Rollhockey

Rollhockey-Profi da Silva arbeitet mit Schläger und Pinsel

Portugals Finanzkrise treibt viele Rollhockey-Spieler ins Ausland. Spieler wie Flavio da Silva, der als Malergehilfe seinen Lebensunterhalt verdient.

Portugals Finanzkrise treibt viele Rollhockey-Spieler ins Ausland. Spieler wie Flavio da Silva, der als Malergehilfe seinen Lebensunterhalt verdient.

Foto: Tim Schulz

Duisburg.   Die Wirtschaftskrise hat Flavio da Silva vom Rollhockey-Land Portugal nach Duisburg geführt. Dort spielt er – und arbeitet als Malergehilfe. Von der Randsportart Rollhockey kann der 29-Jährige in Deutschland nicht leben - in Portugal war das lange anders.

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Zügig lässt Flavio da Silva die Farbrolle über die weiße Wand gleiten, die kleine Küche will er heute noch fertig streichen. Sein Kollege tapeziert währenddessen den Nebenraum der Altbauwohnung im Duisburger Dellviertel. „Flur machste gleich noch clean, ne?“ ruft er in deutsch-englischem Kauderwelsch hinüber in die Küche.

Anfang des Jahres ist da Silva aus Portugal nach Duisburg gezogen, um Rollhockey für den Bundesligaverein RESG Walsum zu spielen. Der 29-Jährige renoviert aber nicht etwa mit einem Freund seine neue Wohnung. Er verdient auf diese Weise sein Geld – als Malergehilfe.

Da Silva hat den Malerjob bitter nötig, in Deutschland kann er von der Randsportart Rollhockey nicht leben. „Selbst die Bundesligavereine zahlen keine Gehälter, alle Spieler sind Amateure und haben einen normalen Beruf“, erzählt er.

In seiner Heimat Portugal sieht das anders aus: Rollhockey ist dort nach Fußball die beliebteste Sportart. Spiele finden zum Teil vor tausenden Zuschauern statt. „Bei den großen Klubs können die Profis vom Gehalt leben. Ich selbst habe einige hundert Euro verdient und wurde auch manchmal auf der Straße erkannt“, erinnert sich der Portugiese an seine Zeit in der ersten und zweite Liga. Der studierte Psychologe brauchte aber ein zweites Standbein: Er war Mitbesitzer einer Bar. „Dort musste ich lange arbeiten und konnte meinen Sohn und meine Freundin kaum sehen“ – das wollte er ändern.

Es wird jetzt weniger gezahlt

Weil die Finanzkrise Portugal besonders hart getroffen hat, wird wie überall im Land auch im Rollhockey weniger gezahlt. „In der Liga herrscht ein gewisser Ausverkauf, viele Spieler sind ins Ausland gewechselt“, berichtet da Silva. Dort werden sie zwar nicht von den Vereinen bezahlt, aber sie verdienen in ihren Berufen mehr als in Portugal. Auch da Silva unternahm den Schritt ins Ungewisse, als das Angebot aus Walsum kam. Der Verein besorgte ihm eine Wohnung und den Malerjob. Sein Chef Peter Hüsken ist zugleich Präsident der RESG. Seine Arbeit erledige da Silva auch ohne Deutschkenntnisse zufriedenstellend, sagt Hüsken.

Abends tauscht da Silva Pinsel und Malerkittel gegen Rollschuhe und Schläger. Zweimal in der Woche hat er Training, und er betreut die Zweite Mannschaft. Rund alle zwei Wochenenden finden Pflichtspiele statt. Highlights wie zuletzt das Europapokal-Spiel im spanischen Lleida (2:5) vor 1000 Zuschauern sind selten. „In der Bundesliga kommen manchmal weniger als 100 Leute“, sagt da Silva.

Bundesliga-Atmosphäre

Ihre Halle teilt sich die RESG mit einer Gesamtschule. Bundesliga-Atmosphäre liegt nicht in der Luft. Vor den Heimspielen muss die Mannschaft selbst fast eine Stunde lang die Banden für das Spielfeld aufbauen. Das sei anstrengend, gehe aber fast allen Vereinen in der Liga so, sagt da Silva.

Diese Saison läuft es für die Walsumer auf Platz sieben von zehn eher mittelmäßig, so auch für da Silva: Zuletzt war der 1,91 Meter große Hüne wegen einer Pistolero-Geste gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt. Einige Unparteiische seien kleinlicher als in Portugal, deshalb gebe es häufig Diskussionsbedarf. Dafür hat da Silva in drei Spielen fünf Tore geschossen. „Er ist mit seiner Erfahrung eine Verstärkung für uns“, bestätigt sein Trainer Robbie van Dooren. Da Silva harmoniert vor allem mit seinem Landsmann Pedro Queiros, der im Juni 2012 den gleichen Weg nach Deutschland gegangen ist.

Neben Arbeit und Sport hat da Silva wenig Freizeit, die er oft mit Video-Telefonaten nach Hause verbringt. Seine Freundin und sein Sohn sind anders als geplant bisher nicht mit nach Duisburg gekommen. „Meine Freundin ist Lehrerin, aber spricht auch kein deutsch, deshalb ist es schwierig für sie, hier Arbeit zu finden“, sagt er traurig . Immerhin war ein Grund für den Wechsel, mehr Zeit mit der Familie zu haben. Mut macht ihm Landsmann Pedro, der sich in Walsum mit Frau und Kind gut eingelebt hat: „It feels like home.“

Das scheint Flavio ähnlich zu sehen. Für drei Jahre hat er in Walsum unterschrieben, das Angebot eines Liga-Konkurrenten hat er abgelehnt. Seine Familie soll wenn möglich bald nach Duisburg kommen. Bis dahin will er weiter seinen Job machen – mit Pinsel und Hockeyschläger

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