KOnzert

WDR Big Band beschert Siegens Jazzfreunden einen Festtag

Die WDR Big Band gastiert erstmals mit ihrem neuen Leiter Bob Mintzer im Siegener Lyz.

Foto: Wolfgang Leipold

Die WDR Big Band gastiert erstmals mit ihrem neuen Leiter Bob Mintzer im Siegener Lyz. Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.   Die WDR Big Band tritt in Siegen erstmals mit ihrem neuen Leiter Bob Mintzer auf. Shannon Barnett zeugt Virtuosität auf der Posaune.

Einmal im Jahr ist Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Für die heimischen Jazzfreunde fallen diese Feiertage zusammen, wenn die WDR Big Band kommt. Schon am frühen Nachmittag, lange bevor die Musiker da sind, beginnt das Technik-Team, den riesigen Sound-Apparat einzurichten.

Mischpulte werden installiert, unzählige Mikrofone angeschlossen, alle aus Deutschlands feinster Werkstatt, jedem Musiker sein spezieller Sitz aufgestellt. Die WDR Big Band überlässt nie etwas dem Zufall. Zumal sie in Siegen erstmals mit ihrem neuen Leiter Bob Mintzer auftritt, einem weltbekannten Komponisten, Arrangeur und Saxofonisten. Ihm war vor Konzertbeginn gesagt worden, er sei 1996 mit einer Band schon einmal in Siegen gewesen. Doch „You remember. I not.“

Die Besten der Welt

Vom ersten Takt an lassen es die fünf Trompeter, vier Posaunisten, fünf Saxofonisten und die vierköpfige Rhythmusgruppe richtig krachen: Saxofon- und Posaunenklänge wie aus einem Guss. Dazwischen messerscharfe Trompeten-Riffs, wie sie nur die WDR-Bläser hinbekommen. Doch so unvergleichlich grandios auch der Gesamtklang der Band ist: Jeder Musiker ist auch ein formidabler Solist und bekommt, das ist das Konzept ihres aktuellen „Very Personal“ – Programms, auch reichlich Gelegenheit, das zu zeigen. Natürlich auch Saxofonistin Karolina Strassmayer, bei ihrem Band- Start 2004 noch bestaunter weiblicher Exot im WDR-Männerverein. Doch sie hat Verstärkung bekommen. Shannon Barnett kann gleich zu Beginn ihre bewundernswerte Virtuosität auf der Posaune zeigen.

In Bob Mintzers Arrangements sind die Bläser die Hauptakteure. Wenn diese einmal Generalpause haben, hört man feinstes klassisches Jazz-Quartett. Dabei setzt sich vor allem Rainer Böhm, der in dieser Saison das Urgestein Frank Chastenier am Klavier vertritt, nachhaltig in Szene. Der zaubert Tastenklänge mit vollem Körpereinsatz. Überhaupt Urgesteine: Trotz meist altersbedingten Wechsel bilden bekannte Gesichter das wohlvertraute Gerüst der Band. Etwa John Goldsby am Bass, der Posaunist Ludwig Nuss, Saxofonist Olivier Peters, der Drummer Hans Dekker – und natürlich Andy Haderer. Oft bewundert als Power-Trompeter kann er auch einfühlsam, wie seine weichen Töne bei einer klangschönen Ballade zeigen.

Doch einige zu nennen heißt nicht, die anderen zu vergessen. Sie alle bilden einen Klangkörper, der von Experten als die weltweit beste Big Band geadelt wird. Und Bob Mintzer hat seinem Ensemble sehr hörbar seinen Stempel aufgedrückt. Etwa, wenn er aus George Gershwins „I got Rhythm“, einem der ganz wenigen bekannten Titel des Programms, einen sehr starken Swing macht. Ob Hard-Rock, ein psychedelisches Duett im Zusammenspiel zwischen der Bass-Klarinette Jens Neufangs und der Gitarre, wobei auch der stoische Paul Shigihara einmal aufsteht, und dann wieder südamerikanische Rhythmen: Dieser Abend ist ein Festtag. Der endet nicht etwa laut und furios. Die letzten Takte sind ein Boogie, ganz allein vom Pianisten gespielt.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik