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Die Technik von morgen an der Uni Siegen entdecken

Oliver Stickel ist der Koordinator des so genannten "FabLabs".

Oliver Stickel ist der Koordinator des so genannten "FabLabs".

Foto: Michael Fassel

Siegen.   Im „FabLab“ am Campus Unteres Schloss können Studierende und Interessierte experimentieren und forschen. Dafür stehen diverse technische Arbeitsgeräte zur Verfügung.

Am Campus Unteres Schloss ist am Freitagnachmittag nicht viel los. So jedenfalls scheint es auf den ersten Blick, wenn man durch die langen Flure schlendert und an leeren Seminarräumen vorbeigeht. Doch im Untergeschoss herrscht reges Treiben bastelfreudiger und kreativer Menschen, die sich an der Technik von Morgen erfreuen. Das sogenannte „FabLab“ bietet eine Fülle an Hightech, vom Lasercutter bis zu verschiedenen 3D-Druckern. Der Begriff FabLab ist eine Abkürzung und steht für „fabrication laboratory“. Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA und ist mittlerweile weltweit verbreitet. Die Philosophie dahinter: „Jeder ist willkommen. Fab­Labs verstehen sich als offene Community“, sagt Oliver Stickel, Doktorand der Computerunterstützten Gruppenarbeit und sozialen Medien sowie Koordinator des FabLab. Ob Universitätsangehöriger oder Privatperson – jedem soll der Zugang zu digitalen Produktionsverfahren ermöglicht werden. Während Oliver durch den 75 Quadratmeter großen Raum führt, der ausschließlich mit dem Aufzug erreichbar ist, muss man irgendwie an H. G. Wells Science-Fiction-Romane denken.

Die Maschinen arbeiten selbstständig, nur gesteuert durch ein paar Tasten oder Klicks auf den Laptops, die auf den Tischen des Arbeitsbereichs stehen. Dem Lasercutter könnte man stundenlang beim präzisen Auslasern von komplexen Formen zuschauen. Das Gebläse des Geräts macht so viel Lärm, dass ein Gespräch direkt davor kaum möglich ist.

Stadtmodell per Mausklick

Ein weiterer Bereich umfasst eine Fülle an verschiedenen 3D-Druckern, von denen einer sogar im Fab­Lab gebaut worden ist. Die Drucker dienen derzeit unter anderem dem transdisziplinären Siegener Forschungsprojekt „ZEIT.RAUM“, indem sie regionale Orte beziehungsweise Gebäude herstellen, die an Modellbau erinnern. Ziel des Projekts ist unter anderem ein interaktives, anfassbares Stadtmodell. Für technikaffine Menschen mag es bereits selbstverständlich sein, dass jedes Modell mit seinen Details am PC entworfen und visualisiert werden kann. In Kooperation mit Lehre und Forschung sieht das Fabrikationslabor weit über den kommerziellen Tellerrand hinaus. Ein wichtiges Kriterium ist neben der offenen Werkstatt, in der sich experimentell-kreative Gemüter ausleben können, auch der humanitäre Anspruch. „Das FabLab ist transdisziplinär angelegt. Vernetzung und Kooperation sind für uns hochgradig relevant“, betont Oliver Stickel.

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