Asperger-Syndrom

Mit Köpfchen und Knöpfchen

Katja Hardenfels aus Schwerte sammelt, sortiert und verarbeitet Knöpfe, Um Arbeitsplätze für Asperger-Autisten zu schaffen. Foto: Thomas Nitsche

Foto: WP

Katja Hardenfels aus Schwerte sammelt, sortiert und verarbeitet Knöpfe, Um Arbeitsplätze für Asperger-Autisten zu schaffen. Foto: Thomas Nitsche Foto: WP

Schwerte.   Mit Köpfchen sammelt Katja Hardenfels aus Schwerte Knöpfchen, um Arbeitsplätze für Autisten zu schaffen.

Ein Gefrierbeutel voller alter Knöpfe - das ist das Gastgeschenk beim Interview. Katja Hardenfels freut sich darüber als ob es ein Strauß roter Rosen wäre. Denn so wie andere Briefmarken oder Münzen horten, sammelt Katja Hardenfels Knöpfe. Für den guten Zweck. Um Menschen mit Asperger-Syndrom eines Tages Arbeit zu geben. Autisten - wie sie selbst.

Mit einem Blick entdeckt Katja Hardenfels in der Knopf-Tüte drei, die zusammenpassen. Sie öffnet den Beutel, wühlt darin herum, ertastet schnell Holz, Plastik, Horn und freut sich an dem Geräusch, das die Knöpfe unter ihren Fingern machen. „Ein Schatz“, sagt sie.

Vor mehr als zehn Jahren hat sie damit angefangen zu sammeln. Damals kam sie in München an einem Gebrauchtwarenladen vorbei. Im Schaufenster stand eine Vase voller Knöpfe. „Ich wollte unbedingt wissen, was alles darin ist“, erzählt Katja Hardenfels. Sie kaufte die Knöpfe, fand zufällig zwei gleiche darunter, begann den Schatz zu sortieren, passende Stücke herauszusammeln. „Das war wie ein Sucht“, sagt sie heute.

Eine, die wohl typisch ist. Denn oftmals sammeln Menschen mit Asperger-Syndrom abstruse Objekte. Dass sie an dieser Form des Autismus leidet, das wusste Katja Hardenfels damals noch nicht.

Wohl aber hatte sie schon früh gespürt, dass sie irgendwie anders war. Sie glaubte, dass ihre Mitschüler sie nicht mochten. „Ich bin anderen auf den Geist gegangen, wusste nur nicht warum.“ Also wahrte sie Abstand, vermied Konflikte, bis sie unnahbar wirkte.

Freundschaften einzugehen, fällt Menschen mit Asperger-Syndrom schwer, sagt Katja Hardenfels. Die Wahrnehmung sei gestört. „Wir können nicht zwischen den Zeilen lesen“, sagt sie. Das Einfühlungsvermögen sei begrenzt, so Experten. Es fehle die Fähigkeit, nonverbale Zeichen zu erkennen und zu senden. Was letztlich bedeutet, dass Menschen mit Asperger-Syndrom im Leben und im Beruf anecken. So wie Katja Hardenfels. Eine hochintelligente und -begabte Frau - typisch für das Syndrom. Die Krankenschwester hat sogar ein Patent angemeldet: Sie hat den abwaschbaren, immer wieder verwendbaren Haftzettel erfunden, der in der Nacht leuchtet. Und dennoch hat sie ihr Studium des Pflegemanagements nicht zu Ende gebracht, konnte sich im Beruf nie lange halten, weil sie mit Chefs oder Kollegen nicht zurecht kam.

Als sie im Jahr 2006 wieder einmal ihren Job verloren hatte, da fragte sie sich: „Warum passiert mir das immer wieder?“ Sie ging zum Arzt - und bekam die Diagnose Asperger-Syndrom.

Im vergangenen Jahr dann hat die Unesco zusammen mit einer Drogeriemarktkette zu einem Wettbewerb aufgerufen. Gesucht wurden Ideen für Sozial-Projekte. Da dachte Katja Hardenfels an ihre Knöpfe. So wie in Bethel Briefmarken gesammelt werden, so bittet Katja Hardenfels nun um Knopf-Spenden, um eines Tages vielleicht Menschen mit Asperger-Syndrom dadurch Arbeit zu geben. Dank ihres fotografischen Gedächtnisses seien sie hervorragend darin, Muster zu erkennen, zu sortieren und zu ordnen, so Katja Hardenfels.

Sieben Helfer hat sie bereits in Schwerte, die Knöpfe reinigen sortieren, passende Stücke auf Pappen aufnähen, um sie auf Flohmärkten und Stadtfesten verkaufen. Knöpfe aus den 70ern, die in Zeiten sehr gefragt sind, wo der Retro-Look in Mode ist. Knöpfe aus Glas, die es Katja Hardenfels zufolge kaum noch gibt. Zudem knüpft sie aus den Knöpfen Schmuckstücke: Ketten zum Beispiel, Arm- und Stirnbänder. Mit der Produktion kommen die Mitarbeiter des Knopfprojekts kaum nach, so groß ist die Nachfrage.

Eines Tages vielleicht, hofft Katja Hardenfels, wird man mit dem Projekt einen Internet-Shop aufbauen, um dort die Knöpfe zu verkaufen. Zunächst aber soll aus dem Projekt nun ein eingetragener Verein werden.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik