Risse in Mauer bereits im Jahr 1846

Schwelm.   Die Geschichte der Evangelischen Kirche und den Bezug zur Moderne stellte Jörn-Peter Schröder zum 175. Geburtstag in der Reihe „Altes neu entdeckt“ vor. Dazu hatten der Verein für Heimatkunde und die Erfurt-Stiftung ins Haus Martfeld eingeladen.

Die Geschichte der Evangelischen Kirche und den Bezug zur Moderne stellte Jörn-Peter Schröder zum 175. Geburtstag in der Reihe „Altes neu entdeckt“ vor. Dazu hatten der Verein für Heimatkunde und die Erfurt-Stiftung ins Haus Martfeld eingeladen.

Beliebte Vortragsreihe

„Unsere Serie erfreut sich in den vergangenen vier Jahren seit ihrer Gründung hoher Beliebtheit“, sagt Anne Peter, 1. Vorsitzende des Vereins. 60 Zuhörer wollten Historisches und Aktuelles über die Christuskirche, deren Grundsteinlegung 1842 war, von Architekt Christoph Wissmann, Jörn-Peter Schröder (2. Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde) und Pfarrer Rainer Schumacher erfahren. Ulrike Schäfer, ebenfalls Mitglied im Verein für Heimatkunde, bilanziert erfreut: „In der letzten Veranstaltung mussten sogar noch Stühle nachgestellt werden.“

Für die jeweiligen Vorstellungen ist immer ein kleines Eintrittsentgelt von zwei Euro fällig, Spenden wurden dieses Mal für die Sanierung der Christuskirche entgegengenommen. Denn: Eines der größten Aushängeschilder Schwelms ist dringend sanierungsbedürftig.

Primärer Grund dafür ist laut geologischem Sachverständiger der Boden, bestehend aus einer Kalk-Lehmmischung, die den Südturm mittlerweile nicht mehr ganz gerade stehen lässt. Neben Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, sind allerdings auch Erosionen und die Verwendung unterschiedlicher Gesteinssorten beim Bau der Kirche Grund für die Sanierungsbedürftigkeit des Schwelmer Wahrzeichens.

Seit 1996 ist die Sanierungsbedürftigkeit der Christuskirche bekannt. Ein Turm, der ähnlich wie der von Pisa immer schiefer wird, hält die Baubeauftragten in Atem. In diesem Frühjahr sollen die Arbeiten, die bisher geschätzte 3,5 Millionen Euro verschlingen und sicherlich zehn Jahre dauern werden, beginnen. Doch auch schon vor diesen jüngsten Hiobsbotschaften, hat das Gotteshaus einiges zu überstehen gehabt. Die Geschichte der Evangelischen Kirche und den Bezug zur Moderne stellte Jörn-Peter Schröder her. Dass der preußische König Friedrich Wilhelm IV. samt Ehefrau in das kleine Städtchen Schwelm zu Besuch kam, um der Grundsteinlegung der damals noch „Großen Kirche“ beizuwohnen, ist auch heute noch eine Anekdote, die man sich gern unter Schwelmern erzählt.

Wiederbehelmung 1968

Bauprobleme gab es bereits vier Jahre nach der Grundsteinlegen. 1846 wurde ein Baustopp verhängt – den Rissen im Mauerwerk verschuldeten. Knapp 100 Jahre später, im März 1945 lag die Christuskirche durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche. In den 1930-er Jahren wurde die „Große Kirche“ übrigens in Christuskirche umbenannt.

1968 dann ein weiterer Meilenstein: Die Schwelmer konnten die Wiederbehelmung der zwei Türme feiern. Beim Wiederaufbau des Gotteshauses direkt nach dem Krieg fehlte damals dafür das Geld. Dass die Christuskirche so schnell nach der Zerstörung wieder aufgebaut werden konnte - wenn auch ohne Turmspitzen - sei einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass die Kirche den Schwelmern und Gemeindegliedern sehr am Herzen gelegen habe, wie der Architekt des Sanierungsprojekts, Christoph Wissmann, an diesem Abend ausführte.

Für die Gäste war aber neben den schwierigen Zeiten, die die Christuskirche zu überstehen hatte, auch noch etwas anderes beeindruckend: der Vergleichsweise große Einfluss der Religion auf die Menschen und ihr Leben in der Region. So verlief das sogenannte Kirchspiel teilweise von Barmen bis nach Voerde. Als Kirchspiel bezeichnete man ursprünglich einen Pfarrbezirk, in dem die Ortschaften einer bestimmten Pfarrkirche und deren Pfarrer zugeordnet sind. „Wie beschwerlich der wöchentliche Gang zur Kirche gewesen sein muss, ist leicht vorzustellen. Vor allem in Zeiten, in denen es noch keine Autos gab“, berichtet Ulrike Schäfer.

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