Kirche

Grab von Jens Pascal in Dortmund erhält Logo des BVB

Vater Andreas Schmidt am Grab seines Sohnes Jens Pascal.

Foto: Ralf Rottmann

Vater Andreas Schmidt am Grab seines Sohnes Jens Pascal. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Die katholische Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung in Dortmund-Bodelschwingh und die Eltern des an einem Hirntumor gestorbenen Jungen Jens Pascal haben sich geeinigt: Der Grabstein für den kleinen BVB-Fan darf das Logo der Borussia tragen.

Am Ende flossen bei Nicole Schmidt die Tränen. Tränen der Trauer, denn noch einmal war die schreckliche Erinnerung an den Tod ihres kleinen Sohnes Jens Pascal hochgekommen. Aber auch Tränen der Erleichterung. Denn am Dienstag einigten sich Vertreter der Kirchengemeinde und die Eltern des verstorbenen Kindes darauf, wie der Stein auf dem Grab aussehen kann. Ein in den letzten zwei Tagen eskalierter Streit, der bundesweit Aufmerksamkeit erregt hatte, wurde versöhnlich beigelegt. Der letzte Wunsch von Jens Pascal wird in Erfüllung gehen.

Herbstwind weht die letzten Blätter von den Bäumen auf dem Friedhof im Dortmunder Stadtteil Bodelschwingh. Ganz am Ende, in der Reihe der größeren Grabstellen, fällt schon jetzt ein Grab aus dem Rahmen. Viele Lichter, Kerzen und kleine Solarleuchten glimmen hier abends, und viele Erinnerungsstücke sind auf der lockeren Erde abgelegt. Kleine Teddybären, ein Spielschwert, ein Borussia-Schal und Bilder von Spielern des BVB. Es ist das Grab von Jens Pascal Schmidt, einem glühenden Anhänger der Dortmunder Fußballer. Dem kleinen Jungen, der im Mai mit nur neun Jahren an einem tückischen Hirntumor gestorben war. Der, als er realisierte, dass er nicht mehr lange zu leben hat, seinen Eltern einen letzten Wunsch zuflüsterte: Mit seinem Grabstein solle nicht nur an ihn, sondern auch an seine Liebe zum BVB erinnert werden.

Gemeinde hatte den Grabstein mit BVB-Logo zuerst abgelehnt

„Bei einem Steinmetz hatte ich einen Grabstein gesehen, der bereits einen Ball trug. Den hatten wir uns nach dem Tod unseres Sohnes für das Grab ausgesucht“, berichtet Jens Pascals Vater.

Doch: Der Entwurf mit Ball und BVB-Logo wurde von der katholischen Kirchengemeinde, die den Friedhof betreibt, auf dem Jens Pascal beerdigt ist, abgelehnt. „In der Gesamtheit dieser Gestaltung ist kein christlicher Bezug erkennbar “, sagt Michael Bodin von der Pressestelle der katholischen Kirche in Dortmund. „Der Entwurf in dieser Form ist dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen.“

Was dann passierte, ist eine Kombination von Missverständnissen, mangelnder Kommunikation und explodierender Empörung in den sozialen Medien, wo innerhalb weniger Stunden über 100.000 Nutzer auf Facebook ihren Protest kundtaten.

Kompromiss: Christliches Symbol und Fußball 

Die zur WAZ Mediengruppe gehörende Westfälischen Rundschau wollte es bei einer Berichterstattung nicht belassen – und bot beiden Seiten an, vermittelnd einzugreifen. So fand gestern unter Moderation der WR ein Gespräch mit Vertretern der Kirchengemeinde und den Eltern statt. Dabei legte die Kirchengemeinde einen alternativen Entwurf für das Grabmal vor: Der Fußball als dominierendes Element auf der Stele hatte viele aus dem Kirchenvorstand gestört – er soll nun auf einer Grabplatte neben der Stele angeordnet werden.

Auf dem Stein selbst wird es neben Namen, Geburts- und Sterbedatum von Jens Pascal auch das BVB-Logo und die Worte „Echte Liebe“ geben. Zudem wird als christliches Symbol eine Friedenstaube auf dem Grabstein abgebildet.

Eltern bitten Unterstützer, Demo abzusagen

„Damit sind wir einverstanden – darüber hatten wir selbst schon nachgedacht“, kommentierte Nicole Schmidt, Jens Pascals Mutter, den Entwurf. Doch: In der Trauer und der Empörung über die Ablehnung war es bisher zu keinem klärenden Gespräch gekommen. „Es hat wohl auf beiden Seiten gehakt“, gestand Michael Bodin von der katholischen Kirche ein.

„Wir sind erleichtert, dass wir eine Lösung gefunden haben, die zu unserem verstorbenen Sohn passt“, sagten die Eltern anschließend. Sie baten die Unterstützer auf Facebook, die zu einer Demo aufgerufen hatten, diese abzusagen. „Dafür gibt es jetzt gar keinen Grund mehr.“

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