Tagung zum neuen Bundesteilhabegesetz

Warstein.  Das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG), das 2017 in Kraft treten soll, stand im Fokus einer Tagung, zu der jetzt mehr als 120 Fachleute aus psychosozialer Arbeit und Einrichtungen der Eingliederungshilfe nach Warstein gekommen waren. Ist das BTHG eine Chance, gerade für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen? Oder bedeutet das neue Gesetz das Aus für personenzentrierte Hilfen? Und welche Auswirkungen hat dies für die Anbieter in der psychosozialen Versorgung? – Diesen Fragen gingen die Teilnehmenden in der Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) kritisch auf den Grund.

Dr. Ewald Rahn, stellvertretender Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik, hieß die Gäste der von der Netzwerk-AG Hochsauerlandkreis-Kreis Soest veranstalteten letzten Tagung dieser Art willkommen und hob die Bedeutung der Netzwerkarbeit gerade in Zeiten von Veränderungen in der psychiatrischen Versorgung hervor. Der Psychiatriekoordinator Karl Josef Fischer (HSK) stellte anschließend die im Jahr 2000 gegründete Netzwerk-AG vor, deren Arbeit sich um Themen der psychosozialen Versorgung dreht und die jährlich Tagungen ausrichtet. Er dankte Monika Stich als Sprecherin und „Motor“ des Gremiums, die diese Veranstaltungen federführend organisierte.

Fragen aufgeworfen

„Bei der ersten Tagung 2001 haben wir das Modellprojekt der personenzentrierten Hilfe vorgestellt und gedacht, dass die flächendeckende Umsetzung bald erfolgen würde“, führte Monika Stich als Moderatorin der Tagung in die Thematik ein und warf die Fragen auf: „Wie weit sind wir heute, 15 Jahre später? Und welche Chancen und Risiken birgt das BTHG?“ Personenzentrierte Hilfe sehe vor, dass der Fokus bei der Hilfeplanung zuerst auf die Bedarfe der Klienten gerichtet ist und nicht darauf, welche Hilfen grundsätzlich angeboten werden.

Inwiefern Effizienz und Qualitätssteigerung überhaupt mit sozialer Arbeit vereinbar sind, darüber referierte Dr. Charlotte Jurk, Sozialarbeiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Ludwigshafen. Sie stellte dar, dass sich soziale Arbeit lediglich als Parameter „Zeit“ messen lasse und es letztendlich im Sinne der propagierten kontinuierlichen Verbesserung um Effizienzsteigerung gehe. In diesem Kontext wies sie auch auf den hohen Dokumentationsaufwand hin, der in vielen Einrichtungen bis zu 40 Prozent der Arbeitszeit ausmache.

Grundidee des BTHG

Dr. Ursula Pitzner als Expertin für Änderungen im Sozialgesetzbuch präsentierte die Grundidee des BTHG. Sie machte deutlich, dass mit dieser Gesetzgebung die formalen Grundlagen dafür geschaffen würden, die Inklusion und damit die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern. Die Tätigkeit derer, die soziale Arbeit leisten, werde sich fundamental verändern.

„Mit den neuen gesetzlichen Grundlagen gehen vielfältige Veränderung einher. Die Praxis der Arbeit wird vielleicht grundlegend auf den Kopf gestellt, so dass Institutionen sich zum Teil ‚neu erfinden‘ müssen. Bei aller Skepsis besteht jedoch die Hoffnung, dass die Klienten davon profitieren“, zog Monika Stich ein erstes Resümee der Tagung in Warstein.

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