Hohenlimburg.

Frank Wiegold: Wir betreten absolutes Neuland

Frank Wiegold (links) stellte der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Uferstraße die Methode PECS vor, mit der nun Flüchtlinge die deutsche Sprache lernen.

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Frank Wiegold (links) stellte der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Uferstraße die Methode PECS vor, mit der nun Flüchtlinge die deutsche Sprache lernen. Foto: WP

Hohenlimburg.  Der Hohenlimburger Frank Wiegold lässt aufhorchen. „Es ist absolutes Neuland, was hier betreten wird, weil das meines Wissens nach noch niemand ausprobiert hat. Die Erfolge können sich aber durchaus sehen lassen“, so der Nahmeraner.

Wiegold ist eigentlich Ergotherapeut und arbeitet mit kleinen Bildchen, um autistischen oder schwerstbehinderten Menschen die Kommunikation zu erleichtern. Jetzt lernen die in der Nahmer wohnenden Flüchtlinge die deutsche Sprache danach.

Der 46-Jährige stellte zunächst diese Methode der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde vor und stieß damit auf reges Interesse. Dass ein solches therapeutisches Instrument nun genutzt wird, um Sprachkenntnisse zu vermitteln, findet der in Neuenrade arbeitende Hohenlimburger großartig.

Unterrichtet werden die Flüchtlinge dabei von Ehrenamtlichen, die zwar keine Lehramtsausbildung genossen haben, jedoch mit größter Tatkraft versuchen, die Grundzüge der deutschen Sprache zu vermitteln. Dabei greifen sie auf das Kommunikationssystem PECS (Picture Exchange Communications System) zurück, das in den 80er und 90er Jahren in den USA entwickelt wurde. Das Prinzip ist fast selbsterklärend und vor allem handlungsorientiert aufgebaut. Es geht um kleine Bildchen, die eine Tätigkeit, eine Farbe oder einen Gegenstand beschreiben. Über dem Bild steht das zur Abbildung gehörende Wort. Mit Hilfe der Karten können die Sprachlerner nun versuchen, Sätze zu bilden und erhalten so ein erstes Gefühl für Sprache. „Der Schüler lernt schnell Vokabeln und bekommt ein Gefühl für den deutschen Satzbau, ohne dass dieser explizit gelehrt wird“, so Thomas Gerlach, der vor seiner beruflichen Zeit als Pastor selbst als Förderlehrer tätig war. „Man kann die Methode mit einer Reise nach China vergleichen. Weil wir die Schrift dort nicht lesen können, orientieren wir uns an Symbolen und Piktogrammen und finden uns auf diese Weise in einem fremden Land zurecht“, erklärt Wiegold. Er sieht darin eine guten Einstieg in die deutsche Sprache, was als Basis für spätere Integrationskurse genutzt werden kann.

Bei den ehrenamtlichen Lehrkräften sorgt das System manchmal für Schwierigkeiten, weil es nicht, wie der normale Grammatikunterricht, auf stupides Lernen von Regeln abzielt, sondern weil es gezielt auf sprachliche Anwendung ausgerichtet ist.

Eine Tasse Kaffee trinken

„Theoretisch kann man mit seinem Ordner in ein Geschäft gehen, die einzelnen Kärtchen nebeneinander legen und somit zum Beispiel zum Ausdruck bringen, dass man eine Tasse Kaffee trinken möchte“, erklärt Gerlach. Sollte der Erfolg anhalten, so wird die Gemeinde überlegen, ob sie ihre Lehrkräfte zu einer PECS-Schulung schicken wird, bei der die Gemeindeglieder gezielt unterrichtet werden, mit dieser Methode zu arbeiten. „Unser Ziel ist es, jeden zu erreichen. Auch die, die Analphabeten sind oder auf Grund traumatischer Erlebnisse ihre Einrichtungen nicht verlassen wollen, sind bei uns herzlich willkommen“, betont Thomas Gerlach, der mit seiner Gemeinde einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten will.

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