Ahnenforschung in Kleve

Auf den Schultern der Vorfahren Geschichte erforschen

Dieter Greffin vom Verein Mosaik, der familienkundlichen Vereinigung Kleve  

Dieter Greffin vom Verein Mosaik, der familienkundlichen Vereinigung Kleve  

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Dieter Greffin engagiert sich beim Verein Mosaik in Kellen. Der beherbergt ein riesiges familiengeschichtliches Archiv für Interessierte.

An irgendeinem Punkt verliert sich die Vergangenheit in Mutmaßungen. Eltern, Großeltern – deren Namen und Geburtsdaten kennt man vielleicht noch. Danach wird es schwierig. Man hat vier Großeltern, acht Urgroßeltern, 16 Ururgroßeltern. Und da ist man erst in der vierten Generation. Bis auf sechs, sieben Generationen rückwärts kann man es mit viel Akribie und Glück bringen. Aber um 1650, 1700 ist dann Schluss, sofern die Vorfahren nicht adelig oder besitzend waren. Denn aus der Zeit vorher gibt es keine Kirchenbücher am Niederrhein. Und die Standesamtsregister fangen ohnehin erst in der Franzosenzeit um 1800 an.

Viel Platz gibt es hier

Dieter Greffin sitzt zusammen mit Konrad Bucksteeg im Vereinhaus von Mosaik, der familienkundlichen Vereinigung für das Klever Land. Viel Platz gibt es hier in der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Finanzamts. Aber nicht zu viel. Denn zwei Räume sind gut bestückt mit Schränken und Regalen. Darin: Ahnenlisten, Kopien von Kirchenbüchern, Naschlagewerke, Literatur, Familiengeschichten aus der Region von Kleve bis Nieukerk. „Genealogische Vereine gibt es in Deutschland Hunderte“, sagt Dieter Greffin. „Das Besondere an Mosaik ist, dass wir ein Archiv unterhalten.“

Kopien von Standesämtern und aus Kirchenbüchern

Möglich wurde das, weil die Gründer die Gelegenheit nutzten, alte Kirchenbücher aus der Region zu kopieren, bevor die nach Münster kamen. Durch Kooperationen mit Städten und Gemeinden kamen Kopien von Standesämtern hinzu. Außerdem findet man im Archiv etwa 50000 Totenzettel. Jede Menge Material ist außerdem auf den PCs zu finden, Urkunden, Datenbanken, Fotografien der Bestände. Nach einigen Vorläufern wurde der Verein 1987 gegründet und 1992 vom Landschaftsverband Rheinland anerkannt. Seither zählt man um die 500 Besucher im Jahr.

280 Vereinsmitglieder engagieren sich

„Die wenigsten kommen aus Kleve und Umgebung“, berichtet Greffin. Auch von den 280 Vereinsmitgliedern sind nur etwa 20 Prozent hier heimisch. Viele Niederländer sind dabei, aber auch Interessierte aus Krefeld oder Dortmund, deren Vorfahren aus dem Kleverland stammen. Man muss sich ordentlich einarbeiten in die Materie – allein schon die Schrift ist nicht immer sehr leserlich. Zudem haben die Pfarrer die latinisierten Namen aufgeschrieben, nicht die Rufnamen. Und welche Schreibweise eines Namens gewählt wurde, hing dann auch noch von demjenigen ab, der gerade schrieb. Schließlich waren die Menschen im 17. Jahrhundert nicht alle des Schreibens mächtig. Welcher Jansen, Janssen, Janßen, Jahnsen etc. darf es bitteschön sein?

Vorfahren findet man nicht in kurzer Zeit

Man kann sich also gut vorstellen, dass man seine Vorfahren nicht in wenigen Minuten gefunden hat. „Mich hat die Genealogie schon immer latent interessiert“, erzählt Dieter Greffin. „Aber wie so viele andere habe ich erst mit der Rente damit begonnen.“ Aus der wunderbaren Möglichkeit, die das Archiv von Mosaik bietet, die eigene Familiengeschichte zu erforschen, ist längst eine Liebe zur Sache an sich geworden. Stolz führt er durch die Regalwände, zeigt die vielen Ordner im Computer, all die überdauerten Dokumente gelebten Lebens, das irgendwann geradewegs zu uns selber führte.

Was in Generation Acht oder Neun vor uns war, das ist kaum noch herauszubekommen. Aber soweit man kommt, soweit wächst der Hunger auf mehr. „Es ist wie ein Virus“, sagt Greffin. „Wenn man davon gepackt wird, dann hört es nicht mehr auf.“

Das Archiv an der Emmericher Straße 182 ist dienstags und jeden zweiten und vierten Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben