Bewacher des Krönchens mit dem ledernen Ei

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Siegen. Touchdown, Kick Off, Quarterback. Begriffe, die man aus dem fernen Amerika kennt - nicht jedoch aus dem Siegerland. Das wird sich demnächst ändern.

Mit den "Siegen Sentinels" steht ein heimisches American Football-Team in den Startlöchern. "Wir sind die Beschützer des Krönchens", erklärt Eduard Schulz, einer der Initiatoren, mit einem Lächeln den Namen. Der Elektrotechnik-Student, schon immer ein Anhänger der dynamischen Sportart, wurde im Juni an der Universität über ein Plakat auf einen gleichgesinnten aufmerksam: René Pertsch. Beide trommelten ihre Freunde zusammen und fingen an zu trainieren. 18 Pioniere kamen zum ersten Training. Auf Asche.

Mittlerweile sind es 30 Spieler, die auf den Kunstrasenplatz in Kaan-Marienborn umgezogen sind. Vorher überzeugte sich die Stadt davon, dass die als roh geltende Sportart den Rasen nicht runiert. "Es sieht nach außen hart aus, aber es ist nicht alles erlaubt. Treten und Schlagen sind genau wie der Griff in die Maske verboten", erklärt Schulz. Auch mit einem anderen Vorurteil räumt er auf: "Es gibt für jeden Typ die passende Position, nicht nur für kräftige Spieler. Für die Offensive braucht man eher kleine. Hauptsache, man hat Spaß an der Sache", so Schulz zu den Vorraussetzungen, die Interessierte mitbringen müssen.

Die Teilnehmer des Trainings am Mittwoch hatten auf jeden Fall ihren Spaß. "Are you ready?", brüllt ihnen Headcoach Ralf Benfer zur Begrüßung zu. Die Antwort: "Yeah. One, two, three, Sentinels" - in einer Lautstärke, dass es wohl noch im Industriegebiet hörbar ist. Das anwesende Kamerateam vom WDR, das für die Lokalzeit dreht, ist beeindruckt. Auch beim Aufwärmtraining dominiert der amerikanische Slang. Fitnesstrainer Uwe Hoffmann drillt seine Zöglinge unnachgiebig und fordert höheres Tempo.

Später wird endlich das Ei herausgeholt. Pardon, der Ball. In drei großen Gruppen werden Spielzüge und Kampfsituationen geprobt. Beim "Tacklen", wo die Abwehr den anstürmenden Angreifer abwehren muss, krachen massige Körper und Helme aufeinander. Denkt man in solchen Situationen überhaupt noch nach? "Man sollte einfach nur Spaß haben und das Hirn am besten ausschalten", so ein Spieler zwischen den Übungen. "Football ist ein Teamsport wie kein anderer. Jeder muss sich blind auf den Nebenmann verlassen können", beantwortet er die Frage nach dem Reiz des Sports.

2009 wollen die "Sentinels", im Umkreis von 50 Kilometern der einzige Verein, in der Landesliga erstmals am Spielbetrieb teilnehmen. Dazu muss das Team bis Februar auf 35 Spieler anwachsen und eine Spielstätte sowie einen Sponsor finden. Mit dem Beitritt zur TG Friesen soll in der kommenden Woche die erste Hürde formal überwunden werden.

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