Serie: Work an Travel

Eine Riesin aus Feudingen im Dorf der Hobbits

Dieses Erdhäuschen im Hobbitdorf ist sogar noch eines der größten, und trotzdem kommt man sich hier am Filmset von „Der Herr der Ringe“ vor wie ein Riese.

Foto: privat

Dieses Erdhäuschen im Hobbitdorf ist sogar noch eines der größten, und trotzdem kommt man sich hier am Filmset von „Der Herr der Ringe“ vor wie ein Riese. Foto: privat

Neuseeland/Feudingen.   Unsere Mitarbeiterin Anna-Lina Müller ist für ein halbes Jahr in Neuseeland. Da erlebt sie Unglaubliches. Unter anderem war sie auf einem Vulkan

„Lang nichts mehr gehört“, denken jetzt bestimmt die meisten. Ich kann es selbst gar nicht glauben, dass mein letztes Lebenszeichen schon über zwei Monate her ist. Das mit dem Zeitgefühl ist hier in Neuseeland sowieso so eine Sache. „Ein halbes Jahr im Ausland“, hört sich viel an, ist es aber eigentlich nicht.

Der Gedanke daran, dass ich in weniger als acht Wochen schon wieder auf dem Weg in die Heimat bin, löst gemischte Gefühle aus. Natürlich beginne ich nach vier Monaten einige Dinge und vor allem meine Liebsten zu vermissen. Das beginnt bei dem eigenen Bett, dem Autofahren, dem Lieblingsessen von Oma oder dem Kleiderschrank, aus dem ich anders als hier mehr als fünf T-Shirts und drei Hosen zur Auswahl habe.

Doch trotzdem bin ich mehr als froh, dass mir diese zwei Monate noch bleiben, um das landschaftlich wahrscheinlich schönste Land der Welt zu bereisen. So viele Länder habe ich zwar noch nicht gesehen, doch ich bin mir nicht sicher ob da in Zukunft irgendein anderes rankommt.

Magische Stimmung in der Bucht

Die Nordinsel kann ich nun abhaken. Ich hoffe die schönsten Orte durfte ich nun alle erleben und mir ist keiner entgangen. Nachdem mich der Norden der Insel schon fast sprachlos gemacht hat, geht es in Richtung Osten. Nur einige Stunden von Auckland entfernt erreiche ich Coromandel, eine Region mit endlos langen, wunderschönen Stränden. Doch einer hat etwas ganz Besonderes zu bieten.

Nach 45 Minuten Fußweg, der an diesem Tag leider einige Regentropfen mit sich bringt, erreiche ich die „Cathedral Cove“. Eine nicht allzu große Bucht, in der eine magische Stimmung liegt. Einige Schritte nach links und ich stehe vor der „Kathedralenhöhle“, hinter der sich türkisfarbenes Wasser und atemberaubende Felsen verbergen. Kein Wunder, dass sich Regisseure des Fantasie-Films „Die Chroniken von Narnia“ genau diesen Ort ausgesucht haben, um die Figuren in eine fremde Welt zu führen. Denn hier liegt tatsächlich ein Zauber in der Luft.

Filmset von „Der Herr der Ringe“

Aber natürlich gibt es noch ein anderes, weltweit bekanntes Filmset, das ein klares „Muss“ bei einer Reise durch Neuseeland ist – Hobbiton. Das Zuhause der Hobbits, kleine, gesellige Gestalten aus der „Herr der Ringe“-Reihe, die in einem idyllischen Dorf mit winzigen Erdhäusern und einer gemütlichen Kneipe leben. „Herr der Ringe“- Fans wissen jetzt bestimmt genau, was ich meine.

Doch auch ich selbst hatte, bevor ich nach Neuseeland kam, noch keinen einzigen der Filme gesehen, lediglich ein paar Bilder kannte ich. Trotzdem dachte ich: „Du kannst nicht zurück nach Deutschland fliegen, ohne Hobbiton erkundet zu haben“. Ich gehe also völlig ohne Erwartungen in die Führung durch das Filmset, doch schon als ich die ersten Blicke in den Garten der Hobbits werfe, reißt es mich aus der Realität hinein in ihre Welt. Winzig kleine Häuschen in den Hügeln, ausgestattet mit Werkzeug, Kleidern, Stühlen und alles, was man für das alltägliche Leben so braucht. Doch all das im Miniformat, denn es ist nun mal für Hobbits.

Riesiger Aufwand für den Film

Was für ein riesiger Aufwand dahinter steckt, zeigt einer der großen Bäume im Hobbitdorf – ein künstlicher Pflaumenbaum, an den einige Künstler tausende Blätter in genauester Handarbeit klebten. Letztendlich ist dieser Baum in den Filmen dann insgesamt für weniger als zehn Sekunden zu sehen.

Doch auch, wenn diese von Künstlern erschaffene Fantasiewelt unglaublich faszinierend ist – Mutter Natur setzt definitiv noch einen drauf. Der Tongariro-Nationalpark im Nordwesten der Nordinsel: drei aktive Vulkane, die eine einzigartige Landschaft erschaffen haben. Vor mir liegt eine achtstündige Wanderung, in der ich diese Vulkane überqueren werde.

Treppenhaus des Teufels

Das Wetter stimmt, die Sonne strahlt und die Sicht könnte klarer nicht sein. Die ersten zwei Stunden führen entlang eines Flusses, der aus den „Soda-Springs“ entspringt, Wasserfälle mit glasklarem Wasser direkt am Wegesrand. Bis hier hin ist noch alles entspannt, denn der Aufstieg liegt noch vor uns.

Das so genannte „Treppenhaus des Teufels“ hat seinen Namen verdient. Zwei Stunden steil bergauf, da beginnen die Beine das ein oder andere Mal zu schwächeln. Doch genau in diesen Momenten beginnt man erst sich einmal umzudrehen und zu realisieren, dass man sich nun genau zwischen zwei aktiven Vulkanen befindet. Realisieren ist jedoch relativ, denn was man dort sieht, ist einfach nur unglaublich.

Blick in den Krater eines Vulkans

Oben angekommen kann man den Blick in den ersten Krater werfen, den Südkrater. Einige hundert Meter weiter oben auch in den Roten Krater, der höchste Punkt des Tongariro-Crossings. Ich befinde mich nun auf 1886 Metern, da bringt auch die Sonne nichts mehr, denn es ist hier gefühlte null Grad. Ich dachte mit dem Gipfel hätte ich nun den spektakulärsten Punkt erreicht, doch das, worauf ich auf der anderen Seite des Kraters blicke, sprengt all meine Vorstellungen. Die „Emerald-Lakes“ – stechend türkise Schwefelseen, die in Mitten der Vulkanlandschaft liegen.

Ich versuche alle Eindrücke aufzusaugen, denn so etwas habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gesehen. Immer noch halb benebelt von den unglaublichen Bildern, begebe ich mich an den Abstieg. In den letzten zwei Stunden Wanderung melden sich nun auch meine Knie und Füße, denn bergab ist auf Dauer alles andere als angenehm. Unten angekommen erfüllt mich ein Gefühl von absoluter Erschöpfung, Stolz und pures Glücksgefühl. Der bisher schönste Tag der gesamten Reise und mein Highlight der Nordinsel.

Jetzt bin ich auf der Südinsel unterwegs und kann schon einmal versichern, dass das Tongariro-Crossing nicht auf Platz 1 meiner Rangliste bleibt ...

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