Literatur

„Kann multiresistente Reime enthalten!“

Durch Fritz Eckengas Brille sieht manches anders aus als gewohnt, und zwar in der Regel deutlich schärfer.

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Durch Fritz Eckengas Brille sieht manches anders aus als gewohnt, und zwar in der Regel deutlich schärfer. Foto: Funke Foto Services

Dortmund.   Fritz Eckenga im Interview über sein neues Buch, Warnhinweise, mehrerlei Grünes und die Wirklichkeitsproduktion.

Fritz Eckenga ist nicht nur ein häufiger Gast auf den Bühnen und in Rundfunksendern, sondern veröffentlicht öfter auch Schriftliches. In diesen Tagen ist es wieder so weit. „Draußen rauchen ist Mord am ungeborenen Baum“ heißt das neue Werk mit kurzen Prosatexten und Gedichten. Wir sprachen darüber mit dem Autor.


Ist so ein Buch aus Papier noch zeitgemäß?

Fritz Eckenga: Da fragen Sie was. Mein Verleger und ich haben lange überlegt, ob wir es nicht besser twittern, whatsappen, youtuben oder sogar als Selfie releasen sollten, wenn Sie verstehen, was ich meine. Verstehen Sie? Aha. Das dachte ich mir. Es gibt aber für alle, die sich vor dem Format „Buch aus Papier“ fürchten, zwei richtig gute Nachrichten. Erstens ist es in 3-D und zweitens hat es einen abwaschbaren Umschlag. Man kann also damit super Pokemons erschlagen, ohne dauerhaft hässliche Flecken auf ihm zu hinterlassen. Ganz nebenbei: Das Buch passt in einen E-Reader. Man muss es natürlich vorher in der Waschmaschine kochen, damit es etwas einläuft.

Auf das Cover hat Ihr Verlag ein lobendes Zitat aus der Westfalenpost gedruckt. Haben wir damit den Durchbruch als Leitmedium für Literatur und Satire geschafft?

Ohne Ihnen schmeicheln zu wollen, aber wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir eine ganze Westfalenpost auf das Cover gedruckt, am besten eine Wochenendausgabe. Mit Sudoku und allem Zipp und Zapp. Aber mein Verlag sitzt in Berlin. Sie kennen ja diese hochnäsigen Hauptstädter. Unter dem Feuilleton der B.Z. tun die es ja nicht.

Der Titel des Buches und einige Teile des Inhalts, die hier nicht verraten werden, um die Leser nicht zu beunruhigen, könnten einen auf die Idee bringen, dass Ihre Hölle grün tapeziert ist. Trifft das zu?

Wenn Sie auf die politische Farbenlehre anspielen, können wir drüber reden. Das Grüne „in echt“ ist für mich überhaupt nicht höllisch. Ich habe schon häufig in natürlichen Umgebungen gestanden und an einer Fluppe gezogen. Von Bäumen und anderen Gewächsen wurde ich niemals dafür gerügt. Die Flora neigt nicht zu aggressiver Bevormundung.

Sie zeigen sich in den Texten unter anderem genervt von Eichhörnchen, dem Fernsehen, Österreichern, Rasenmähern, Kölnern, Häckselgeräten, schwafelnden Bundespräsidenten und der gewaltigen Anzahl skandinavischer Krimis. Sind Sie ein sehr gequälter Mensch?

Sie sollten Eichhörnchen und Fernsehen nicht in einen Topf werfen. Das ist Tierquälerei. Generell finde ich, dass man der Bedrohung auch immer etwas Schönes entgegenstellen muss. Zum Beispiel einen schönen Text. Das hilft beim Entquälen. Erstens mir und dann hoffentlich auch den Lesern.

Sie erwähnen auch Positives. Zum Beispiel Fußball, die Bretagne, Gespräche im Umkreis des Florianturms oder die Allgegenwart von befruchtenden Migrationshintergründen. Reicht das?

Ach, wissen Sie, es reicht ja nie. Ich bin aber froh, wenn es mir gelingt, die seltenen Gelegenheiten zu nutzen, um etwas zu loben. „A bisserl was geht immer“ hat Monaco Franze, also Helmut Dietl gesagt. Der war wohl ein eher mürrischer Mensch, wenn es stimmt, was seine Freunde über ihn sagen. Dass er gleichzeitig von einem guten Humor angetrieben wurde, ist kein Widerspruch.

Was halten Sie von dem Gerücht, Mario Götze komme so wenig auf dem Platz zum Einsatz, weil er vorwiegend in der Zucht eingesetzt werde? Oder haben Sie das sogar selbst in die Welt gesetzt?

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Ich setze doch keine Gerüchte in die Welt. Unverschämtheit. Typisch Lügenpresse. Lassen Sie mich gefälligst ausreden.

Sie erwähnen mehrfach den Wirklichkeitsverbraucher. Wer ist das? Und was wird aus der Wirklichkeit, wenn sie verbraucht ist?

Wirklichkeitsverbraucher sind Sie und ich und die anderen. Ich fordere uns auf, dass wir bewusst mit der Wirklichkeit umgehen und auch mal selber welche produzieren. Ausschließlich Realität zu konsumieren, die einem andere vorsetzen, macht auf die Dauer doof, faul und gefräßig. Schauen Sie sich die vielen Pummel an, die beim Rückwärtslaufen umkippen und Haufen bilden. Die Halden werden ja immer größer.

Wenn mir einiges an dem Buch bekannt vorkommt, woran könnte das liegen?

Es könnte sein, dass Sie schon mal in einem meiner Bühnenprogramme Auszüge aus der einen oder anderen Geschichte gehört haben. Die andere Möglichkeit ist, dass Sie haargenau dieselbe Wirklichkeit verbraucht haben wie ich.

Ganz anderes Thema: Wie merken Sie sich Passwörter?

Ich nehme meinen eigenen Namen und tippe bei jedem Buchstaben die linke Nachbartaste. Mein Passwort für alle Gelegenheiten ist deswegen Wxjwbf - oh, ich stelle gerade fest, dass links neben dem „a“ gar keine Buchstabentaste ist. Macht nix. Dann nehme ich eben ein Sonderzeichen: §

Warum verraten Sie das?

Sie können das ruhig wissen. Sie machen auf mich den Eindruck, als könnten Sie sich sowieso nichts merken.

Wie merken Sie sich denn Dinge?

Ich fahre alle paar Tage an die Tankstelle und lasse mir vom Payback-Service-Onkel mein Bewegungsprofil ausdrucken.

Wenn es darum geht, im Schlechten das Gute zu entdecken, warum sieht Ihr Buch dann aus wie eine Zigarettenpackung mit Warnhinweis?

Ist ja gar nicht wahr. Das Buch sieht viel schöner aus. Gut, es ist in den Farben eines Gelsenkirchener Fußballvereins gehalten, aber ansonsten haben wir auf Ekelbilder verzichtet.

Brauchen wir noch mehr Warnhinweise?

Unbedingt. Auf meinem Buch sollte eigentlich ein Aufkleber sein: „Achtung! Kann multiresistente Reime und Spuren von Phantasie enthalten!“ Mein Verlag fand das leider zu großspurig.

Sind Gedichte die Rettung?

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