Film

Science-Fiction-Film wird in Feudingen gedreht

Der Science-Fiction-Film Das Letzte Land wird in Feudingen gedreht. Hier ensteht jetzt gerade das Ste für die Innenaufnahmen. Filmemacher Marcel Barion (rechts) hat  die Entwürfe gemacht und sein Freund und Schreinermeister Massimo Müller (links) lässt sie Wirklichkeit werden.

Foto: WP

Der Science-Fiction-Film Das Letzte Land wird in Feudingen gedreht. Hier ensteht jetzt gerade das Ste für die Innenaufnahmen. Filmemacher Marcel Barion (rechts) hat die Entwürfe gemacht und sein Freund und Schreinermeister Massimo Müller (links) lässt sie Wirklichkeit werden. Foto: WP

Auch Filmgrößen wie George Lucas haben mal klein angefangen, so wie diese Studenten aus Siegen. Sie glauben an sich und ihr Projekt. Trotzdem muss man schon ein bisschen verrückt sein, um sich auf ein solches Abenteuer einzulassen.

Feudingen/Siegen. Auch Filmgrößen wie George Lucas haben mal so angefangen wie diese Jungs. Sie glauben an sich und ihr Projekt. Trotzdem muss man schon ein bisschen verrückt sein, um sich auf ein solches Abenteuer einzulassen.

Eine Gruppe von Studenten aus Siegen und Wittgenstein dreht einen Science-Fiction-Film in Feudingen – ganz ohne Filmförderung und eben auch ohne großes Budget. „Wir stecken im Prinzip jeden eigenen Euro hier rein“, gesteht Massimo Müller (29). Der Schreinermeister und angehende Berufsschullehrer ist der Kulissen-Baumeister und verbringt seine Freizeit mit Dachlatten, Sperrholz und Akkuschrauber. „Jede Woche verarbeite ich hier Schrauben für 50 Euro“. Das geht ins Geld. Doch Fördertöpfe sind rar und hängen sehr hoch. „Um Geld von der Filmförderung zu bekommen, kommt man am besten nicht aus diesem Land“, ärgert sich Johannes Bade (31).

Das Team

Der gebürtige Feudinger ist Informatiker und einer der vier Produzenten. Mit im

Raumschiff sitzen neben ihm und Massimo Müller, der Filmemacher und Ideengeber Marcel Barion (28) und der Literatur- und Filmwissenschaftler Kai Naumann (34). Außerdem gibt es mit dem Studenten Philipp Bojahr noch einen versierten „Elektriker“ und natürlich Schauspieler. Die heißen Milan Pešl (39) und Torben Föllmer (28).

Im Haus der Familie Bade, entsteht das aufwändige Set für „Das Letzte Land“. Johannes Bade hat den ehemaligen Partyraum im elterlichen Haus zur Werkstatt und zum künftigem Filmstudio gemacht. Seit gut einem Jahr wird hier, immer wieder durch Pausen unterbrochen, gewerkelt. Langsam nimmt das Raumschiff Gestalt an. Das muss es auch, denn ab August werden die Innenaufnahmen gedreht. Bis dahin wird nach Plan improvisiert. Neben dem fertigen Set fehlen zum Beispiel auch noch die Kostüme.

Recycling ist ein wichtiges Stichwort für die Kulissen: Die grobe Richtung gibt das Modell eines Schiffs vor, zusammengesetzt aus vielen Einzelteilen alter Raumschiff-Modellbausätze. Hier ein Stück Raumjäger aus Krieg der Sterne, dort ein Bruchstück aus Kampfstern Galactica. „Die sind alle aus meiner Sammlung“. Johannes Bade hat für das Filmprojekt seine ganze Raumschiffflotte geopfert. Aber dafür werden hier auch Große-Kinder-Fantasien wahr. Wer hat sich nicht schon mal ins Cockpit eines Raumschiffs geträumt.

Die Vorbilder

Die Vorbilder sind, ganz wie bei den kleinen Jungs und Mädchen auch, die großen Filme. Wenn man das runde innere des Filmsets betritt, mischt sich Stanley Kubricks „2001 - Odyssee im Weltraum“ ein bisschen mit der Enge in Wolfgang Petersens „Das Boot“. Und genau das ist auch gewollt. Barion hat das Set für sein Drehbuch entworfen, dem Schreiner Massimo Gestalt gibt. Akkuschrauber, Sperrholz und Dachlatten geben Konturen. Damit aus dem Kasten auch ein Raumschiff werden kann, fehlen futuristische Details. Wenn komplizierte Steuerungen, Schalter, Lämpchen und Drehregler ihren Platz im Cockpit gefunden haben, wird kaum noch jemand erkennen, dass es Teile von alten Stereoanlagen, Computern oder Bildschirmen sind.

Die Technik

Auch hierfür gibt es Vorbilder aus der Filmgeschichte: „Es ist das gleiche Prinzip wie in der Fernsehserie Raumschiff Orion nur eben ohne das berühmte Bügeleisen“, grinst Marcel Barion und greift in eine Kiste mit Elektroschrott. Zerlegt, lackiert und an die Raumschiff-Wand geklebt, kann daraus eine Triebwerkssteuerung im Maschinenraum werden. Besonders stolz sind die Filmemacher auf zwei Schnäppchen: Eins davon ist jetzt der Sitz im Cockpit des Raumschiffs und war einmal Behandlungsstuhl eines Zahnarztes. „Den haben wir für einen Euro im Internet ersteigert“, freut sich Barion. Das zweite Schnäppchen hat sogar eine tragende Rolle: Es ist ein ausrangierter Anhänger. Auf dessen Achse ist das Set beweglich montiert – wie ein Flugsimulator. So ist es mit vielen Teilen. Sie finden ihre Bestimmung nachdem die Filmcrew sie mehrfach in die Hand genommen hat. Der Fantasie der Filmemacher sind eben (fast) keine Grenzen außer beim Etat. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Die heißt Crowdfunding.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik