Rettungsdienst

Malteser: Rollende Intensivstation für Siegen-Wittgenstein

Kai Kölsch (links) und Michael Heinelt gehören zur Besatzung des Intensivtransportwagens, der werktags von 8 bis 18 Uhr einsatzbereit ist. Später und an Wochenenden gibt es eine Rufbereitschaft.

Foto: Malteser

Kai Kölsch (links) und Michael Heinelt gehören zur Besatzung des Intensivtransportwagens, der werktags von 8 bis 18 Uhr einsatzbereit ist. Später und an Wochenenden gibt es eine Rufbereitschaft. Foto: Malteser

Siegen-Wittgenstein.  350.000 Euro für medizinische Spezialausstattung im Intensivtransportwagen ITW. 248 Einsätze pro Jahr. Stationiert bei Maltesern in Geisweid.

Wenn Michael Heinelt und seine Mannschaft ausrücken, geht es um Leben und Tod: 248 Mal im Jahr rückt der Intensivtransportwagen (ITW) aus, um einen Patienten aus einem Krankenhaus in Siegen-Wittgenstein zu einer Uni- oder Spezialklinik zu transportieren, nach Köln oder Gießen, Bonn oder Marburg — im Einzelfall aber auch zur MHH nach Hannover, wo der kranke Fahrgast eine neue Lunge bekommen konnte: „Das haben wir auch ganz gut hingekriegt“. Den Transport. Denn wie sich der spätere Genesungsprozess entwickelt, erfahren die Rettungssanitäter des Malteser Hilfsdienstes naturgemäß nur sehr selten.

Rettungsdienst im Nebenberuf

Seit September verfügen die Malteser über das Fahrzeug, das sie jetzt dem Gesundheitsausschuss des Kreistags vorstellten. 350.000 Euro haben sie investiert, überwiegend für die technische Ausrüstung. „Wir sind für alle Eventualitäten ausgestattet“, sagt Heinelt, nur röntgen und operieren kann die Besatzung der rollenden Intensivstation nicht. 15 Fachpflegekräfte, der Notfallsanitäter und elf Rettungsassistenten bilden den Personalstamm; die Pflegekräfte arbeiten allesamt in Intensivstationen und versehen den Rettungsdienst nebenberuflich. Die Ärzte auf dem Wagen kommen in der Regel vom Jung-Stilling-Krankenhaus, ärztlicher Leiter des Intensivtransports ist Dr. Jörg Conzen.

Von 8 bis 18 Uhr ist das bei den Maltestern in Geisweid stationierte Fahrzeug einsatzbereit — nicht nur in Siegen-Wittgenstein, sondern zur „Spitzenabdeckung“ auch in den Nachbarkreisen sowie in den rheinland-pfälzischen und hessischen Nachbargemeinden. Entstanden ist das Angebot aus einer Not heraus. Michael Heinelt ist auch im Rückholdienst engagiert — doch oft, wenn er mit einem Patienten auf dem Siegerland-Flughafen landete, gab es Probleme, den nächst erreichbaren Intensivtransportwagen aus Köln oder Gießen für die zeitraubende Anfahrt zu gewinnen. „Wie hat man das denn vorher gemacht?“, fragt Gesundheitsausschussvorsitzende Kornelia Busch-Pfaffe (CDU). Da, so die Antwort von Michael Heinelt, gab es eben nur den normalen Rettungswagen mit EKG an Bord.

ITW nur von Klinik zu Klinik

Per 112 ist der Intensivtransportwagen nicht abrufbar, machte Heinelt den Politikern klar, die Sorgen um eine mögliche missbräuchliche Beanspruchung des teuren „Rettungsmittels“ durchblicken ließen. „Wir vertrauen den Ärzten“, sagt die für den Rettungsdienst zuständige Dezernentin Helge Klinkert. Der Wagen fährt nur von Klinik zu Klinik, und immer geht ein Gespräch von Arzt zu Arzt voraus, betont Dr. Contzen. Was nicht heißt, dass die Malteser im Notfall auch für die Erste Hilfe zur Verfügung stehen, wenn Feuerwehr und DRK Unterstützung brauchen. „An einer Unfallstelle werden wir nicht vorbeifahren“, versichert Michael Heinelt.

>>>>HINTERGRUND: Verstärkung für die Rettungswachen

Die Kosten für die ITW-Einsätze tragen die Krankenkassen – wie auch für den Rettungsdienst insgesamt. Die Kassen gaben auch den Anlass für die Verwaltung, ihren Entwurf für den Rettungsdienstbedarfsplan wieder zurückzuziehen. Eine Woche vor der Sitzung hatte es ein Treffen mit Hilfsorganisationen, Trägern der Rettungswachen und Krankenkassen gegeben. Dort wurde Bedarf nach Verstärkung bei Personal und Fahrzeugen geäußert — und von den Kassen Bereitschaft signalisiert, darüber nachzudenken. „Diese Chance wollen wir nicht verstreichen lassen“, sagt Dezernentin Helge Klinkert.

Was in dem nachgebesserten Plan steht, den der Gesundheitsausschuss nun in etwa zwei Monaten beraten wird, ist offen. Auf jeden Fall soll die Situation im Kernraum Siegen verbessert werden; dort ist die Kapazität des Rettungsdienstes am stärksten belastet. Oft müssen Rettungswachen aus dem Umland — vor allem Netphen — in Siegen aushelfen, vor allem dann, wenn vorher Siegener Fahrzeuge zur Verstärkung aus Kreuztal angefordert wurden.

Aus diesem Grund wurde bereits der vierte Rettungswagen in den 24-Stunden-Dienst einbezogen; aus Freudenberg und Netphen wurden die Krankentransportwagen nach Siegen verlegt. Vorgesehen war im bisherigen Bedarfsplan auch, das Babymobil von der Kinderklinik abends, an Wochenenden und Feiertagen zur Siegener Rettungswache zu verlegen. Dezernentin Helge Klinkert: „Das wird sicherlich so nicht kommen.“

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