Runder Geburtstag

Vier Jahrzehnte lang den Menschen in Wittgenstein geholfen

Physiotherapeutin Daniela-Jessica Jungermann und ihr Vater Hans-Peter Sonneborn feiern am Dienstag das 40-jährige Bestehen der eigenen Praxis in Feudingen.

Foto: Christoph Vetter

Physiotherapeutin Daniela-Jessica Jungermann und ihr Vater Hans-Peter Sonneborn feiern am Dienstag das 40-jährige Bestehen der eigenen Praxis in Feudingen. Foto: Christoph Vetter

Feudingen.   Als blinder Masseur hat Hans-Peter Sonneborn in Feudingen vor 40 Jahren eine Praxis eröffnet. Tochter Daniela führt sein Lebenswerk weiter.

Ob Daniela etwas mitbekommen hat, als sie noch in Mama Ursulas Bauch war? Jedenfalls ist es am Dienstag auf den Tag 40 Jahre her, dass ihr Vater Hans-Peter Sonneborn im neuen Eigenheim in Feudingen jene eigene Massagepraxis eröffnet hat, die Daniela vor zwei Jahren übernommen hat. Sie ist in Papas Fußstapfen gestiegen, der ihr Fachwissen und auch Durchhaltevermögen mitgegeben hat. Denn für den heute 69-Jährigen Physiotherapeuten war der Beruf nicht einfach: Sonneborn ist seit seinem 21. Lebensjahr blind.

Nach einem schweren Autounfall hat Hans-Peter Sonneborn seine Sehkraft verloren. „Da wurde alles zurückgedreht auf Null. Du musstest dich erstmal selbst wiederfinden“, beschreibt der Feudinger seinen schwierigen Neuanfang. Aber er hat es gepackt, hat in Soest die blindentechnische Ausbildung erhalten, damit er überhaupt Blindenschrift lesen und schreiben kann.

Stenotypist war eine Alternative; aber nichts für Hans-Peter Sonneborn. „Der einzige in Frage kommende Beruf, bei dem ich mit Menschen umgehen kann, war Masseur“. Damit legte der 69-Jährige den Grundstein für eine Passion, die er erfolgreich zum Beruf machte. In der Massageschule von Dr. de la Camp in Bad Laasphe lernte Sonneborn vom Vorreiter des Kurwesens an der Lahn, wurde im Oktober 1975 nach dem Staatsexamen staatlich anerkannter Bademeister.

Drang zur Selbstständigkeit

Schon damals spürte er den Drang hin zur Selbstständigkeit und baute im neuen Eigenheim in Feudingen gleich Praxisräume in der unteren Ebene mit. Die Eröffnung war genau vor 40 Jahren. Immer an seiner Seite Ehefrau Ursula. „Ohne sie wäre das alles niemals gegangen“, ist Sonneborn seiner besseren Hälfte dankbar. Sie hat ihn immer mit dem Auto gefahren – zu Hausbesuchen, zu Fortbildungen. Denn die waren im Wandel der Zeit sehr wichtig.

Bei manueller Therapie wirkt der Patient aktiv mit

Eine Rolle spielt dabei die manuelle Therapie, eine spezielle Form der Physiotherapie, bei der der Patient aktiv eingebunden und individuell behandelt wird. Diese Angebotserweiterung zahlte sich spätestens bei der Gesundheitsreform Mitte der 1990er Jahre aus, die bekanntlich für diese Branche wirtschaftliche Probleme mit sich bringen konnte. Doch die hat Hans-Peter Sonneborn gemeistert, indem er sich zunächst zum Physiotherapeuten, dann noch zum Dozenten für manuelle Therapie ausbilden ließ. In ganz Deutschland hat er Vorlesungen gehalten, junge Menschen in deren Ausbildung bis zum Examen begleitet. „Das war mein zweites Standbein und hat mir bis zum Schluss im vergangenen Jahr viel Freude bereitet“, erinnert sich Sonneborn gern an diese Zeit.

Ausbildung in der Baumrainklinik

Nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin in der Berleburger Baumrain-Klinik ist Tochter Daniela (heute Jungermann) im Jahr 1999 in die Praxis eingestiegen, zunächst als Angestellte, seit Anfang 2015 als Chefin. In ihrer nunmehr eigenen Praxis hat sie sich mit zwei Mitarbeitern einen hohen Qualitätsstandard erarbeitet, das Team ist an fünf Tagen der Woche bei Hausbesuchen unterwegs oder behandelt Patienten einzeln in der Praxis in Feudingen. Das Diagnose-Spektrum hat sie durch ihre Ausbildung zur sektoralen Heilpraktikerin für Physiotherapie obendrein erweitert.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik