"Erinnere mich gut an WP-Sonderausgabe"

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Hagen. (hof) An den größten Erfolgen des Hagener Basketballs war Peter Krüsmann maßgeblich beteiligt. Als Spieler wurde er 1974 mit dem SSV Hagen Deutscher Meister und 1975 Pokalsieger, als Trainer gewann er 1994 mit Brandt Hagen den DBB-Pokal und stand

westfalenpost: Anlässlich Ihres 50. Geburtstages haben Sie gesagt, Sie wollten noch einmal Deutscher Meister werden. Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt. . .

Peter Krüsmann: Nein. Aber so weit war ich gar nicht davon entfernt. Ich bin ja im Sommer 1997 nach Ulm gegangen, das gerade den Abstieg verhindert hatte. Zum Ende der Saison standen wir im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Das war ähnlich wie 1993/94 mit Brandt Hagen. Später war ich dann noch Trainer des holländischen Ehrendivisionärs Zwolle. 2001 habe ich einen Herzinfarkt erlitten. Davon habe ich mich zwar ganz gut erholt, aber mit dem Coaching war es vorbei.

Frage: Außer beim Schul-Basketball. Bei Jugend trainiert für Olympia in Berlin sind Sie kürzlich mit den Jungs des Theodor-Heuss-Gymnasiums Dritter und mit den Mädchen Fünfter geworden. Auch hier hat es mit dem leise erhofften Titel also nicht geklappt. . .

Krüsmann: Das macht nichts. Im Nachwuchsbereich war ich viermal Deutscher Meister. Einmal mit der WBV-Auswahl, zweimal mit der B-Jugend und einmal mit der A-Jugend des SSV.

Frage: Apropos Basisarbeit. Warum hinken die meisten deutschen Basketball-Nachwuchs-Auswahlteams international hinterher? Die U20-Nationalmannschaft mit dem Hagener Per Günther hat gerade wieder bei einem internationalen Turnier gegen teilweise jüngere Konkurrenz-Teams Lehrgeld zahlen müssen.

Krüsmann: Ich will es mal so formulieren: Wenn man zu einem deutschen Nachwuchsspieler sagt: ,Spring!', dann fragt er: ,Warum?' Sagt man das gleiche zu einem Amerikaner, Griechen oder Türken, dann fragt er: ,Wie hoch?' Viele Deutsche sind gut saturiert, während man sich woanders, zum Beispiel in den USA, durch sportliche Erfolge einen sozialen Aufstieg erarbeiten kann.

frage: Stichwort USA. Noch nie haben so viele Amerikaner in der Basketball-Bundesliga gespielt wie heute. Viele Klubs haben kaum noch deutsche Spieler in ihren Reihen. Wie stehen Sie dazu?

Krüsmann: Ich sehe gerne guten Basketball, welche Pässe die Spieler haben, ist mir egal. Und den Fans offenbar auch. Bamberg hat 7000 Zuschauer pro Spiel, aber mit Steffen Hamann nur einen deutschen Stammspieler. Dazu noch Trainer Dirk Bauermann, der zwei amerikanische Assistenten hat. Die Leute wollen ihre Stadt gewinnen sehen. Dass die Mannschaften jedes Jahr umgekrempelt werden, ist ihnen anscheinend egal. Wenn ich sehe, auf welchem Niveau in den BBL-Playoffs inzwischen gespielt wird, muss ich sagen, dass es sich von der amerikanischen NBA-Liga gar nicht mehr so sehr unterscheidet. Nur dass die Spieler in den USA bei einem vergleichbaren Tempo noch ein bisschen größer sind.

Frage: Wie sehen Sie die Chancen, dass auch in Hagen demächst wieder Erstliga-Basketball gespielt wird?

Krüsmann: Das hängt ja alles an der Halle. Ich bin, ehrlich gesagt, skeptisch, dass das Hallenprojekt doch noch realisiert werden kann. Zum Ende der Brandt-Hagen-Zeit ist es auch am Kirchturmdenken mancher Politiker gescheitert. Und die aktuelle Finanzlage der Stadt ist ja bekannt. Dass Phoenix Hagen von den heimischen Basketball-Fans so gut angenommen wird, freut mich sehr. Aber wenn die Perspektive fehlt, weil keine neue Halle in Sicht ist, bekommt Phoenix ein Problem.

Frage: Krüsmann: Als Spieler sicher der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1974 in Heidelberg. 1500 mitgereiste Hagener sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre, die Feier am Abend im Mannschaftskreis war sehr schön und der Empfang am nächsten Tag am Hagener Hauptbahnhof überwältigend. Ich weiß noch, dass die Westfalenpost damals eine Sonderausgabe verteilt hat. Als Trainer habe ich den 1. und 2. Januar 1994 in bester Erinnerung. Wobei der Pokal-Halbfinal-Sieg am Neujahrstag in Bayreuth gegen Leverkusen sogar noch emotioneller war als der Endspielerfolg tags darauf gegen Ulm.

Frage: Und die traurigsten Momente als Basketballer?

Krüsmann: Als sich Ende 2003 herausstellte, dass es nicht gelang, die geplante Mehrzweckhalle zu bauen und Brandt Hagen den Bundesliga-Spielbetrieb einstellen musste. Das war bitter.

Frage: An Ihrem 50. Geburtstag saßen Sie wegen des anstehenden Umzugs nach Ulm auf gepackten Koffern. Wird es am Sonntag gemütlicher?

Krüsmann: Mit Sicherheit. Es gibt ein offenes Haus für alle und dabei bestimmt auch viele langjährige Basketball-Weggefährten zu begrüßen.

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