Gericht

TÜV-Abnahme ohne Auto für 150 Euro

Foto: WR

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Lünen/Selm. Das Jugendschöffengericht steht vor einem Sumpf von TÜV-Plakettenfälschungen, kratzt aber mit dem gestrigen Prozess noch an der Oberfläche. Angeklagt sind zwei junge Männer (21 und 23 Jahre) aus Selm, die gemeinsam bei BMW-Schmidt in Lünen nach einem Einbruch vier Räder mit Alufelgen von einem 525 Touring im Wert von 4000 Euro gestohlen haben sollen. Der jüngere Angeklagte soll außerdem eine TÜV-Plakette samt Bericht gefälscht haben. Er schweigt zu beiden Vorwürfen.

Ein 50-jähriger Passant hatte am 25. Februar 2010 nachts beobachtet, wie einige Männer nahe des Autohauses an der Körnerstraße vier Reifen in einen grünen Ford-Kombi luden und rief die Polizei. Die Fahndung lief schon, als eine Polizeistreife dem Ford kurz vor Bork begegnete, die Beamten wendeten, verfolgte den Wagen bis zu einem Bauernhof und stellte ihn sicher, die Insassen flohen zu Fuß.

Erst Felgen geklaut, dann TÜV gefälscht

Besitzerin, aber nicht Halterin Autos mit polnischem Kennzeichen war damals eine 40-jährige Selmerin, die den Ford von einer Freundin in Polen kaufen wollte, ihn aber zeitweise dem 21-jährigen Angeklagten überließ, der wiederum ab und zu bei seinem Bruder im Autohandel arbeitete.

Eine Freundin habe sie am anderen Morgen angerufen und gesagt, sie habe das Auto in Bork stehen sehen. Was aber nicht sein konnte, denn die Polizei hat den Kombi schon in der Nacht abholen lassen. Der Einbruch bei Schmidt ist noch nicht geklärt.

Ebenfalls nicht die TÜV-„Abnahme“. Eine 28-jährige wollte einen Ford-Fiesta anmelden, schickte ihren Partner, der den Pkw komplett restauriert hatte, zum Straßenverkehrsamt, wo er plötzlich von der Polizei umstellt war, weil die Zulassungsstelle die Fälschung erkannt hatte.

Sein Bekannter habe ihm zuvor doch zuvor mitgeteilt, für 150 Euro käme der Fiesta „ganz legal“ durch den TÜV, sagte er dem Gericht. Das Geld habe er in einen Umschlag im Auto gesteckt.

Es sei von einer „Fachfirma“ die Rede gewesen, berichtete ein weiterer Zeuge (23) in der ominösen Kette nach dem Muster „Ich kenne einen, der einen kennt, der einen kennt, der das mit dem TÜV macht“. Die „Abnahme“ sei dann ganz ohne Auto erfolgt, erfuhr das erstaunte Gericht. Ein vermutlich unmittelbar an der Fälschung beteiligter junger Mann verweigerte die Aussage, um sich nicht zu belasten.

Ein Polizeibeamter aus Werne war extra zu dem Prozess gekommen, weil er eine Anklage vieler Fälschungen erwartete, die schon angezeigt, aber wohl noch unterwegs zur Staatsanwaltschaft sind. Am 8. Dezember geht es weiter.

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