Mensch am Mittwoch

Clemens Giesen trägt Kleve im Herzen

Clemens Giesen ist Restaurator in Kleve.

Clemens Giesen ist Restaurator in Kleve.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Clemens Giesen feiert sein 30-jähriges Geschäftsjubiläum. Seinen Restaurierungsbetrieb samt Antiquitätengeschäft hat er liebevoll restauriert.

Er sei den ganzen Tag in schöner Umgebung, sagt Clemens Giesen. Der Restaurator hat sein Geschäft im elterlichen Haus an der Marktstraße. Zwei Generationen lang war es eine Metzgerei. Dann fing Clemens Giesen an, in der ehemaligen Wurstküche schöne alte Dinge zu restaurieren. Er restaurierte auch die alten Häuser, die seine Eltern ihm und seiner Schwester hinterlassen hatten. Wahre Kleinode sind es, Lichtblicke in einer ansonsten baulich immer weniger attraktiven Stadt.

„Ich bin ein Guckmensch“, sagt Giesen von sich. Entdeckt hat er seine Begabung mit 14 oder 15 Jahren, als Babysitter bei den van Ackerens im ehemaligen Koekkoek-Atelier. „Das war eine andere Umgebung als zuhause, da habe ich die Augen aufgemacht.“ Nach der Hauptschule besuchte er das Gymnasium in Goch, jobbte in der Landesklinik und begann schließlich ein Lehramts-Studium in Bonn. „Da habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, dass mir das zu theoretisch ist.“

Stattdessen wollte er lieber etwas Praktisches machen, zudem er handwerklich begabt war. Warum nicht Restaurator? „Aber in Deutschland ging das so einfach nicht, da musste man erst eine normale Schreinerlehre machen.“ Als er schon drauf und dran war, Krankenpfleger zu werden, kam eine Freundin aus dem Urlaub zurück – mit einem Tipp. Sie hatte in Florenz in einem alten Palazzo eine Schule für Restauratoren gesehen. Clemens Giesen setzte sich in den Zug, fuhr hin – und war begeistert. Dort gab es Unterricht in Kunstgeschichte, Schnitzen, Vergolden und vielem anderen mehr. Für zwei Semester schrieb Giesen sich in Bonn in der Romanistik ein, um die italienische Grammatik zu pauken, dann begann er seine Ausbildung in Florenz.

Fenster in die Vergangenheit

Dabei blieb es nicht. Er hängte eine Ausbildung zum Gemälderestaurator dran, eine Spezialausbildung zum Vergolder, und eigentlich wollte er danach in Italien bleiben. Schließlich kam er aber doch zurück nach Kleve. In der ehemaligen Metzgerei begann er dann, alte Schätze für Bekannte zu restaurieren. „Ich habe mir hier im Haus einen Raum fertiggemacht als Werkstatt, und eigentlich arbeite ich immer noch in diesem Provisorium.“ Vor zwei Jahren hat er das Elternhaus, in dem er arbeitet und sein Antiquitätengeschäft eingerichtet hat, umfänglich restauriert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Seitenwände aus dem 15. Jahrhundert stammen und der Gewölbekeller aus dem 18. Jahrhundert. Giesen hat zugemauerte Tür- und Fensteröffnungen gefunden – „Fenster in die Vergangenheit“, wie er sagt.

Aus Ärger über die Baupolitik der Stadt ist er schon vor Jahren in die Lokalpolitik gegangen und hat die Offenen Klever mitgegründet. „In Sachen Bauangelegenheiten und Denkmalschutz kann mir niemand die Butter vom Brot nehmen“, ist er überzeugt. Aber große Erfolge hatte sein Engagement nicht, wie man an vielen Stellen der Stadt sehen kann. „Darum mache ich es mir wenigstens schön“, sagt Clemens Giesen. „Die Verwaltung hat leider kein Gespür für Denkmalschutz.“

Gerne schaut er hinüber in die Niederlande, wo man selbst neue Bürobauten mit Sinn für Ästhetik errichtet. Zum Firmenjubiläum sind seine Fotos von den „Klever Köpfen“ im Rathaus zu sehen. „Und bis Weihnachten schenke ich jedem Käufer in meinem Laden ein Plakat der Klever Köpfe“, verspricht er.

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