Islamoglu blüht in zweiter Heimat auf

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Belek. "Gestatten, Cem Islamoglu." "Gestatten, Mohamed El Berkani." Zwei Gesichter einer Mannschaft, die von ihrer Herkunft kaum unterschiedlicher sein könnten. Im türkischen Trainingslager der Siegener Sportfreunde sind sie unter einem Dach vereint.

Hier der lange Türke. Cem Islamoglu, geboren in Haiger, Hessen. Hier der eher kompakte Marokkaner Mohamed el Berkani, geboren in Heerlen, Holland.

"Tja", meint Islamoglu, "meine Verwandten zu besuchen kann ich vergessen. Die sitzen alle in Istanbul." Und lacht: "Ursprünglich kommen die Islamoglus aus Rize am Schwarzen Meer, 1000 Kilometer von hier entfernt. Und nur meine Eltern sind nach Deutschland gegangen."

Das ist jetzt fast drei Jahrzehnte her, die drei Geschwister von Cem und natürlich er selbst sind mittlerweile echte "Hicken", wohnen bzw. wohnten in Holzhausen.

"Oma, Opa, Tanten, Onkel, alle möglichen Verwandten leben am Bosporus, das ist nicht einfach, wenn alle mal zusammenkommen wollen."

Cem Islamoglu ist also das Ur-Gestein im Sportfreunde-Lager, während Mohamed El Berkani eher noch ein Greenhorn im Siegerland ist. Doch halt: "Ich habe Verwandte in Siegen, bei denen wohne ich." Also doch nicht so ganz fremd in der Stadt zwischen den sieben Hügeln. Und als gebürtiger Holländer, er ist auch Staatsbürger unserer Nachbarn, ist das Oranier-Gebiet um Siegen herum ja sowieso so etwas wie Heimat.

El Berkani, im Mannschaftskreis "Mo" gerufen: "Ich fühle mich sehr wohl im Verein, im Team und hoffe das durch noch bessere Leistungen in Zukunft unter Beweis stellen zu können."

Als er nach Siegen gekommen sei, habe er sich nicht fit gefühlt, "jetzt denke ich, bin ich bei 80 Prozent. Da ist also nach oben noch Platz."

Im Gespräch kann der dunkel gelockte Mittelfeldspieler ("Mein Vorbild ist Maradona") den flämischen Sprachraum nicht verbergen. Das hört ich bei eher hellhaarigen Niederländern manchmal recht lustig an, ist bei einem dunkelhaarigen Südländer durchaus gewöhnungsbedürftig.

Aber natürlich reine Nebensache. "Wichtig is aufm Platz", wie es so schön heißt. Und da ist Mohamed El Berkani durchaus auf dem Weg, eine feste Größe zu werden.

"Ich weiß, was ich kann", ist er selbstbewusst, "und glaube, dass ich das unter Beweis stellen und Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden kann."

In der Tat: 160 Minuten hat Mohamed El Berkani in bislang zwei Testspielen in Belek in den Beinen, dazu die vielen Trainingsminuten mit Kraft- und Ausdauerprogramm. Und die Einsätze haben gestimmt, so dass im "Fascher-Orchester" durchaus eine Planstelle denkbar ist.

Den Gedanken daran hat natürlich auch Cem Islamoglu, zumal er bei seinen Regionalliga-Einsätzen dieser Saison in der Innenverteidigung stets einen guten Part gespielt hat. Doch die Konkurrenz ist groß. "Aber ich will mich da durchbeißen", hat der lange Cem den Kampf angenommen, verschwendet er keinen Gedanken mehr an mögliche Engagements in der Türkei. "Das habe ich in der Vergangenheit ein paar mal versucht, ist aber jetzt kein Thema mehr. Ich will mit den Sportfreunden in die dritte Liga - und das schaffen wir auch."

Natürlich weiß er, dass um zwei Innenverteidiger-Positionen vier Kicker streiten, die Konkurrenz groß ist.

"Da muss man sich eben durchbeißen", nimmt Cem Islamoglu, der Türke aus dem Hickengrund, den Kampf an.

Keine große Sache für ihn war der gestrige Nachmittag. Den verbrachte er mit einer ganzen Reihe von Kollegen im 50 Kilometer entfernte Antalya. "Freigang" nach harten Trainingseinheiten, harter Arbeit auf dem Rasen.

"Da muss ich vielleicht für den einen oder anderen übersetzen", deutet Islamoglu an, dass er die türkische Sprache genau so gut beherrscht wie die deutsche. Und das kann in der Türkei schon mal von Vorteil sein.

Mohamed El Berkani gehörte auch zu denen, die in den Kleinbus Richtung Antalya stiegen. Islamoglu und El Berkani: Zwei Gesichter einer Mannschaft, die in südlichen Gefilden ein gemeinsames Ziel verfolgen. Teil einer Mannschaft zu sein, die ihr Ziel erreicht.

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