Schönes NRW

Meschede-Eversberg - das Ackerbürger-Städtchen

Die katholische Pfarrkirche in Meschede-Eversberg.

Die katholische Pfarrkirche in Meschede-Eversberg.

Meschede-Eversberg.   750 Jahre ist Eversberg im Sauerland alt. 1975 verlor der Ort die Stadtrechte durch die kommunale Neugliederung an Meschede. 1981 wurde Eversberg im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ als Bundesgolddorf ausgezeichnet.

Von der Autobahn winkt der Kirchturm mit barocker Haube den Vorbeifahrenden: „Es lohnt sich, Eversberg anzuschauen!“ Während aus südlicher Richtung die Hügelkette der „Caller Schweiz“ heftig auf und nieder wogt, kann man am Ende der BAB 46 (Anschlussstelle Bestwig, Nr. 71) zweimal rechts fahren und erreicht über Wehrstapel mit einer aufsteigenden Straße die schöne historische Bergstadt am Fuß des Schlossberges im Naturpark Arnsberger Wald.

750 Jahre ist die Stadt alt, die aber 1975 ihre Stadtrechte durch die kommunale Neugliederung an Meschede verloren hat. 1981 wurde Eversberg im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ als Bundesgolddorf ausgezeichnet.

Holz und Weiden zur Stadtgestaltung

1242 gründete Graf Gottfried III. (Arnsberger Grafengeschlecht) die Stadt Eversberg, um sein Land zu sichern, das ringsum von den Besitzungen des Erzstiftes Köln umgeben war. Die Stadt erhielt das „Lippstädter Recht“ und eine eigene Münzstätte, die Gerichtsbarkeit und das Marktrecht.

Der Graf wies Eversberg Holz und Weiden zu, um die Bürger zur Stadtgestaltung anzuspornen. Beim Verkauf der Arnsberger Grafschaft wurde Eversberg doch „kurkölnisch“. Viele Schicksale mussten unter dem Schlossberg erduldet werden: hessische Besetzung, Verpfändung an das Haus Lippe, Widerstand gegen das reformierte Bekenntnis, Hexenprozesse, Pest und Brände, Plünderungen im Dreißig- und Siebenjährigen Krieg.

In einem Rathaus aus Fachwerk wurde auch der Unterricht für die Kinder aus Eversberg durchgeführt; eine ältere Schulstätte bestand schon 1695. Mit Velmede wird die Samtgemeinde (von „zu samt“ = zusammen, Gemeindeverband) Eversberg gebildet, später das Amt Eversberg, insgesamt preußisches Staatsgebiet.

Trotz einer Schiefergrube war die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftszweig; 1846 gab es hier die erste Textilfabrik in Westfalen, dazu zahlreiche kleinere Brennereien für den Hausgebrauch sowie Flachs- und Wollverarbeitung.

Sehenswertes beim Stadtrundgang durch Eversberg 

P vor dem ehem. Rathaus

1. Wildschwein-Rathaus: Das alte Rathaus auf dem Markt stammt von 1786; darin wurden von 1804 bis 1912 die Kinder vom Schulvikar und einem Lehrer unterrichtet. An der eingeschossigen Fachwerkfassade, zu der eine zweiläufige Treppe hochführt, prangt ein Hirschgeweih und ein Eberkopf „Anno 1764 … ist dieses Swein von den Eversberger gefangen.“ Das Stadtwappen führte den Eber und den Arnsberger Grafenadler.

2. Pfarrkirche St. Johannes Evangelist: Am Abhang des Schlossberges steht die Kirche mit einer farbprächtigen Barockausstattung, deren Bau 1242 im romanisch-gotischen Übergangsstil begonnen wurde und die 1247 von Erzbischof Konrad von Köln das Tauf- und Begräbnisrecht erhielt, eine dreijochige Hallenkirche mit frühgotischem Chor und 5/8 Schluss, einem starken Kirchturm (40 m hoch), früher ein Wehrturm und Zuflucht in Kriegszeiten. 1712 wurde durch den Meister C. Hesse der dreifach gestufte barocke Turmhelm gesetzt. Beachtenswerte Gewölbemalereien wurden 1934 entdeckt und 1957 restauriert: im Schiff Sterne und Kreise, bizarre Tier- und Pflanzenornamente (Ende 13. Jh.), im Chorgewölbe Christus als Weltenrichter (die sog. „Deesis“) mit Hl. Petrus, Paulus, Johannes evang. und Philippus, eine kölnische Arbeit von um 1330. Die reiche Barockausstatt ung mit Hochaltar (1720) ist vermutlich - Kloster Grafschafter Schule.

