Mobilität auf dem Land

Grüne setzen weiterhin auf Mitfahrbänke

So funktioniert die Mitfahrbank. Wer drauf sitzt und das Schild mit dem Zielort ausklappt, signalisiert, dass er mitgenommen werden möchte.

Foto: privaT

So funktioniert die Mitfahrbank. Wer drauf sitzt und das Schild mit dem Zielort ausklappt, signalisiert, dass er mitgenommen werden möchte. Foto: privaT

Lennestadt/Kreis Olpe.   So schnell lassen sich die Grünen nicht klein kriegen. Nach dem „Nein“ im Kreistag soll die Stadt Lennestadt Mitfahrbänke finanzieren.

Das Konzept ist einfach und vergleichsweise günstig. Dennoch hat sich der Kreistag gegen die Aufstellung von sogenannten Mitfahrbänken im Kreis Olpe ausgesprochen. Die Grünen in Lennestadt wollen das Projekt aber nicht aufgeben und stellten jetzt provisorisch zwei „Mitfahrbänke“ für einige Stunden in Oberelspe und Elspe auf. Einhellige Meinung: Das Konzept, schon in der Eifel oder auch im Raum Arnsberg erfolgreich umgesetzt, wäre auch was für den Kreis Olpe. „Einige Leute haben nachgefragt, was wir da machen und alle fanden die Idee gut“, so Dr. Gregor Kaiser, Landtagskandidat der Grünen im Kreis Olpe.

Kein Praxistest

Von einem echten Praxistest wollen die Grünen aber noch nicht sprechen. Dafür müsse man die Bänke ein paar Wochen lang aufstellen und das Konzept per Öffentlichkeitsarbeit erst einmal bekannt machen. Aber schon die kurze „Stellprobe“ im Elspetal habe gezeigt, dass das Konzept eine Chance verdient habe.

Vor allem für Ältere und Jugendliche ohne Führerschein könne die Mitfahrbank eine tolle Ergänzung sein, um von A nach B zu kommen, oder einfach zur nächsten Bushaltestelle oder zu nächsten Bahnhof. Kombiniert mit dem von den Grünen geplanten ÖPNV-Ticket, mit dem man für 2 Euro am Tag in ganz NRW im Regionalverkehr mobil sein sollte, seien Mitfahrbänke die ideale Ergänzung.

Kaiser: „Der ländliche Raum ist stark, fast jeder kennt jeden. Warum das nicht nutzen und gemeinsam zum Ziel kommen? Das ist gut für die Umwelt, für den Geldbeutel und den zwischenmenschlichen Austausch.“

Spontaner Treffpunkt

Das Konzept funktioniert folgendermaßen: Die Mitfahrbank ist ein Treffpunkt für spontane, kostenlose Fahrgemeinschaften. Im Unterschied zum traditionellen „Trampen“ setzt das Konzept auf das enge soziale Geflecht des ländlichen Raums. Wer nicht mit einem Fremden fahren möchte, der wartet einfach, bis ein bekanntes Gesicht anhält. Es geht um einen Gewinn an Mobilität und an sozialer Interaktion. Es schont den Geldbeutel und die Umwelt. Das Angebot soll das Angebot des ÖPNV ergänzen – und keine Konkurrenz machen. So funktioniert die Mitfahrbank aus Sicht des Mitfahrers bzw. der Mitfahrerin: 1. Richtungsschilder mit der gewünschten Fahrtrichtung aufklappen, 2. Warten bis jemand anhält, 3. Ziel mündlich klären, einsteigen und am vereinbarten Zielort wieder aussteigen.

Aus Sicht des Autofahrers sieht der Ablauf so aus: 1. Jemand sitzt auf der Mitfahrbank und möchte mitgenommen werden, 2. Wenn der Wartende vertrauenerweckend erscheint: anhalten, Ziel mündlich klären, einsteigen lassen und am Zielort wieder absetzen.

Natürlich soll man die Bank auch als Ruhebank nutzen können. Dann klappt man ein leeres Schild ohne Zielangabe auf.

Nachdem der Antrag der Grünen im Kreistag gescheitert ist, werden die Lennestädter Grünen nun einen Antrag an den Stadtrat stellen, um sechs bis acht gleich aussehende Mitfahrbänke im Stadtgebiet aufzustellen, und zwar für einige Wochen, um den Wiedererkennungseffekt zu steigern.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik