Mümmelmann

Von Waldhasen, Osterhasen und Angsthasen im Rothaargebirge

Drei Rammler buhlen um die Gunst der Häsin und vermitteln des Eindruck einer vierköpfigen Hasenhochzeit.

Foto: Wolfram Martin

Drei Rammler buhlen um die Gunst der Häsin und vermitteln des Eindruck einer vierköpfigen Hasenhochzeit. Foto: Wolfram Martin

Wittgenstein.   Andere heimische Wildarten machen dem Mümmelmann das Leben im Rothaargebirge recht schwer. Aber die Angsthasen haben Überlebenschancen.

Immer um die Osterzeit erinnern wir uns eines Tieres, das mit langen Löffeln dahergehoppelt kommt. Lepus europaeus, so sein lateinischer Name, heißt biologisch richtig Feldhase, obwohl er in Wittgenstein im Wald vorkommt und deshalb auch Waldhase heißt.

Was auch nicht ganz richtig ist, denn der Waldhase ist nämlich der Schneehase (Lepus timidus) und der kommt, obwohl es ja hier genügend Schnee gibt, nur in Skandinavien und in den Alpen vor. Und beide, sowohl der Feld- als auch der Schneehase, dürfen nicht mit dem ähnlich aussehenden Wildkaninchen oder dem Hauskaninchen verwechselt werden.

Jährlich werden 50 Hasen erlegt

Nordrhein-Westfalen soll Hasenland Nummer 1 sein – meldet der Landesjagdverband und beruft sich auf seine Hasenzählungen im Rahmen des Wildtier-Informationssystems (WILD). Durchschnittlich sollen demnach 35 Hasen auf einem Quadratkilometer herummümmeln, denn seit Hermann Löns heißt der Hase im Volksmund auch Mümmelmann. Die meisten Mümmelmänner soll es in NRW am Niederrhein und im westfälischen Tiefland geben – in Wittgenstein und Rothaargebirge wahrscheinlich am wenigsten. Denn seit den 2000er Jahren werden hier von den Jägern jährlich weniger als 50 Hasen erlegt. Das dürften deutlich weniger sein, als jene, die jährlich überfahren oder von Mähern getötet werden.

Unser Klima liegt ihm nicht

Bei uns im Bergland des Sieger- und Wittgensteiner Landes hat es noch nie viele Hasen gegeben und die Population schwankt auch immer mal. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen mag der Hase das raue Klima nicht sonderlich, dann ist der Feldhase eine Art Feinschmecker, der Kräuter über alles liebt und diese zur Gesundheit braucht. Weiterhin lauern überall Gefahren, denn neben Autos sind es Wildschweine, Krähen, Elstern, Füchse, Greifvögel und vor allem streunende und wildernde Katzen, die den Mümmelmännern nachstellen.

Weniger Gülle hilft den Hasen

Bezüglich Äsung wäre den Wittgensteiner Waldhasen schon geholfen, wenn Böschungs-, Feld- und Wiesenränder nicht abgeholzt und ungedüngt und ungegüllt blieben.

Ja, und dann gibt es noch zwei besondere Spezies von Langohren oder Löffelmännern. Zunächst den Osterhasen. Der kommt endemisch nur in einem Wald zwischen Hildesheim und Hameln, dem Osterwald, das ganze Jahr und nicht nur über die Osterzeit vor, wohingegen eine andere Unterart des Osterhasen – entweder in Silber- oder Goldpapier umhüllt oder mit Rucksack bestückt (wie sollte er sonst auch die Ostereier transportieren?) – nur zur Osterzeit anzutreffen ist.

Rammler bemühen sich um die Häsin

Eine weitere Unterart des Hasen hat man erst seit kurzer Zeit – seit es die Diskussion um die Auswilderung der Wisente im Rothaargebirge gibt – insbesondere im Sauerländer Raum, dort aber immerhin in ansehnlicher Populationsstärke nachgewiesen: Die Angsthasen! Diese Unterart lässt sich auch ohne direkte Beobachtung allein anhand des Trittes (Spur oder Fährte?) nachweisen, weil sie nämlich hasenfüßig, also immer als oder auf einem Hasenfuß daherkommt.

Osterzeit ist Paarungszeit

Die Osterzeit ist auch häufig identisch mit der Fortpflanzungszeit, der sogenannten Rammelzeit der Hasen, und da kann man gar nicht so selten gleich mehrere Rammler beobachten, die sich um eine Häsin bemühen. Diese Ansammlung von Hasen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die (Feld- und Wald-)Hasen, nicht aber die Osterhasen bei uns leider doch recht selten geworden sind.

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