende Vögel vor Fressfeinden wie dem Fuchs beschützt, indem man diesen bejagt – auch das ist Tierschutz“, erklärt Thies im Gespräch mit der NRZ. Als weiteres Beispiel für „praktizierten Tierschutz“ nennt Verbandssprecher Andreas Schneider den Gnadenschuss für Wildtiere, die angefahren wurden: „30 000 Rehe verunfallen jedes Jahr auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen.“

Der Jagdverband ist sicher, mit seinen Argumenten das Gericht in Gelsenkirchen überzeugen zu können. Wann die Klage verhandelt wird, ist noch offen. Für Verbandssprecher Schneider steht aber fest, dass Jäger auf der Liste der anerkannten Tierschutzorganisationen ihren Platz haben müssen: „Klassische Tierschutzvereine haben eher Haustiere im Blick. Wir hingegen sind der Anwalt der freilebenden Tiere.“

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