70 Jahre NRW

70 Jahre NRW - WDR gratuliert mit Doku-Serie "Unser Land"

Da werden Erinnerungen wach. In den 50er-Jahren kam auch Romy Schneider (hier mit Horst Buchholz und Boy Gobert,  v. l.) zu Uraufführungen in die Essener Lichtburg.

Da werden Erinnerungen wach. In den 50er-Jahren kam auch Romy Schneider (hier mit Horst Buchholz und Boy Gobert, v. l.) zu Uraufführungen in die Essener Lichtburg.

Foto: Siegfried Ulrich

Essen.   Mit einer mehrteiligen Zeitreise in die Landesgeschichte widmet sich der WDR dem 70. Geburtstag NRWs. Jede Woche geht es in ein anderes Jahrzehnt.

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Es ist ja der 70. Geburtstag von Nordrhein-Westfalen, da reichen ein paar warme Worte und ein Strauß Blumen nicht, um zu gratulieren. Jedenfalls nicht für den TV-Sender des Landes. Deshalb hat der WDR etwas gemacht, was in NRW eine lange Tradition hat – vor allem im Ruhrgebiet. Er hat gegraben. Ganz tief und auch dort wo noch nie zuvor jemand gegraben hat. Nicht im Boden, sondern in Archiven und Kellern. Meist in öffentlichen, gerne aber auch in privaten. 2500 Stunden Bildmaterial wurden gesichtet, viereinhalb Stunden davon kommen jetzt unter dem Titel „Unser Land“ als Serie ins Fernsehen. Jede Woche geht es in ein anderes Jahrzehnt.

Annette Frier kommentiert

Viereinhalb Stunden, das ist nicht wenig, aber trotzdem ist es natürlich nicht annähernd genug, um alles zu erzählen, was passiert ist zwischen Rhein und Weser seit 1946. Als die Briten aus den Provinzen Nordrhein und Westfalen das Bindestrichland Nordrhein-Westfalen machten. Zumal diese Serie sich nicht nur um Politik und Wirtschaft dreht, sondern auch um Musik und Mode, Sport und Kultur und um den Alltag der Menschen. Große Momente, kleine Anekdoten. Skandale und Krisen, Erfolge und Festtage. Geschichte für alle, Erinnerungen für viele.

So geht es chronologisch durch die Jahre. Szenen aus Wochenschauen wechseln sich mit Schnipseln aus Privatfilmen ab, Werbespots folgen auf Reportageclips. Stets flott sind die Szenen geschnitten, hektisch aber wird es dennoch nie. Klar, viele Bilder kennt man, andere aber hat man tatsächlich nur selten oder noch nie zuvor gesehen. Und selbst von den ältesten sind überraschend viele in Farbe. Die Stimme, die all das aus dem so genannten Off kommentiert, kommt von Annette Frier. Sie unterstützt die Bilder, gibt Infos, die sich aus der Optik alleine nicht erschließen. Oft mit einem unsichtbaren Augenzwinkern, ganz selten etwas zu pathetisch.

Ausflüge in die Vergangenheit des Ruhrgebiets

Schlag auf Schlag geht es zu Menschen, die dieses Land prägten und Berthold Beitz oder Rudolf-August Oetker hießen. Aber auch zu Orten, an denen das Herz des Landes schlägt, an denen sich Geschichte und Lebensgefühl der Region manifestierten. Villa Hügel, die Essener Lichtburg, das Stadion Rote Erde – ganz oft führen die Ausflüge in die Vergangenheit ins Ruhrgebiet, das mit seiner Kohle ganz Deutschland nach dem Krieg wieder nach oben brachte. Oder ins Rheinland, speziell nach Köln und Düsseldorf. Ostwestfalen, Sauer- und Siegerland oder das Bergische, sie alle kommen dabei – angesichts der zur Verfügung stehenden Sendezeit nicht überraschend – etwas zu kurz.

„Unser Land“ ist eine Reihe, die vieles nur anreißt, nur anreißen kann. Trotzdem schafft sie es immer wieder, zumindest eine Spur des Lebensgefühls zu vermitteln, das herrschte zu jener Zeit. Sechs Wochen lang bittet sie zur Zeitreise und zaubert dabei in den besten Augenblicken dem Zuschauer ein Lächeln der Erinnerung ins Gesicht – vor allem, wenn er aus dem Ruhrgebiet kommt.

Fazit: Unterhaltsamer Rückblick. Und dümmer wird der Zuschauer auch nicht.

WDR, Freitag, 20.15 Uhr.

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