Kunst

Heiner Schlesing - ein Wanderer zwischen den Welten

Dieter Roos und Inge Schlesing  haben die Gemälde im Museum aufgehängt.

Dieter Roos und Inge Schlesing haben die Gemälde im Museum aufgehängt.

Foto: Jens WachterStorm

Rees.   Werke des bedeutenden Malers Heiner Schlesing sind ab Sonntag im Städtischen Museum in Rees zu sehen. Seine Witwe Inge hat diese Bilder bewusst ausgewählt

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Was gibt es Schöneres, als eine Ausstellung zu erleben, die von der Person konzipiert wurde, die wie kein anderer die Schaffenskraft von Heiner Schlesing kennt? Vor 22 Jahren verstarb der Künstler im Alter von 91 Jahren. Heiner Schlesing hinterließ ein Lebenswerk – mit über 900 Gemälden, Zeichnungen und Skizzen. Mit seinen Bildern lebt er weiter im Leben seiner Witwe Inge Schlesing, die von Köln nach Rees an den Rhein zog, um jene Landschaft zu erleben, die ihrem Mann in der Nachkriegszeit Ansporn und Kraft gab.

Maler in Marienthal

In den Jahren 1946 bis 1949 war der gebürtige Karlsruher nach dem Verlust seines Ateliers mit seinem Gesamtwerk durch Bombenhagen in Berlin an den Niederrhein geflüchtet. Dort war er dem Marienthaler Künstlerkreis verbunden, lernte Pastor Augustin Winkelmann kennen und setzte seine künstlerische Arbeit hier fort. 1949 zog er nach Köln, dort war er zunächst als freischaffender Künstler und später von 1957 bis 1972 als Kunsterzieher tätig.

In den 20er Jahren reiste er in die Länder der klassischen und griechischen Antike wie Sizilien, Griechenland und Palästina. Nach seinem Studienabschluss 1927 übernahm er in Berlin gemeinsam mit Max Pechstein ein Atelierhaus.

Bevor er im 2. Weltkrieg als Kriegsmaler eingesetzt wurde, bereiste Schlesing von 1928 bis 1933 Bagdad, Beirut, Neu Delhi, Kaschmir, Benares, Singapur, Java, Sydney, Bora Bora, Tahiti, USA und von 1936 bis 1939 Zentralafrika.

„Ein Wanderer zwischen den Welten“ lautet daher auch der Titel der Ausstellung. Schon zu Lebenzeiten hat Inge Schlesing die unzähligen Bilder fotografiert und ihre Entstehungszeiten notiert, „manchmal arbeitete mein Mann über Jahrzehnte an einem Bild“. Was ein Grund war, die Bilder nach Themen zu katalogisieren. Dem folgend werden jetzt die Werke in Abteilungen ausgestellt: Madonnen, Afrika, Südsee, Arbeitswelt, Köln und Reisen.

Heiner Schlesing begleitet seine Frau weiterhin in seinen Bildern. Dem Jahreszyklus folgend hängt sie seine Madonnenbilder in der Weihnachtszeit auf, wechselt sie zum Karneval gegen bunte Faschingsbilder und hat gerade mit seinen Frühlingswerken ihre Wohnung ausgestattet. So hat sie auch jetzt viel Zeit investiert, um Bilder für die Ausstellung in Rees auszuwählen. „Ich habe Skizzen der Ausstellungsflächen gemacht und dann Fotos von den Bilder entsprechend ausgelegt – bis ich wusste, wo was hängen soll!“ Dazu hat sie Briefe und Zeichnungen ausgewählt, die nun in Vitrinen liegen. „Etwa eine Korrespondenz mit einem Farbenlieferanten“, erzählt Inge Schlesing. „Es war meinem Mann wichtig, dass die Farben von großer Qualität waren. Daher besitzen sie heute noch diese Leuchtkraft.“ Bei der Hängung der Werke ist ihr Familie Roos behilflich. Dieter Roos war es auch, der die Witwe damals für Rees begeisterte.

Etliche Bilder sind in ihrer gemeinsamen Zeit in Köln entstanden: der Blick von Deutz auf den Dom oder Menschen auf der Hohen Straße. „Ich erinnere mich noch gut, als plötzlich Reklameschilder aufkamen und grell leuchteten. Die Menschen schoben sich durch die Hohe Straße. Nichts wie weg hier“, hatte sie damals gesagt.

Oft hatte ihr Mann ihr kleine Liebesbrief zugesteckt, sich ihr für das Verständnis und ihre Teilnahme an seinem Lebenswerk bedankt. Dass es über Jahrzehnte so große Beachtung findet, ist auch ihr Verdienst.

Am Sonntag, 13. April, eröffnet die Stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning die Ausstellung um 11.30 Uhr im städtischen Koenraad-Bosman-Museum, Am Bär 1. Während Christiane van Haaren, Künstlerische Leiterin im PAN kunstforum niederrhein, die Einführung übernimmt, wird der musikalische Rahmen vom Violinisten Markus Roos gestaltet. Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 8. Juni, zu sehen.


Die Öffnungszeiten des Museums sind samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen ist das Museum auch außerhalb der gewohnten Öffnungszeiten nach vorheriger Anmeldung unter 02851/ 51187 geöffnet.

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