Turnen als Vorbereitung auf die Verteidigung des Vaterlandes

Schwelm.   Die Anfänge des Schulsports und seine Bedeutung heute beleuchteten zwei Vorträge der Reihe „Altes neu entdeckt“, die der Verein für Heimatkunde regelmäßig im Haus Martfeld ausrichtet.

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Die Anfänge des Schulsports und seine Bedeutung heute beleuchteten zwei Vorträge der Reihe „Altes neu entdeckt“, die der Verein für Heimatkunde regelmäßig im Haus Martfeld ausrichtet.

Grundlage ist stets ein Buch aus der historischen Bibliothek. Dieses Mal hatten die Vorsitzende des Vereins, Anne Peter, und die Journalistin Heike Rudolph, das 1817 erschienene „Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes“ von Johannes Christoph Friedrich Guts Muths (1759-1839) entdeckt. Die Journalistin Rudolph stellte die – für damalige Zeit durchaus fortschrittlichen – Ideen des Lehrers, der selbst acht Kinder hatte, vor. Es ging ihm um die Steigerung der Leistungen seiner Zöglinge, er erkannte, dass man die Voraussetzungen einzeln prüfen und Abstufungen innerhalb der Anforderungen vornehmen müsse. Er forderte Gymnastik für die (männliche) Jugend gegen „luxuriöse Weichlichkeit“ und als „nothwendige Vorschule für den werdenden Vaterlandsvertheidiger“. Das müsse man aus der damaligen Zeit verstehen, referierte Heike Rudolph und umriss die Entwicklung Deutschlands bis zum Deutschen Bund 1815. Die frühe Wehrertüchtigung diene auch der geistigen Frische und körperlichen Gesundheit. So standen Gehen, Laufen und Springen sowie Ringen und Kämpfen, Werfen und Schießen, Turnen mit Reifen und Seilen, Klettern, Schwimmen und Wandern auf dem Lehrplan. 1842 wurde der Turnunterricht für Jungen ab zehn Jahre an den öffentlichen Lehranstalten verpflichtend.

Der ehemalige Profi-Fußballer, Schulleiter, Sonderpädagoge und Sportlehrer Wolfgang Euteneuer sprach über den heutigen Schulsport, der als „Bewegung, Spiel und Sport“ auf den Lehrplänen in NRW stehe. Er soll mit drei Stunden pro Woche unterrichtet werden, was aber aus vielerlei Gründen nicht immer eingehalten werde. Bewegungsgehemmte Kinder können Sport-Förderunterricht erhalten. Kompensatorisch und Talent fördernd kann der Unterricht also ausgerichtet sein. Die Auszeichnung „Bewegte Schule“ erhalten Schulen, die tägliche Bewegungszeiten einplanen. Euteneuer ist seit 2016 Leiter des Projekts „Angekommen in deiner Stadt Dortmund“, wo zugewanderten Flüchtlingen Sportangebote gemacht werden.

Den beiden Vorträgen hätte man noch weitere Bildbeispiele gewünscht, um Differenzen und Gemeinsamkeiten des Schulsports früher und heute sichtbar zu machen.

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