Pferdesterben

Rätselhaftes Pferdesterben in Soest, Paderborn und Olpe

 Der Veterinärdienst des Kreises Soest verzeichnet eine Häufung von Todesfällen bei Pferden, die im Freien gehalten werden.

Foto: WP

Der Veterinärdienst des Kreises Soest verzeichnet eine Häufung von Todesfällen bei Pferden, die im Freien gehalten werden. Foto: WP

Soest/Olpe/Paderborn.  Mindestens elf Pferde sind in den vergangenen Tagen in Soest, Paderborn und Olpe unter rätselhaften Umständen gestorben. Was die Fälle verbindet: Die Pferde wurden alle im Freien gehalten. Tierärzte sind noch nicht sicher, vermuten aber eine spezielle Erkrankung, die häufiger im Herbst auftritt.

Sie sind kerngesund, äußerst vital und gut gepflegt. Und doch sterben sie innerhalb kürzester Zeit qualvoll auf der Weide. Der Veterinärdienst des Kreises Soest verzeichnet eine Häufung von Todesfällen bei Pferden, die im Freien gehalten werden.

Professor Dr. Wilfried Hopp, Chef des Veterinärdienstes, schlägt Alarm: „In den vergangenen Tagen sind sowohl im Kreis Soest, als auch in den Kreisen Olpe und Paderborn elf Pferde auf der Weide plötzlich verendet.” Das sei die Zahl, die die in Soest angesiedelte Tierkörpersammelstelle mitgeteilt habe. „Aber”, so Wilfried Hopp, „es sind sicher mehr.”

Atypische Weidenmyopathie

Die Kreisveterinäre haben die toten Pferde direkt obduziert. Die anschließenden Muskel- und Blutuntersuchungen haben ergeben, dass es sich bei der Todesursache der Vierbeiner um die „atypische Weidemyopathie” handelt. Der Chef des Veterinärdienstes: „Sie ist in der Vergangenheit immer wieder periodisch gehäuft aufgetreten.” Besonders im Herbst könne die Erkrankung - wie in Wellenbewegungen - die Pferde auf der Weide befallen.

Unklare Ursache

Bereits im Herbst und im Winter - zwischen 1995 und 1996 - sei die „atypische Weidemyopathie” im Kreis Soest aufgetreten. „Trotzdem ist uns die Ursache der Erkrankung noch unklar”, so Wilfried Hopp, „wir vermuten, dass sich wegen der momentanen spezifischen Klima- und Witterungsbedigungen ein Gift - möglicherweise in Pflanzen - bildet, das bei Pferden eine akute Muskelerkrankung auslöst und sehr schnell zum Tod führt.”

Feuchte Weiden gefährlich

Dabei sind es nicht etwa vernachlässigte oder gar verwahrloste Tiere, die dem rätselhaften Sterben zum Opfer fallen, sondern „gut genährte und gepflegte Pferde”. Was sich eingrenzen lässt, ist die Art der Wiesen, auf denen die Stuten und Hengste stehen. Dr. Hopp: „Die Erkrankungsfälle scheinen sich immer dann zu häufen, wenn die Temperatur unter fünf Grad fällt und die Pferde auf feuchten Weiden in Waldnähe oder auch auf Wiesen, die mit Laub bedeckt sind, stehen.” Dabei sei es völlig gleichgültig, welcher Rasse das Tier angehöre; ob klein oder groß; ob jung oder alt; ob Warmblut oder Kaltblut; ob Schimmel oder Rappe: „Vielfach sind es jüngere, ungearbeitete Tiere in guter körperlicher Verfassung, die verenden.”

Steifheit der Muskulatur

Für die Halter kommt der Tod ihres geliebten Rosses völlig überraschend. Sprang das Füllen gerade noch ausgelassen über die Wiese, so zeigt sich plötzlich eine Steifheit der Muskulatur. Das Tier zittert, bekommt starke Schweißausbrüche, setzt dunklen oder braunen Harn ab, die Atem- und die Pulsfrequenz steigt. Wilfried Hopp: „In diesem Zustand führt eine Behandlung des Pferdes in der Regel nicht mehr zur Gesundung.” Denn die Enzymwerte in den Fasern sind so stark gestiegen, dass sie die Muskeln zerstören. Auch das Herz, die Atmung und das Zwerchfell sind befallen. Das Herz steht still. Der Atem setzt aus.

Mysteriöses Gift

Da es in diesem Herbst offenbar wieder günstige Witterungs-Bedingungen für die Entstehung des mysteriösen Giftes auf den Wiesen gibt, empfiehlt Wilfried Hopp allen Pferdebesitzern: „Holen sie ihre Tiere in den Stall, wenn sie jetzt noch auf feuchten Weiden, am Waldrand oder in Wiesen mit einem Bachlauf stehen.” Da die Todesursache noch nicht bekannt und die Entstehung des Giftes nicht endgültig erforscht sei, könne nur das Aufstallen das qualvolle Sterben der Pferde effektiv verhindern: „Die Tiere sollten erst wieder ins Freie, wenn stabiles Winterwetter herrscht."

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