Landgericht Siegen

Drei Jahre und elf Monate Haft für Vergewaltigung an Ex-Frau

Der 48-Jährige muss insgesamt für drei Jahre und elf Monate ins Gefängnis.

Foto: Mike Röser

Der 48-Jährige muss insgesamt für drei Jahre und elf Monate ins Gefängnis. Foto: Mike Röser

Siegen.   Wegen Vergewaltigung hat das Landgericht Siegen einen 48-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten verurteilt.

Die Große Strafkammer des Landgerichts Siegen hat einen 48-jährigen Mann aus Drolshagen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Kraftfahrer seine Ex-Frau T. vergewaltigt hat. Vorgeworfen worden war ihm auch schwere Körperverletzung und der sexuelle Missbrauch seiner zweiten Ex-Frau M.

Die Anklage

„Ich will das einfach nur hinter mir haben“, antwortete der Angeklagte Michael S. kopfschüttelnd, als die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach ihn nach einem letzten Wort fragte, das er vor der Urteilsverkündung sprechen darf.

Der erste Fall soll sich im August 2001 zugetragen haben. Ende 2012 habe er dann, so die Anklage, bei seiner zweiten Ehefrau M. tiefgreifende Bewusstseinsstörungen herbeigeführt und sie vergewaltigt. Gemeinsam verklagten die beiden Frauen S. Nach fünf Verhandlungsterminen folgte am Freitag das Urteil. Vorläufig eingestellt wurde das Verfahren der Nebenklägerin M. aufgrund von fehlenden Beweisen.

Der Tathergang

In der Urteilsbegründung wird der Tathergang so dargestellt: Obwohl die Beziehung zwischen dem Angeklagten und seiner damaligen Ehefrau T. bereits beendet war, sei sie weiterhin in einem Steuerbüro in dem Haus, in dem sich die vormals eheliche Wohnung befand, als Putzkraft tätig gewesen. S. habe T. gelegentlich abgefangen, um einvernehmlich mit ihr zu schlafen.

Am Tag der Tat habe der 48-Jährige erneut auf T. gewartet. Doch die Klägerin teilte ihm ihre Entscheidung mit, sich nicht mehr auf Geschlechtsverkehr mit dem Mann einzulassen. Sie solle ihren ehelichen Pflichten nachkommen, habe S. insistiert. Daraufhin habe er sie in die Wohnung gezerrt, gewaltsam ins Schlafzimmer geschoben und auf das Bett gedrückt. Das Opfer habe sich stark gewehrt, jedoch konnte der Angeklagte ihre Arme mit zuvor bereitgelegten Gardinenbändern ans Bett fesseln. Trotz der Einwände der ehemaligen Lebensgefährtin, dass sie nicht verhüte, habe S. begonnen, sie sexuell zu missbrauchen.

Nach der Tat habe er einen ihrer Arme freigebunden, sodass sie sich selbst befreien konnte. Sie habe ihre Sachen genommen und die Wohnung überstürzt verlassen, um das Steuerbüro grob zu reinigen. Zu Hause habe ihre Mutter T.’s verändertes Verhalten bemerkt und sie am nächsten Tag zur Rede gestellt. Einige Zeit nach der Tat habe sie eine Schwangerschaft in Folge der Vergewaltigung festgestellt und einen Abbruch vornehmen lassen.

Das Urteil

Wegen schwerer Vergewaltigung wird Michael S. zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten verurteilt. Er habe nicht nur Gewalt gegen T. angewandt, sondern auch bewusst ihren Widerstand gebrochen. Strafmildernd, so die Kammer, sei berücksichtigt worden, dass die Tat schon sehr lange zurückliegt. Außerdem seien die sexuellen Kontakte des ehemaligen Paares zuvor einvernehmlich erfolgt, Michael S. habe sich schon am nächsten Tag mit einem Blumenstrauß bei dem Opfer für sein grobes Verhalten entschuldigt. Zugunsten des Angeklagten wurde wegen der langen Verfahrensdauer eine Haftminderung von drei Monaten eingeräumt.

Das Urteil stützt sich auf die Aussage der Nebenklägerin. Sie habe den Tathergang überzeugend beschrieben. Dass sie S. keiner weiteren Vergehen beschuldigte, um dies zu ihrem Vorteil zu nutzen, unterstütze ihre Glaubhaftigkeit. Auch die Zeugenaussagen seien schlüssig und widersprächen nicht den geschilderten Geschehnissen. Auf die Strafe angerechnet wurde außerdem eine vorherige Geldstrafe.

Die Folgen

Michael S. kann gegen das Urteil in Berufung gehen. Erledigt ist die Angelegenheit in jedem Fall für den Angeklagten aber noch nicht: Die Kammer zieht in Betracht, eine weitere Verhandlung anzusetzen, um S. wegen Körperverletzung zur Verantwortung zu ziehen.

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