Das Hauptbild des Altares „Abendmahl“ wurde gestift et von Abt Nicolaus Hengesbach, einem gebürtigen Eversberger aus dem Kloster - Wedinghausen in Arnsberg; in der Spitze der Kirchenpatron, der Evangelist Johannes. Neben dem Altar Türen und Bilder der Hl. Maria und Hl. Anna im frü hen Rokoko. Die Seitenaltäre (Hl. Maria und Hl. Nikolaus) und Beichtstühle stammen von dem Bildhauer Leonhard Falter (um 1735–1807) aus Schmallenberg und dem Minoritenbruder Liborius aus Werl. Sehenswert ist die Doppelmadonna im Engelkranz (um 1730) und die Heiligenfiguren an den Pfeilern (Adler bei Johannes Evang. und Statue des hl. Norbert). Die etwas derb wirkende Pieta (15. oder 16. Jh.) stammt aus einer Feldkapelle.

3. Burgruine: Der frühere stattliche Burgbau wurde von Graf Gottfried III. von Arnsberg vermutlich vor 1242 zur Sicherung nach Osten angelegt. Für 1245/1300 Kastellane, u.a. Gottfried von Meschede, nachgewiesen, danach 1370 Burgmann Heinrich Wrede. Auf Stichen von 1575, 1577 und noch 1840 erkennt man drei Türme und hohe Gebäudeteile der Burg. 1437 besetzten die Hessen während der Soester Fehde die Burg; kurz danach verpfändete Erzbischof Ruprecht von Köln die Hälfte des Schlosses an Bernhard VII. zur Lippe. Schon 1300 forderte Erzbischof Wigbold die Schließung der Feste, Herzog Johann von Kleve besetzte Eversberg, und seit dem 16. Jh. verfiel die Höhenburg. „Burggraf von Eversberg“ war ein leerer Titel, er wohnte sogar außerhalb der Burg, von der seit 1629 nicht mehr gesprochen wird. Die neuen Vertreter des hessischen, später preußischen Staates hatten kein Interesse mehr an der gräflichen Burg – nur die Bürger benutzten sie als Steinbruch, sie verfiel. Von der Aussichtsplattform hat man einen herrlichen Blick in die Umgebung.

4. Alte Gassen: Sehenswert ist die kleine Kapelle am steilen Berghang mit Resten der Stadtmauer, die Lucienkapelle, ein kleiner Saalbau mit Dachreiter, dreiseitigem Chor und Schmuckportal, dessen Tür noch original erhalten blieb. Wegen der „Roten-Ruhr-Epidemie“ gelobte man den Bau und baute sie 1739 anstelle einer eingestürzten Kapelle neu. Sehenswert der Barockaltar mit einer Madonna mit Kind, flankiert von der Patronin, der hl. Luzia, und der hl. Agatha. Etwas weiter ist einer der wenigen Feuerwehrtürme aus Fachwerk anzuschauen, in dem früher die Schläuche nach mühevollem Einsatz getrocknet und Übungen zur Brandbekämpfung abgehalten wurden. In den Gassen und Straßen schauen die Fachwerkgiebel zur Straße – alte Ackerbürgerhäuser, d.h. die Bewohner haben als Bürger „nebenbei“ Landwirtschaft betrieben.

5. Fachwerkhaus-Ensemble: Die Ackerbürgerstadt zeigt auffällig viele und vor allem schön restaurierte Längs-Deelenhäuser mit sehr sinnfälligen Inschriften. In Kirchennähe, in der Mittel-, der Johannis- und der Oststraße sowie an der Stadtmauer sind solche Fachwerkhäuser des 17. und 18. Jh. zu finden. Chronogramme verweisen auf die Baujahre.

6. Rochuskapelle: Gelobter Bau wegen der Pestwährend des Dreißigjährigen Krieges zu Ehren des hl. Rochus, als Schutzheiliger gegen die Pest verehrt. 1669 entstand die Kapelle und wurde nach einem Abriss wegen Baufälligkeit 1927 neu errichtet. Im Innern steht ein Altar mit drei Statuen: St. Rochus, rechts St. Laurentius und links St. Vinzentius.

