Logistik

Amazon setzt auf das Ruhrgebiet und investiert 55 Millionen

Spatenstich bei Amazon auf dem Gelände des Garbe-Logistikparks Westfalenhütte. Auf dem Areal befinden sich auch Schenker und Decathlon.

Foto: Ralf Rottmann

Spatenstich bei Amazon auf dem Gelände des Garbe-Logistikparks Westfalenhütte. Auf dem Areal befinden sich auch Schenker und Decathlon. Foto: Ralf Rottmann

Ruhrgebiet.   Das europaweit erste Umschlagslager von Amazon entsteht in Dortmund. Die Logistik-Branche im Revier boomt. Viele Neuansiedlungen 2017.

Der Internetriese Amazon will noch in diesem Jahr 55 Millionen Euro in seine Logistik-Standorte im Ruhrgebiet investieren. Zwei von vier neuen Verteilzentren, die 2017 in Deutschland entstehen sollen, baut der US-Konzern in Dortmund und Werne.

Auf 45 000 Quadratmetern der ehemaligen Westfalenhütte in Dortmund entsteht gerade das zehnte Amazon-Lager in Deutschland. Es soll bereits in diesem Herbst den Betrieb aufnehmen und zunächst 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Perspektivisch plant der Konzern mit 2000 Beschäftigten. „Wir sind froh, dass Amazon hier ist. Sie bringen Arbeit“, sagte Dortmunds OB Ullrich Sierau beim offiziellen Spatenstich zum Neubau.

Insgesamt will Amazon in Deutschland bis Ende 2017 rund 16 500 Menschen unbefristet beschäftigen. Das Unternehmen steht im Dauerkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi, die für die Mitarbeiter in den Amazon-Lagerhallen einen Tarif nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels fordert.

In Dortmund entsteht Amazons europaweit erstes Umschlagslager. Die zentrale Anlieferstelle soll in der Spitze 15 bis 20 Millionen Produkte pro Woche auf andere Logistik-Standorte verteilen. „Von hier aus werden wir nicht direkt zum Kunden liefern. Aber man kann sicher sein, dass jedes Amazon-Produkt mindestens einmal in Dortmund angefasst wurde“, sagt Lars Krause, derzeit Geschäftsführer des Logistik-Zentrums in Werne.

Für die Kunden wird sich durch diesen neuen Standort erst einmal nichts ändern. Sehr wohl aber durch das neue Verteilzentrum, das nächste Woche in Bochum eröffnen soll. Es werde dazu beitragen, dass es im Ruhrgebiet mehr Zustellungen direkt am Tag der Bestellung geben wird, sagt Amazon-Sprecherin Antje Kurz-Möller.

Seit Beginn des Jahres wird auch am Standort Werne gebuddelt und gebaut. Dort entsteht auf rund 100 000 Quadratmetern ein neues Lagergebäude. Es ersetzt zwei alte Hallen. Kostenpunkt: 28 Millionen Euro. Die 1500 festen Mitarbeiter sollen im Herbst umziehen.

„Europas Logistik-Drehscheibe“

Die Logistikbranche in der Region boomt. Das Ruhrgebiet und der Niederrhein haben auch im vergangenen Jahr ihre Spitzenpositionen als Standort für Logistikimmobilien verteidigt. Nach Zahlen des Beratungsunternehmens Logivest wurden im vergangenen Jahr im westlichen Ruhrgebiet 435 000 Quadratmeter Neubaufläche für Logistikunternehmen geschaffen. Im östlichen Revier waren es 285 000 von bundesweit 3,3 Millionen Quadratmetern.

„Die Metropole Ruhr ist Europas Logistik-Drehscheibe. Die Branche gehört zu den Wachstumsmotoren der Region“, sagt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr. „Logistik ist eine wichtige Säule für Innovation und Beschäftigung.“ Zwischen Hamm und Wesel arbeiten rund 100 000 Menschen in 5000 Logistik-Unternehmen. Zahlreiche neue Verteilzentren sind in der Planung oder im Bau. Sie bringen Hunderte neue Arbeitsplätze ins Ruhrgebiet (s. Grafik). Neben Amazon haben sich die Bertelsmann-Tochter Arvato, der Paketdienstleister DHL, der Sporthändler Decathlon, der Handelsriese Metro und der Paketdienst UPS für das Revier entschieden. Duvenbeck will von Herne aus Autoteile versenden, DB Schenker aus Duisburg heraus Daimler-Komponenten.

Die globalisierten Märkte, aber auch der Boom der Versandhändler führen dazu, dass der Gütertransport per Bahn, Schiff und Lkw immer mehr zunimmt. In Bochum tritt die Stadtspitze deshalb bereits auf die Bremse. „Wir hätten überhaupt kein Problem damit gehabt, die gesamte Fläche des Opel-Werks 1 in Bochum an Logistik-Unternehmen zu vergeben, haben uns aber bewusst dagegen entschieden“, sagt Wirtschaftsförderer Rolf Heyer. Mit der Posttochter DHL, die dort ein riesiges Paketzentrum plant, habe Bochum ein „Aushängeschild und Magneten für Firmen anderer Branchen, sich unsere Fläche genauer anzuschauen“.

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