Portraitreihe: Heute aus Kleve

„Ich bin ein Macher-Mensch“

Petra Hähn arbeitet im Jugendzentrum Kalle. Ein Job, in dem sie viele Funktionen hat, von der Seelentrösterin bis zur Schreinerin.

Petra Hähn arbeitet im Jugendzentrum Kalle. Ein Job, in dem sie viele Funktionen hat, von der Seelentrösterin bis zur Schreinerin.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Petra Hähn arbeitet im Jugendzentrum Kalle. Ein Job, in dem sie viele Funktionen hat, von der Seelentrösterin bis zur Schreinerin

Vielleicht hätte sie auch im Bergwerk arbeiten mögen wie ihr Vater. Mit ihrem Mann, der auch als Bergmann gearbeitet hat, ist Petra Hähn mal unter Tage gewesen. Sie hat ein Händchen fürs Handwerkliche, besitzt sogar den Kettensägen-Führerschein. Aber letztlich hat sich doch erfüllt, was ihre Grundschullehrerin ihrer Mutter beim Elternsprechtag gesagt hat: Die Petra wird bestimmt mal was mit Menschen machen.

Gelernte Erzieherin mit eigenen Vorstellungen

Seit 27 Jahren arbeitet Petra Hähn in Kleve, jetzt im Jugendzentrum Kalle neben der Christus-König-Kirche. Sie ist gelernte Erzieherin, hatte aber schon früh ihre eigenen Vorstellungen. Lieber mit älteren Kindern arbeiten als im Kindergarten. Nicht im Kinderwohnheim und nicht mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Also fing sie direkt im Jugendzentrum an. Wobei sie sich inzwischen gut vorstellen kann, mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu arbeiten. Seit sie nebenher Seilgarten-Trainerin geworden ist und den Seilgarten an der Jugendherberge mit aufgebaut hat, hat sie oft und gerne Kontakt mit solchen Menschen. „Da hat sich mein Blickwinkel geändert.“

Studium zur Sozialpädagogin – berufsbegleitend

Überhaupt hat Petra Hähn eine Menge nebenher gemacht, nicht nur die Sache mit dem Seilgarten-Trainerschein. Sie hat berufsbegleitend in Nimwegen ein Studium zur Sozialpädagogin absolviert. Und sie hat eine Weiterbildung zur Erlebnispädagogin gemacht. Einfach so, gar nicht mit dem Gedanken, das Gelernte unmittelbar in der Arbeit anzuwenden. Dabei fährt sie gerne mit Kindern in Ferienfreizeiten. „Aber nicht so, dass die Kinder von Programmpunkt zu Programmpunkt hecheln, sondern dass sie auch Freizeit haben.“

Sie nimmt viele Rollen ein

Im Alltag der Kinder und Jugendlichen, die ins Kalle kommen, nimmt sie viele Rollen ein. Wenn nach der Schule acht bis zehn Grundschulkinder zum Hausaufgabenmachen kommen, hört sie sich ihre Sorgen und Nöte an. „Da bin ich manchmal Seelentrösterin, und manchmal habe ich auch eine Lehrerfunktion.“ Zwar geht es eigentlich nur ums Beaufsichtigen – aber was soll sie machen, wenn ein Kind seine Hausaufgaben nicht verstanden hat? „Ich bin halt auch ein bisschen Mama.“

Friedliches Miteinander mit allen

Dann, nach 15 Uhr, wenn das Haus offen ist für alle, ist sie Basteltante und Hungerstiller, Köchin und Reinigungskraft, Gärtnerin und Schreinerin, freitags im Schwimmbad dann auch noch Schwimmlehrerin und überhaupt öfter mal Freizeit-Animateurin.

„Ich bin ein Macher-Mensch“, sagt Petra Hähn von sich. „Wenn eine Aufgabe da ist, will ich versuchen, sie zu lösen.“ So hat sie es als Kind von ihren Eltern gelernt. Drangehen, Mithelfen, Ausprobieren. „Mir ist wichtig, dass ich den Kindern und Jugendlichen weitervermitteln darf, was ich in meiner Erziehung mitnehmen durfte.“ Das bedeutet, für ein friedliches Miteinander zu sorgen, auch wenn abends die Tänzer im großen Raum üben wollen und die anderen, die vorher da waren, in den kleineren ausweichen müssen.

Das Kalle ist offen für alle Kinder

„Kleve ist eine Stadt mit sehr vielen Treffpunkten für Kinder und Jugendliche“, findet sie, gerade im Vergleich mit den umliegenden Städten. Und wie die anderen Treffpunkte auch ist das Kalle offen für alle Kinder, gleich welcher Herkunft oder Religion. „Ich fände es toll, wenn sich mal ein paar Freunde oder Freundinnen zusammentun und gemeinsam bei uns vorbeischauen, was hier so läuft.“ Es kostet nichts. „Und es ist bestimmt besser, als alleine vorm PC zu hocken.“

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