7. Heimatmuseum: Mittelstraße 12, ein Ackerbürgerhaus (18. Jh.), 1754 zusammen mit fünf Nachbarhäusern abgebrannt, schon 1756 als typischer Vierständerbau, zweigeschossig wieder aufgebaut auf vier Eichenholzständerreihen als Träger des Dachwerks und einer niedrigen Bruchsteingrundmauer ohne Keller. Inschrift : „Camerarius Casparus Dolle et Anna Margaretha Lorens Anno Domini 1756 1. Juni“ (Der Kämmerer Caspar Dolle und Anna Margaretha Lorens im Jahre des Herrn 1756, den 1. Juni).

Empfehlungen in der Umgebung 

  • St. Walburga, Meschede: Aus dem Frauenstift St. Walburga erfolgten Gründungen von Höfen, Klöstern, das Stift war wirtschaftliches Zentrum des Ruhrtales. Auf den Resten der alten Stiftskirche entstand 1663 die Pfarrkirche St. Walburga. Sensationell sind die in den Boden eingelassenen Tongefäße zur Verbesserung der Akustik! Auf der anderen Seite der Ruhr liegt die Hünenburg, eine Wallburg die vor vielen Hunderten von Jahren den Menschen von „Mescedi“ Schutz vor Feinden bot.
  • Macke-Geburtshaus, Schützenstraße Nr. 16: Eine Gedenktafel weist auf das Geburtshaus des bedeutendsten deutschen Malers aus der Zeit des Expressionismus hin – August Macke (1887–1914).
  • Die Einsiedelei und das moderne Kloster in Meschede: Auf einem Hochplateau über Meschede steht die Klausenkapelle St. Michael (18.Jh.) und einem Anbau aus Fachwerk, auffällig der Kieselboden in der Kapelle. Mit der Aussicht von hier ist die mächtige Klosterkirche der Benediktiner Abtei auf einer Anhöhe im Norden der Stadt nicht zu übersehen. Hoch ragen die roten Backsteinwände der wie ein gewaltiges Schiff 1964 gemauerten Kirche empor. (Abtei Königsmünster, Telefon 0291/29950).
  • Wassermühle Oberberger Str. 11, OT Berge (Telefon 02903/850101): eine Bannmühle am Ortsausgang, die den Kurfürsten von Köln gehörte; erstmals erwähnt 1516. Das Wohnhaus steht seit 1571, die Wassermühle im heutigen Zustand stammt von 1850 und ist noch voll mit der Mühlentechnik eingerichtet. Auf dem alten Kornboden wurde liebevoll mit alten Möbeln das „Mühlen- Café“ eingerichtet.
  • Kotthoffs Mühle und Sägemühle: Am Caller Bach 17, OT Calle; Aus einem Hammerwerk wurde 1864 eine Getreidemühle mit zwei Mahlgängen, einen für Roggen und Weizenmehl und einen für Futtermehl, je mit einem Wasserrad angetrieben (Telefon 0291/6619, Fax 52559).
  • Sägemühle Schulte: Sägemühle 13, OT Remblinghausen, eine mehr als 300 Jahre alte Anlage mit Stellmacherwerkstatt , der Maschinenanlage mit Turbine, Transmission und angetriebenen Gattersäge, Dreschmaschinen, Schrotmühle aus der Zeit von 1880 bis 1920. 1987 unter Denkmalschutz gestellt und von 1987 bis 1993 Instand gesetzt (Telefon 0291/3367, Fax 52217, mgh.mes@t-online.de).
  • Hennetalsperre: 1901 bis 1905 baute die „Thalsperrengenossenschaft der Oberen Ruhr“ an dem Flüsschen Henne eine 38 m hohe Bruchsteinmauer, im leichten 370 m langen Bogen; nach vier Jahren Bauzeit wurden elf Millionen cbm Wasser gestaut. Später war die alte Mauer außerordentlich gefährdet, so entstand von 1950–1955 das neue Sperrwerk von 250 m Breite, 60 m Höhe und der Kronenbreite von 10 m; gestaut werden in der Hennetalsperre ca. 39 Millionen cbm. Auf der Talseite ist das Sperrwerk als Naturdamm ausgebildet, eine außergewöhnliche Anlage!
  • Abenteuerland Fort Fun für Kinder und Eltern in Bestwig-Wasserfall, Telefon 02905/810.
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