Denkmal

Vergessenes Ehrenmal in Weidenau soll saniert werden

Jörg Schilling, Florian Afflerbach, Stefan Schönstein und Christian W. Thomsen (von links) vor dem Ehrenmal.

Foto: WP

Jörg Schilling, Florian Afflerbach, Stefan Schönstein und Christian W. Thomsen (von links) vor dem Ehrenmal. Foto: WP

Weidenau.   Das Ehrenmal auf Haardter Köpfchen in Weidenau geriet in Vergessenheit. Nun soll das Baudenkmal, das einst vom bekannten Architekten Martin Elsaesser entworfen wurde, saniert werden.

Im Winter sind die grauen Mauern zwischen den Zweigen gut zu sehen von der HTS. Um was es sich dabei genau handelt, wissen nur noch wenige. Allerdings gibt es auch keine Schilder. Auf denen zum Beispiel stehen könnte, dass das Ehrenmal 1925 errichtet und von dem berühmten Architekten Martin Elsaesser entworfen wurde. Stadt und Heimatverein möchten das Baudenkmal nun aus dem Dornröschenschlaf holen.

Die Geschichte

Das Ehrenmal wurde für die toten Soldaten im Ersten Weltkrieg errichtet. Eine 300-seitige Akte im Stadtarchiv dokumentiert diese Zeit. Errichtet für 53 000 Reichsmark, zu einer Zeit, da die Menschen in Weidenau kein Geld hatten. Es wurde gesammelt an den Haustüren, bei den Firmen. Entstanden ist ein Monument für die Ewigkeit, erbaut aus Grauwackeschiefer der Haardter Grube. Die Nationalsozialisten nutzen das Kiegerehrenmal für ihre Zwecke, auch um an den Volkstrauertagen gegen den Feind zu hetzen.

1952 bis 1958 wurde das Ehrenmal wieder aufgebaut – die germanischen Wächter, im

Krieg zerstört, wurden nicht wieder aufgebaut. Reinhold Köhler entwarf eine eiserne Platte für den Altar, Theo Meier-Lippe gestaltete die Fenster. Die Kunstwerke zeigen eine Mutter mit Kind (das Leben), einen Soldaten, der einen sterbenden Kameraden trägt (der Tod), und viele Kreuze, die an die Kriegstoten auf den Friedhöfen erinnern. Doch Jahr um Jahr geriet der Ort in Vergessenheit. In den 60ern sollen sich hier noch Weidenauer und Geisweider geprügelt haben. Dann wurde es zum lauschigen Platz für Schmusende, Kinder suchten hier ihre Ostereier und erlebten Abenteuer, später trafen sich Drogenabhängige auf dem Berg. Heute wirkt der Platz verlassen. Die Mauern sind mit Graffiti beschmiert. Ab und an führt jemand seinen Hund vorbei und Studenten nutzen den Weg als Abkürzung.

Der Architekt

„Es gibt keinen größeren Architekten, der etwas im Siegerland errichtet hat“, sagt der emeritierte Hochschullehrer Christian W. Thomsen über Martin Elsaesser (1884-1957). Elsaesser, Sohn eines pietistisch-frommen Pfarrers, wurde bekannt für seine Kirchenbauten. Am berühmtesten ist jedoch die Großmarkthalle in Frankfurt. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 2014 in den Neubau der Europäischen Zentralbank integriert.

Paul Fritz, Vorsitzender der Ehrenmal-Kommission, berichtete dem Weidenauer Rat im Sommer 1923 erstmals von Elsaesser. Vielleicht waren Fritz als Vorsitzender im Evangelischen Arbeiterverein die Kriegerdenkmäler bekannt, die Elsaesser ab 1919 im Christlichen Kunstblatt veröffentlichte. Im Februar 1924 reiste Fritz mit allen Unterlagen nach Köln, wo Elsaesser damals unter französischer Besatzung arbeitete. Im Mai bestätigte Elsaesser den Auftrag.

Die Sanierung

Eine Mauer oberhalb der HTS wurde bereits saniert. Folgende Arbeiten stehen noch an: Die übrigen Mauern, Gitter und der Altartisch mit der gebrochenen Platte und die Stele mit Figur. Die Figur aus Muschelkalk ist arg ramponiert. Eventuell müsste der leidende Christus nachgebildet werden.

Die Spendenaktion

Etwa 70 000 Euro benötigt die Stadt für die Sanierung. Eine Arbeitsgemeinschaft rund um den Weidenauer Heimatverein möchte bei einem Brunnenfest Geld sammeln. Das Fest wird vom 9. bis 11. September gefeiert – inklusive verkaufsoffenem Sonntag. Ein entsprechender Antrag wurde gestellt. Die Politik müsste dem noch zustimmen. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, Bausteine zu kaufen, um so einen Beitrag zu leisten.

Bauheft beschäftigt sich mit Denkmal
Der Schaff-Verlag aus Hamburg bringt Hefte über Bauwerke von Martin Elsaesser heraus. Das achte Bauheft befasst sich auf 55 Seiten mit dem Kriegerehrenmal in Weidenau. ISBN: 978-3-944405-19-3. Bestellen: info@schaff-verlag.de, www.schaff-verlag.de
Weitere Fotos vom Ehrenmal am Haardter Köpfchen gibt es hier.

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