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Regionaltarif könnte das Ende des Bürgerbusses bedeuten

Bedarfshaltestelle Röspe: Wer hier vom Erndtebrücker Bürgerbus abgeholt werden möchte, muss sich vorher telefonisch beim Fahrpersonal melden. Gibt’s keinen Bedarf, spart der Verein Kilometer ein.

Foto: Eberhard Demtröder

Bedarfshaltestelle Röspe: Wer hier vom Erndtebrücker Bürgerbus abgeholt werden möchte, muss sich vorher telefonisch beim Fahrpersonal melden. Gibt’s keinen Bedarf, spart der Verein Kilometer ein. Foto: Eberhard Demtröder

Erndtebrück.  Der Bürgerbusverein Erndtebrück fürchtet deutlich höhere Preise für die Fahrgäste. Und sieht außerdem die Kernort-Baustellen als Herausforderung.

Baumaßnahmen in der Wabrichstraße und auf dem Höhenweg im Ortskern Erndtebrück, die zum Teil bis ins Jahr 2018 andauern und zu Umleitungen führen – das sieht der Bürgerbusverein Erndtebrück als Herausforderung der nächsten Zeit an. Aber auch die Diskussion über einen einheitlichen Regionaltarif für alle öffentlichen Verkehrsmittel in NRW macht dem Vorstand Sorge.

Der Regionaltarif

Besagter Tarif schwebe immer noch wie ein Damokles-Schwert über den Bürgerbus-Vereinen im Land, wurde bei der Jahreshauptversammlung des Vereins im Bauernhof-Café Afflerbach deutlich.

„Zusammengefasst bedeutet der Regionaltarif, dass jeder Fahrgast, egal welches Beförderungsmittel er benutzt, eine Fahrkarte zu einem Festpreis kauft und diese einsetzt“, erklärt Vereinssprecher Joachim Litz. „Der günstigste Preis für eine Fahrkarte wäre 4,20 Euro – also sehr viel teurer, als unsere Fahrkarten zurzeit kosten.“ Das wiederum würde bedeuten, „dass der Bürgerbus-Verein erstmals fast keine Einnahmen verbuchen könnte“, so Litz weiter. „Frühestens nach drei bis sechs Monaten bekämen wir eine Art Ausgleich – und müssten auch noch ein Erfassungssystem installieren, das wir nicht finanzieren können. Das könnte das Ende nicht nur des Bürgerbusvereins Erndtebrück bedeuten.“

Das Koalitionspapier

In einem Koalitionspapier der rot-grünen NRW-Landesregierung sei das Verfahren bereits beschlossen worden, weiß Litz. Dabei seien die 132 Bürgerbusvereine in NRW, die ja auch zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gezählt würden, allerdings „nicht berücksichtigt“.

Auf der Sitzung des Dachverbandes „Pro Bürgerbus NRW“ in Wuppertal sprachen sich laut Litz unterdessen 99 Prozent der Bürgerbusvereine dagegen aus. Dort habe NRW-Verkehrsminister Michael Groschek versprochen, die Koalitionspartner noch vor der Landtagswahl am 14. Mai an einen Tisch zu bringen, um eine Lösung zu finden. „Sachstand bisher“ jedoch, bedauert Litz: „Keine Rückmeldung.“

Fahrgast-Zahlen

Im Jahresbericht des Fahrdienstleiters konnte Fred Rasack gute Zahlen vortragen. So hat der Verein im Geschäftsjahr 2016 exakt 9229 Fahrgäste befördert, was ein Plus von 14,1 Prozent darstellt – bei gleichzeitiger Kilometer-Ersparnis von 7000 Kilometer.

Diese Ersparnis wurde durch den neuen Fahrplan sichergestellt. Darin wurde festgelegt, dass einige wenige Haltestellen nur noch bei Bedarf angefahren werden. Das heißt zum Beispiel für die Haltestelle „Röspe“, dass Fahrgäste, die von dort abgeholt werden wollen, sich telefonisch beim Fahrpersonal melden und dann abgeholt werden. Ansonsten fährt der Bus nur noch bis zur Haltestelle „Birkelbach Bahnhof“, was für Hin- und Rückfahrt eine Ersparnis von etwa sechs Kilometern ausmacht. „Ganz wichtig: Wir sind unfallfrei durch das Jahr 2016 gekommen“, betont Vereinssprecher Joachim Litz. „Auch unsere Sonderfahrten für den SGV und den Senioren-Nachmittag wurden gerne angenommen.“

Wahlen & Ehrungen

Beim Tagesordnungspunkt „Wahlen“ wurde Eberhard Kühl für zwei Jahre einstimmig zum neuen Kassenprüfer bestimmt.

Gleich nach der Begrüßung der Mitglieder hatte der 1. Vorsitzende Gerrit Hackbarth stellvertretend für viele Verstorbene die Mitglieder Fritz Roth und Hans Kaiser mit einer Schweigeminute geehrt.

Dank

Darüber hinaus galt Hackbarths Dank im Jahresbericht des 1. Vorsitzenden ausdrücklich dem Fahrdienstleiter Fred Rasack, dem gesamten Vorstand sowie Joachim Litz für seine Öffentlichkeitsarbeit. Ganz herzlich dankte er ferner den Fahrern und der Fahrerin, die ihre Freizeit opferten – und damit den Bürgerbus am Leben hielten. Und ganz zum Schluss bedankte sich der 1. Vorsitzende noch bei allen allen Gönnern, Unterstützern, Sponsoren und bei vielen kleinen, sowie auch sehr großzügigen Spendern für deren finanzielle Hilfe.

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