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Schweizer Pfarrer studiert in Hagen und entwickelt Bibel-App

Der Schweizer Pfarrer Peter Schafflützel hat eine Bibel-App entwickelt.

Foto: Ralf Rottmann / WAZ FotoPool

Der Schweizer Pfarrer Peter Schafflützel hat eine Bibel-App entwickelt. Foto: Ralf Rottmann / WAZ FotoPool

Hagen.   Peter Schafflützel ist Pfarrer der reformierten Kirche in Fischerthal in der Schweiz. Nebenher studiert er Informatik an der Fernuni in Hagen. Nun hat der umtriebige Geistliche eine App entwickelt, die beim Auswendiglernen von Bibelstellen hilft.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Peter Schafflützel vermutet, dass Johannes 3,16, also Kapitel 3, Vers 16 des Johannesevangeliums der beliebteste Vers aus der Bibel ist. Aber er weiß es nicht. Dabei könnte er es wissen.

Denn der Pfarrer der reformierten Kirche in Fischenthal im Züricher Oberland hat eine App zum Auswendiglernen von Bibeltexten entwickelt, die bereits mehr als 900.000 Mal heruntergeladen wurde. Und aus den Stellen, die Nutzer öffentlich machen können (wenn sie es wollen), ließe sich leicht eine Art Bibel-Hitparade entwickeln. „Das könnte ich eigentlich ermitteln“, meint der 41-Jährige. Auf die Idee sei er noch gar nicht gekommen.

Interesse am Technischen

Dafür auf die äußerst erfolgreiche mit der Bibel-App. Nicht unbedingt etwas Pfarrer-typisches. Was auch für Schafflützels Informatik-Studium an der Fernuni Hagen gilt. „Ich hatte schon immer ein Interesse an Technischem“, sagt der Schweizer. Das sei durchaus eine Option bei der Wahl des Studiums gewesen. Oder doch lieber etwas mit Menschen? Aber weil die Beziehung mit Gott eine große Rolle in seinem Leben spielte, entschied er sich dann für Theologie. Und ist heute noch froh darüber.

„Aber die Leidenschaft für Technik war dadurch nicht einfach verschwunden“, berichtet der Pfarrer-Student. Und als er im Laufe seiner Arbeit feststellte, dass es nötig war, sich auch einmal abzugrenzen von den Problemen, mit denen die Menschen zu ihm kamen, suchte er nach einem Ausgleich. Wenigstens an einem Tag in der Woche. Und weil er zwar auch gerne am Computer herumspielt, aber die Dinge auch gerne gründlich und prinzipiell und auch theoretisch durchdenkt, entschloss er sich zum Fernstudium. Ohne einen Abschluss anzustreben.

"Remember Me"

Nun wird es doch der Bachelor: „Ende des Wintersemesters, wenn es gut läuft.“ Die Arbeit beschäftigt sich mit derer App. Mit Problemen der Synchronisierung, wenn man sie auf verschiedenen Geräten (Smartphone, Tablet, PC) betreibt und dabei Änderungen vornimmt.

Die App also: „Remember Me“ heißt sie, ist für Android, iPhone, iPad, Kindle Fire, BlackBerry 10 und Windows erhältlich. Auf der Startseite sind ein Kreuz und ein Herz zu sehen. Weil Auswendiglernen im Englischen „learning bei heart“ heißt, und weil Bibelverse Peter Schafflützel eben am Herzen liegen. Deshalb hat er sie immer gerne auswendig gelernt. Mit Karteikarten. Und auf diesem Prinzip basiert seine App.

Der Nutzer kann Bibel-Verse selbst eingeben oder aus dem Netz laden. Sie landen auf einer virtuellen Lernkarte. Man liest und versucht zu behalten. Man testet sich. Und schiebt die Karte, wenn man den Text konnte, nach oben. Dann landet er in der Kategorie „Erinnert“ und taucht erst nach längerer Zeit wieder im Test-Modus „Fällig“ auf. Hat das Merken nicht geklappt schiebt man die Karte abwärts, worauf sie unter „Neu“ auftaucht und einem in Kürze wieder als „Fällig“ präsentiert wird.

Dieses praktische Prinzip hat der Entwickler ergänzt um eine Vorlese-Funktion, um Puzzles, Lückenergänzungs-Tests und andere Spiele. So kann Lernen Spaß machen. Außer Bibelstellen könnten es auch Gedichte, Reden oder Vokabeln sein. Dann klappt allerdings der Austausch mit anderen Nutzern und die Verlinkung zu unterschiedlichen Bibel-Ausgaben nicht.

Viele Ideen von Nutzern

„Vor vier Jahren habe ich eine erste Version ins Netz gestellt“, erinnert sich Schafflützel. „Die Kritik war teils vernichtend, teil konstruktiv. Ich fühlte mich jedenfalls herausgefordert, sie weiter zu entwickeln.“ Nicht alles, was es heute gibt, hat er sich selbst ausgedacht. Viele Ideen kommen von Nutzern, für andere Elemente sind Apps für To-do-Listen Vorbilder. Es geht jedenfalls immer weiter.

In seiner persönlichen App hat Pfarrer Schafflützel 142 erinnerte Verse. „Ich bin nicht der fleißigste User“, sagt er. „Andere haben Hunderte. Aber ich bleibe dran.“ Und natürlich hat er auch das Motto für die App der Bibel entnommen. Psalm 119, 11: „Ich behalte dein Wort in meinem Herzen.“

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