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Der neue Opel Corsa überzeugt mit alten Tugenden

Nicht nur optisch gefälliger - der neue Opel Corsa überzeugt auch mit seinen komfortablen Fahreigenschaften.

Nicht nur optisch gefälliger - der neue Opel Corsa überzeugt auch mit seinen komfortablen Fahreigenschaften.

Foto: dpa

Berlin  Er ist leichter, sparsamer und schlauer - und natürlich sieht er auch besser als. Doch vor allem ist der neue Corsa ein typischer Opel. Das ist angesichts der Firmengeschichte nicht selbstverständlich. Und in seinem Segment vielleicht nicht mal ein Vorteil.

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Nach bald 40 Jahren und fast 14 Millionen Exemplaren bringt Opel die sechste Generation des Corsa an den Start. Als erstes Modell in der neuen Familie mit Peugeot, Citroën und DS entwickelt, steht der Kleinwagen seit dem 16. November beim Händler und kostet mindestens 13.990 Euro.

Zwar teilt er sich die Plattform mit dem Peugeot 208 und dem DS3, hat aber einen komplett eigenständigen Auftritt, der außen kein einziges und innen nur wenige Gleichteile erlaubt. Dabei haben die Hessen geschickt die Proportionen nachgeschärft und zugleich mehr Platz geschaffen.

Anders als die meisten Konkurrenten geht der Corsa nicht aus dem Leim. Denn er misst unverändert 4,06 Meter und wurde für die modernere Silhouette fünf Zentimeter flacher gebaut. Dafür bietet der Kleinwagen dank drei Zentimetern mehr Radstand etwas mehr Beinfreiheit im Fond und einen größeren Kofferraum. Der wächst von 285 auf 309 Liter und taugt so auch mal für einen Wochenendausflug. Und dank neuer Scheinwerfer und einer schnittigen Linienführung am Heck sieht er auch noch richtig trendig aus.

Schlichter Innenraum, besondere Ausstattung

Während die Schwestermodelle innen neue Wege gehen, mit Hologrammen experimentieren oder das Cockpit zum Schmuckkästchen aufrüsten, bleibt der Corsa im Innenraum ein echter Opel: grundsolide, aber ohne jeden Firlefanz. Es gibt zwar auf Wunsch ein großes Display hinter dem Lenkrad und einen Touchscreen daneben. Natürlich spielt auch Opel mit Farben für Sitzpolster und Konsolen. Und an Verarbeitungsqualität und Materialauswahl ist nichts auszusetzen. Doch wirkt der Kleinwagen vergleichsweise nüchtern und funktional.

Typisch Opel ist auch die Ausstattung des Corsa. Klar profitiert er vom gemeinsamen Baukasten und übernimmt Extras wie den Abstandsradar, der zusammen mit der aktiven Spurführung nahezu freihändiges Fahren auf der Autobahn ermöglicht. Aber als einziger in seiner Klasse bietet er auch blendfreies LED-Matrix-Licht. Und weil Opel schon immer großen Wert auf Ergonomie gelegt hat, gibt es für den Corsa Sitze mit dem Gütesiegel der "Aktion Gesunder Rücken".

Motoren für Vernunft statt Verführung

Beim Antrieb sind sich die Geschwister dagegen sehr nahe. So übernimmt der Corsa alle Motoren aus Frankreich: Bei den Benzinern ist das ein Dreizylinder mit 1,2 Litern Hubraum, der in drei Leistungsstufen von 55 kW/75 PS bis 96 kW/130 PS angeboten wird. Als Diesel kommt ein 1,5 Liter großer Vierzylinder mit 75 kW/102 PS zum Einsatz. Weil der Corsa bis zu 100 Kilo abgespeckt hat und die Motoren alle neueren Datums sind, geht auch der Verbrauch deutlich zurück. Er liegt nun bei Werten zwischen 3,2 Litern Diesel und 4,7 Litern Benzin (CO2-Ausstoß 85 bis 106 g/km). Das ist zwar eine vernünftige Auswahl, doch zum Verführer taugt der Corsa damit nicht. Dabei hätte er allemal das Zeug dazu.

Der stärkste Benziner, der mit einer noch ziemlich konkurrenzlosen Achtgang-Automatik kombiniert wurde, ist nämlich nicht nur kultiviert und komfortabel. Wenn man den Motor beherzt ausfährt, zeigt der Corsa eine weitere lang gepflegte Tugend: Er hat ein richtig gutes Fahrwerk und fühlt sich mit einer niedrigen Sitzposition und einer sehr direkten Abstimmung viel lebendiger an als seine französischen Geschwister. Und dank eines um 1,5 Meter geschrumpften Wendekreises ist er auch noch sehr viel handlicher. Um so bedauerlicher ist es, dass es keine stärkeren Motoren geben wird und deshalb bei 208 km/h schon Schluss ist.

Dafür hat Opel noch eine andere Motorvariante in der Pipeline. Denn ab Frühjahr gibt es den Corsa auch mit Elektroantrieb: Der 100 kW/136 PS starke E-Motor erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 150 km/h, und der 50 kWh-Akku schafft es auf eine Normreichweite von 330 Kilometern. Mit einem Preis von 29.900 Euro könnte es Opel gelingen, endlich Masse zu machen mit der neuen Technik. VW und Ford jedenfalls und die allermeisten Asiaten kommen damit gehörig in Zugzwang.

Fazit: Angekommen in einer neuen Zeit

Er sieht frisch aus, nutzt moderne Technik und rüstet sich mit dem Elektroantrieb für die Zukunft - so vollzieht der Opel Corsa den Übergang in eine neue Ära und profitiert dabei viel von der neuen Mutter aus Paris. Doch lange nicht so progressiv wie die Franzosen, ist und bleibt er ein eher nüchterner, fast klassischer Kleinwagen und bedient so alte Ansprüche. Das mag nicht sexy sein, könnte aber durchaus Erfolg haben. Denn während es schillernd bunte Experimente zu Hauf gibt, spielt der Corsa als konservative Variante eine Sonderrolle unter den Kleinwagen.

Datenblatt: Opel Corsa 1.2 DI Turbo

Motor und Antrieb Dreizylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 1199 ccm
Max. Leistung: 96 kW/130 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 230 Nm bei 1750 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Achtgang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4060 mm
Breite: 1960 mm
Höhe: 1433 mm
Radstand: 2538 mm
Leergewicht: 1233 kg
Zuladung: 417 kg
Kofferraumvolumen: 309 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,7 s
Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter/100 km
Reichweite: 980 km
CO2-Emission: 103 g/km
Kraftstoff: Normalbenzin
Schadstoffklasse: EU6d
Effizienzklasse: A
Kosten:
Basispreis der Modellreihe (Opel Corsa 1,2 DI): 13.990 Euro
Grundpreis des Opel Corsa 1,2 DI Turbo: 23.340 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr: 40 Euro
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Front-, Seiten- und Vorhangairbags, Müdigkeitserkennung, ELD-Scheinwerfer
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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