Flüchtlingsunterkünfte

Sozialbeiträge hinterzogen? Zoll ermittelt gegen Malteser

Der Zoll  ermittelt gegen die Malteser in Paderborn und gegen die Firma Schattenspringer aus Bielefeld.

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Der Zoll ermittelt gegen die Malteser in Paderborn und gegen die Firma Schattenspringer aus Bielefeld. Foto: Archiv

Meschede.   Der Zoll ermittelt gegen die Malteser in der Diözese Paderborn. Sie sollen in Flüchtlingsunterkünften Sozialbeiträge hinterzogen haben.

In den Flüchtlingsunterkünften der Malteser in der Diözese Paderborn sollen Sozialbeiträge hinterzogen worden sein. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Zoll die Ermittlungen aufgenommen. Sie richten sich sowohl gegen die Malteser Paderborn als auch gegen die Firma Schattenspringer aus Bielefeld. Betroffen ist auch die Zentrale Unterbringungseinrichtung in der ehemaligen Franz-Stahlmecke-Schule in Meschede. Das bestätigten gestern Andreas Bierod, Diözesangeschäftsführer der Malteser Paderborn, und Staatsanwalt Christoph Mackel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Genaue Schadenssumme nicht bekannt

Im Mittelpunkt der Ermittlungen: die Zusammenarbeit mit der Firma Schattenspringer, die rund 100 Mitarbeiter in die Unterkünfte der Malteser Paderborn entsendet hatte. Grundlage waren Werkverträge. Tatsächlich könnten die Schattenspringer-Mitarbeiter, so vermutet der Zoll, aber Scheinselbständige gewesen sein. Für sie sollen keine Abgaben an die Renten- und Sozialkassen gezahlt worden sein. Die genaue Schadenssumme ist nicht bekannt. Nach Recherchen diese Zeitung soll sie im sechsstelligen Bereich liegen.

Es waren die ersten Monate der Flüchtlingskrise. Zwischen Juli und Dezember 2015 mussten in kürzester Zeit Unterkünfte gefunden und Mitarbeiter rekrutiert werden, die die Betreuung der Geflüchteten übernahmen. Die Malteser Paderborn eröffneten ihre erste Unterkunft in der Diözese Paderborn in der ehemaligen Jugendherberge „Haus Dortmund“ in Meschede, damals noch mit eigenen Mitarbeitern. Deshalb ist diese Unterkunft nicht von den Ermittlungen betroffen.

Betreuung statt Pädagogik

Im Anschluss suchten die Malteser kurzfristig für eine Einrichtung in Hövelhof pädagogische Mitarbeiter. Über Werkverträge kam da zum ersten Mal die Firma Schattenspringer ins Boot, eine GmbH, die auf Erlebnispädagogik ausgerichtet ist.

Doch statt erlebnispädagogische Angebote stundenweise zu betreuen, übernahmen die Mitarbeiter nach Informationen dieser Zeitung mehr und mehr Aufgaben in der Flüchtlingsbetreuung. „Auch nach außen traten sie als Malteser auf“, so ein Informant. Sie erhielten Dienstanweisungen und sogar Arbeitskleidung. „Sie wurden zu normalen Betreuern.“

Keine Erlaubnis zur Arbeitnehmer-Überlassung

Damit wurden rechtlich gesehen wohl die mit den Schattenspringern geschlossenen Werkverträge unterlaufen. „Die Mitarbeiter wurden de facto zu Leiharbeitern“, sagt ein Informant. Die Firma Schattenspringer hatte keine offizielle Erlaubnis zur Arbeitnehmer-Überlassung. Deshalb prüft der Zoll: Hätten die Malteser die Sozialabgaben abführen müssen?

„In der ersten Zeit waren diese Mitarbeiter auch tatsächlich noch Freiberufler, die mehrere Arbeitgeber hatten“, erklärte Andreas Bierod. Der Diözesangeschäftsführer der Malteser Paderborn entschuldigt das Vorgehen: „Wir haben damals in kürzester Zeit unseren Mitarbeiterstamm von 600 auf 950 erhöht.“ Ende 2015 betrieben die Malteser zwölf Einrichtungen mit Plätzen für bis zu 4000 Flüchtlingen in Dortmund, Lippstadt, Brilon, Meschede, Altenbeken, Borchen, Paderborn und Hövelhof-Staumühle.

Mitarbeiter-Pool veränderte sich

Anfangs habe man noch jeden Mitarbeiter kontrolliert, sagte Bierod, ob er auch tatsächlich als Freiberufler seinen Lebensunterhalt über verschiedene Arbeitgeber finanzieren. „Später hatten wir andere Dinge im Blick.“

Man habe dann festgestellt, dass sich der Mitarbeiter-Pool, den die Schattenspringer den Maltesern vermittelten, sich veränderte. Im Dezember 2015 habe man selbst die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit beendet. „Wir haben dann eigene Mitarbeiter eingestellt“, so Bierod.

Die Zollermittlungen hatte nach unseren Informationen offenbar ein gekündigter Mitarbeiter aus Brilon in Gang gebracht.

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