Virale Videos

Essener Agentur fordert von Trump: Ruhrgebiet Second

Die kreativen Köpfe hinter dem Ruhrgebiets-Beitrag: Sebastian Schulz, Geschäftsführer Heureka, Laura Teigelack, Projektleitung Marketing und Patrick Wellner, Projektleiter (v.l.n.r.).

Foto: Christof Köpsel

Die kreativen Köpfe hinter dem Ruhrgebiets-Beitrag: Sebastian Schulz, Geschäftsführer Heureka, Laura Teigelack, Projektleitung Marketing und Patrick Wellner, Projektleiter (v.l.n.r.). Foto: Christof Köpsel

Essen.   Millionen Menschen lachen über ein Satire-Video von Arjen Lubach. Internationale Komiker reichten Beiträge ein. Auch das Ruhrgebiet hat einen.

„Das Ruhrgebiet. Das größte Gebiet der Welt. Es ist ein großes Gebiet, eine super Stadt. Über fünf Millionen Menschen leben hier. Mehr Menschen als im Rest Europas. Es ist wahr.“

Ob diese Behauptung aus dem Bewerbungsvideo um den Platz hinter „America first“ tatsächlich wahr ist, oder sind in dem kurzen, englischen Film-Clip doch alternative Fakten im Spiel?

Über das satirische Video des niederländischen Komikers Arjen Lubach lachen seit Wochen Millionen Menschen weltweit. Im Sprach-Stil des amerikanischen Präsidenten Donald Trump stellte der Komiker Gregory Shapiro die Niederlande vor: Über europäische Nachbarn wurde gewitzelt, der Abschlussdeich als Mauer ausgegeben und die Nationalfarbe Orange als Gemeinsamkeit mit dem US-Präsidenten selbst erklärt.

Auch das Ruhrgebiet wäre gerne Zweiter

Am Ende der vermeintliche Sinn des Videos: Als Antwort auf die Forderung Trumps „America first,“ also Amerika an erster Stelle, als Synonym für eine Politik mit protektionistischen Einflüssen, forderte die Komiker Lubach und Shapiro, dass die Niederlande wenigstens Platz zwei einnehmen sollten.

Seitdem hat der Film Nachahmer von Israel bis Namibia. Alle wollen nur das Eine: die Zweiten sein. Auf der Webseite: everysecondcounts.eu werden nationale Beiträge von Komikern der ganzen Welt gesammelt.

Dank der Heureka GmbH mit Sitz auf dem Essener Privatschloss Schellenberg hat nun auch das Ruhrgebiet seinen Beitrag im fiktiven Wettbewerb. Die Macher bleiben dabei nicht nur dem Konzept des Videos treu, sondern schaffen es, eine Satire der Satire zu schaffen.

Denn Unternehmens- und Markenkommunikation ist tatsächlich das Hauptgeschäftsfeld der Firma, in ihrem Büro ist alles aufeinander abgestimmt, modern, technologisch, fast futuristisch. Das Video hingegen ist, so sagt es Mitgeschäftsführer Sebastian Schultz selbst: „eher trashig“, geraten. Die Profis nehmen sich selbst auf die Schüppe: Mit einfachen Mitteln sind die Bilder zusammengeschintten, die Grafiken sind simpel und die Kamera-Schwenks teilweise schnell und ruckelig.

Innovationskraft: Feuerzeug als Flaschenöffner

Im Hintergrund dudelt Blasmusik, während ein Sprecher, der deutlich Deutscher ist, die Vorzüge des Ruhrgebiets herausstellt. Da öffnet ein Darsteller mit einem Feuerzeug eine Bierflasche - natürlich der Marke Stauder. Dazu merkt der Sprecher die große Innovationskraft des Ruhrgebiets an. Die Bilder sind „Stock-Fotos“, also Bilder, die es ohnehin auf Vorrat gibt, wenn nötig mit Absicht amateurhaft nachbearbeitet.

Auf ihrer Facebook-Seite hat die Kommunikation-Agentur das Video geteilt, auf Youtube ist es über 4000 Mal geklickt worden. „Das ist nicht super viel,“ räumt Schulz ein, und er sagt auch: „Wer uns in der Branche kennt, weiß, dass der Beitrag nicht ganz ernst gemeint ist.“ Immerhin hat die Firma mit den rund 20 Mitarbeitern, die alle aus dem Ruhrgebiet kommen, schon mehrfach internationale Design-Wettbewerbe gewonnen.

Satire in der Satire

Wer sich auf die Satire in der Satire-Aktion einlässt, erkennt durchaus die typischen Punkte: So zieht man mit Bildern des Straßenkarnevals über die Nachbarn im Rheinland her, alle Menschen dort seien Fake-Polizisten und Fake-Krankenschwestern. Auch mahnt der Sprecher dringend an, den Rhein nicht mit der Ruhr zu verwechseln, für diese Sequenz haben die Macher ein Bild des Kölner Doms an ein Gewässer gebastelt. Hannelore Kraft, die die Power sogar im Namen führe, sei außerdem nicht Angela Merkel.

Auch der Orange-Witz aus dem Original findet sich wieder, so habe Curry-Sauce aus dem Revier doch fast die Farbe wie der Präsident selbst. Und da die NRW-Flagge fast so aussieht wie die Mexikos, das hiesige Land aber keine gefährlichen Schlange habe, steht am Ende des Videos dann auch die Forderung: Wenn schon America first, dann Ruhrgebiet second. (mit dpa)

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik