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Deutsche Post investiert neun Millionen Euro in neues Briefzentrum

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Essen.   Die Deutsche Post investiert neun Millionen Euro in ihr Briefzentrum. Seit Mittwoch sortiert eine neue, leise Maschine in Vogelheim. Im April vor 15 Jahren in Betrieb genommen, wurde das Essener Briefzentrum seit 2009 bei laufendem Betrieb peu à peu modernisiert.

Würde man alle Sendungen, die das Briefzentrum der Deutschen Post in Vogelheim in den vergangenen 15 Jahren passiert haben, aneinander legen, so könnte man die Erde 66 Mal umrunden – und käme stündlich ein paar Kilometer weiter. Kein Wunder, dass da die alte Sortiermaschine irgendwann technisch nicht mehr mithalten kann – bei einem täglichen Durchlauf von knapp zwei Millionen Briefen. „Ersatzteile gibt’s lange nicht mehr. Es wurde einfach Zeit, die Anlage zu modernisieren“, sagt Karl-Heinz Behrens. Denn künftig im Internet nach Ersatzteilen zu suchen, „sei keine echte Alternative“. Da ist sich der Leiter der Niederlassung Brief Essen sicher. Dass er womöglich schon mal bei „Ebay“ den Versuch gestartet hat, mag er nicht bestätigen. Aber auch nicht dementieren.

Doch spätestens seit Mittwoch ist diese Idee nicht nur aus seinem Kopf, sondern auch aus seiner 230 Meter langen und 70 Meter breiten Halle verschwunden. Denn Behrens hat eine neue. Für neun Millionen Euro hat die Deutsche Post eine neue, hochmoderne „Großbriefsortiermaschine“ der Firma Siemens an die Daniel-Eckhardt-Straße gestellt, eine, die effizienter, schneller und beim Stromverbrauch um 20 Prozent sparsamer sei, als ih­re betagte Vorgängerin. Und so sortiert die neue Anlage seit gestern mit vierfachem Durchsatz rund um die Uhr Groß- und Maxisendungen. Die alte ist längst demontiert und verschrottet.

Schon 11 Milliarden Sendungen bearbeitet

Die „Brieffabrik“, wie sein Kollege Hans Ulrich Zimmermann die Hallen gerne nennt, bearbeitet sämtliche ein- und ausgehenden Briefsendungen der Postleitzahlregion 45 – also alle Briefe, die die Deutsche Post in Essen zustellt und abholt, ebenfalls von Mülheim im Westen bis Waltrop im Osten, Haltern im Norden bis Hattingen im Süden. Alle diese Briefe landen in den späten Nachmittagsstunden im Briefzentrum – aus Briefkästen, Postfili­alen und von Großkunden.

Im April vor 15 Jahren in Betrieb genommen, wurde das Essener Briefzentrum seit 2009 bei laufendem Betrieb peu à peu modernisiert: Neben der nun in Betrieb genommenen Großbriefsortieranlage zählt Zimmermann fünf integrierte Anschriftenlese- und Videocodiermaschinen fürs Sortieren von Kombi- und Standardbriefen auf, sowie eine weitere Sortieranlage für Groß- und Maxibriefe.

Zunächst werden die Briefe nach Formaten getrennt und in eine Aufstellmaschine eingelegt. Eine au­tomatische Abtasteinrichtung erkennt die Briefmarke und wendet den Brief, bis er in der richtigen Position für den Stempelvorgang liegt. Anschließend lesen komplexe Computer die Anschriften der Sendungen und codieren sie. Dann werden die Sendungen nach allen deutschen Orten und Zustellplätzen sortiert, bevor sie die Halle ins Ziel-Briefzentrum verlassen. „Elf Milliarden Sendungen, die hier durchgegangen sind, das ist kein Pappenstiel“, betont Karl-Heinz Behrens.

Neue Maschinen sorgen für höhere Zustellqualität 

Wer einen Blick in die Halle wirft, der riesigen Anlage lauscht, das Klackern der Etikettenmaschine hört und im Sekundentakt Postkisten auf Laufbändern mit seinen Augen verfolgt, gefüllt mit Briefen und Katalogen, könnte meinen: Wofür braucht es bei diesem Wunderwerk der Technik überhaupt noch Mitar­beiter aus Fleisch und Blut? Immerhin sind aktuell 450 im Briefzentrum tätig und begleiten Tag für Tag die Reise des Briefs. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. „Kündigungen wird es bei uns nicht geben“, so Behrens. Denn eine solche Anlage würde ohne den Menschen nicht funktionieren. Die Investition ins Briefzentrum mache vielmehr deutlich, dass die Post am Standort festhält.

Kunden würden durch die neuen Maschinen von einer höheren Zustellqualität und Schnelligkeit profitieren. Und auch Mitar­beiter haben etwas davon. „Die neuen Maschinen sind viel leiser, die Arbeitsplätze ergonomisch besser ausgestattet“, sagt Zimmermann. Maximal drei Millionen Sendungen täglich – etwa in der Weihnachtszeit – können bearbeitet werden. Hinzu kommen sechs Millionen Briefe, die auf Paletten im an die Halle angrenzenden Depot umgeschlagen werden. Bundesweit hat die Deutsche Post übrigens rund 420 Millionen Euro investiert – in 288 Sortiermaschinen für Standard- und Kompaktbriefe sowie 97 Sortieranlagen für Groß- und Maxibriefe.

81 Briefzentren

81 Briefzentren zählt die Deutsche Post bundesweit, eines in Essen. Sie unterscheiden sich in der Zahl der täglich umgeschlagenen Sendungen: S (450.000 bis 750.000), M (750.000 bis 1,5 Millionen), L (1,5 bis 2,25 Millionen), XL (2,25 bis 3 Millionen) und XXL (3 bis 4,5 Millionen). Zudem gibt’s am Frankfurter Flughafen das In­ternationale Postzentrum, eines der modernsten der Welt, das für alle Auslands-Brief- und Paketsendungen zuständig ist. Bis zu fünf Millionen Sendungen werden dort täglich bearbeitet.

Zum Vergleich: Noch bis in die 1990er Jahre gab es deutschlandweit rund 1000 Briefbearbeitungsstellen. Sie mussten 1993 weichen, da fünfstellige Postleitzahlen eingeführt, Briefgrößen standardisiert und Briefzentren errichtet wurden.

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