Botschafter für Warstein

Ewald Rahn wurde vor Warstein gewarnt – und blieb

Ewald Rahn

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Ewald Rahn Foto: WP

Warstein.   Als der Rheinländer Ewald Rahn 1997 nach Westfalen zog, wollte er eigentlich schnell wieder weg. Doch der Psychiater ist in Warstein hängen geblieben.

Er ist in Köln geboren und aufgewachsen, hat in Leverkusen und Wuppertal gelebt und als er 1997 eine spannende berufliche Perspektive bekam, war sein erster Gedanke: „Wo bin ich denn hier gelandet?“ Heute lebt Ewald Rahn seit mittlerweile 19 Jahren in Warstein, hat ein Haus gekauft und ist nach eigener Aussage „richtig angekommen“. Ein Kölner, der sich westfälisch fühlt – Ewald Rahn ist ein ungewöhnlicher „Botschafter für Warstein“.

Vor 63 Jahren wurde Ewald Rahn in Köln geboren, hat dort studiert und gearbeitet. 15 Jahre lebte und arbeitete er anschließend in Wuppertal, machte dort seine Psychiatrie-Ausbildung. Dann kam in den 1990er-Jahren die große Ärzte-Schwemme: „Man musste als Arzt aus den großen Städten raus, wenn man eine Perspektive haben wollte“, erinnert sich Rahn, „das war nicht einfach: Man konnte nicht dort bleiben, wo man war.“ Rahn schaute sich um und wurde in Westfalen fündig. „Das war für mich weit weg. Ich dachte zuerst; wo bist du denn da gelandet?“ Er bewarb sich auf die Chefarztstelle der LWL-Klinik in Warstein. „Ich konnte damals noch nicht mal die Brauerei klar zuordnen.“ Kurz gesagt: Ewald Rahn kannte die Gegend, in die er zog, überhaupt nicht.

Doch gleich am ersten Tag war er beeindruckt: „Das Klinikgelände hat mich überzeugt, das ist wunderschön.“ Seine Frau musste er ein wenig überreden, ins doch eher ländliche Westfalen zu ziehen. Heute ist sie diejenige, von der Rahn sagt: „Sie ist definitiv schnell hier reingewachsen und heute voll hier angekommen.“ Rheinländer und Westfalen – „das ist ja so eine Sache“, schmunzelt Rahn. Er war amüsiert, wie die Menschen in Warstein auf ihn reagierten. das war nämlich ganz anders, als er es erwartet hatte. „Alle Westfalen haben mir gesagt, alle Westfalen seien stoffelig – und dann war es ganz anders.“

Direkt zum Straßenfest eingeladen

Dabei hätte ihn das eher Zurückhaltende gar nicht so sehr gestört: „Berufsbedingt bin ich sozial eher introvertiert“, sagt der Chefarzt der Psychiatrie, „von daher habe mich schon ein bisschen westfälisch gefühlt.“ Doch seine Nachbarn waren alles andere als „typisch westfälisch“: Kaum waren Rahns eingezogen, wurden sie sofort zu einem Straßenfest eingeladen. „Vermutlich war ich dort mehr Westfale als die Westfalen selbst“, erinnert sich Ewald Rahn mit einem leisen Lächeln. Ein Jahr habe es gedauert, dann sei das Gefühl da gewesen: „Jetzt sind wir angekommen“. Und damit auch die Erkenntnis: Die Westfalen reden sich schlechter als sie sind. Das gelte insbesondere für Warstein, findet Rahn.

„Warstein liegt in einer sehr interessanten Gegend“, schildert er die Vorzüge der Wästerstadt, „man kann hier ganz andere Dinge sehen und tun als in einer Großstadt: joggen, Fahrrad fahren – und das ohne erst eine Stunde fahren zu müssen. Irgendwann gehört das zur Lebensqualität dazu.“ Er selbst hat diese Freizeitgestaltung im Laufe der Zeit immer mehr zu schätzen gelernt – und vermisst andere Angebote nicht: „Als ich in Wuppertal gelebt habe, bin ich auch nicht mehr ins Kino gegangen als heute. Und dabei hätte ich es zu Fuß erreichen können.“ Er plädiert dafür, in Warstein nicht so sehr dem „Großstadtmythos“ hinter her zu rennen. „Wenn ich Werbung für meine Stadt machen will, hilft kein neuer Anstrich, davon bin ich überzeugt.“ Vielmehr müssten die Bürger sich selbst einbringen. Rahn nennt das Beispiel des Kommutarismus aus den USA: „Hier übernehmen Gemeindemitglieder Verantwortung für ihre Kommune. So etwas ist für die Bindung an eine Region entscheidend.“

Chance liegt im Kleinen

Wenn Bürger den Eindruck hätten, dass sie etwas mitgestalten könnten, dann sei dies das beste Aushängeschild für die Stadt. „Und da hat Warstein doch einen klaren Vorteil als Kleinstadt: In einer kleinen Stadt sind die Chance, Dinge mitzugestalten, viel größer als in einer Großstadt.“ Er nennt auch Beispiele: „Das Engagement für die Flüchtlinge, was sich momentan im gesamten Stadtgebiet beobachten lässt, da sind Warsteins Bürger im Einsatz für ihre Stadt. Die Stadt wird dadurch freundlicher. Damit kann man Leute an eine Stadt und Region binden.“

Als er 1997 nach Warstein zog, reiste der Gedanke mit: „In vier, fünf Jahren ziehen wir hier eh wieder weg.“ Ewald Rahn schmunzelt. „Seit ungefähr zehn Jahren haben wir diesen Plan fallen gelassen.“ Und seitdem ist Ewald Rahn zu einem Botschafter für Warstein und Westfalen geworden, denn: „Ich erzähle den Leuten nicht, dass die Westfalen stoffelig sind. Das Gegenteil ist nämlich der Fall.“

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