Gesundheits-Startups

Diese NRW-Startups digitalisieren die Gesundheitsversorgung

Unzählige Medizin- und Gesundheits-Apps stehen zum Download bereit. Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ist eines der Megathemen der Zukunft.

Foto: Franziska Gabbert

Unzählige Medizin- und Gesundheits-Apps stehen zum Download bereit. Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ist eines der Megathemen der Zukunft.

Essen  Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung wird ein Mega-Trend. Auch in NRW beginnen sich Firmen rund um das Thema "E-Health" zu gründen.

Egal ob mit Fitness-Uhren oder Gesundheits-Apps, die eigenen Vitalwerte digital zu erfassen und zu messen liegt im Trend. Mehr als die Hälfte aller Smartphone-Besitzer in Deutschland nutzen Gesundheits-Apps, hat eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom ergeben. Dabei sind Programme, die Vitaldaten wie Gewicht oder Blutdruck aufzeichnen am beliebtesten. Hauptmotivation der Nutzer: Die eigene Gesundheit zu verbessern.

Zeigen sich Privatleute den digitalen Helfern also durchaus aufgeschlossen gegenüber, nehmen Ärzte und Krankenkassen in Deutschland noch eher eine skeptische Haltung ein. Zu wenig erprobt seien solche Lösungen. Trotzdem boomen Nachfrage und Angebot an digitalen Anwendungen und Geräten im Gesundheitsbereich. "Digital Health" oder "E-Health", wie die Branche neudeutsch genannt wird, ist deshalb für Startups ein interessanter Bereich. Auch im Ruhrgebiet bringen junge Unternehmen innovative Produkte oder Software auf den Markt.

Einen aktuellen Erfolg konnte beispielsweise das NRW-Startup Ichó, das vom Social Impact Lab Duisburg unterstützt wird, verzeichnen, als es unlängst den Einzug ins Finale des internationalen Wettbewerbs "Ideas from Europe" schaffte. Die Gründer haben einen elektronischen Ball entwickelt, der zur Therapie von Menschen mit Demenz eingesetzt werden soll.

Zwar kann das Ruhrgebiet kaum als Hochburg für Digital Health-Startups angesehen werden, doch auch hier gibt es einige interessante Gründungen, die sich um die Zukunft der Gesundheit kümmern. Fünf davon im Überblick:

Pflegix aus Witten: Der Online-Marktplatz für Pflege- und Betreuungskräfte

Der steigenden Nachfrage nach Betreuungs- und Pflegekräften widmet sich seit September 2016 das Wittener Startup Pflegix. Das dreiköpfige Gründerteam hat einen Online-Marktplatz entwickelt, auf dem Familien mit alten oder pflegebedürftigen Angehörigen nach Pflegekräften im eigenen Wohnort suchen können.

Die Idee dazu hatte Gründer Tim Kahrmann, als er selbst nach Hilfe für ein pflegebedürftiges Mitglied seiner Familie suchte, während er im Ausland lebte. Vor allem bei der Online-Recherche fand er kaum Angebote, unkompliziert nach einer passenden Betreuung in der Nähe zu suchen. "Die Digitalisierung ist in diesem Sektor noch nicht wirklich angekommen", musste Kahrmann feststellen.

Also beschloss er, selbst diese Lücke zu schließen und suchte nach einer möglichst einfachen Möglichkeit, Helfer für eine stundenweise Betreuung zu finden. Gemeinsam mit zwei Programmierern entwickelte er die Plattform Pflegix, auf der sich sowohl Helfer mit ihren Profilen registrieren, als auch Familien ihre Anfragen einstellen können.

Gestartet zunächst in einigen NRW-Städten sind nach eigenen Angaben des Startups inzwischen über 7500 Helfer aus ganz Deutschland registriert - von examinierten Pflegekräften und Pflegehelfern über zertifizierte Seniorenbetreuer bis hin zu Haushaltshilfen, die unterschiedlichste Aufgaben übernehmen können.

mynoise: Digitale Tinnitus-Behandlung aus Duisburg

Wie gesagt, stehen Ärzte der digitalen Behandlung von Patienten oftmals noch skeptisch gegenüber. Der Duisburger Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Uso Walter gehört zu den Ausnahmefällen. Neben seiner Praxis hat der Tinnitus-Spezialist sein eigenes Startup gegründet, mit dem er Patienten behandeln möchte, die unter einer bestimmten Form von Tinnitus leiden.

Die Idee dazu entwickelte der Arzt aus eigenem Bedarf heraus. Als er kein passendes Produkt für seinen Therapieansatz fand, Patienten mit einer bestimmten Tinnitusfrequenz zu behandeln, nahm er die Sache selbst in die Hand und gründete sein Startup mynoise. "Einen chronischen Tinnitus kann man nicht übers Ohr, sondern nur über die Gehörverarbeitung im Gehirn behandeln", erklärt Dr. Uso Walter. Für die Therapie entwickelte er zusammen mit einem Toningenieur spezielle Audiodateien, die die Patienten entsprechend ihrer Tinnitus-Frequenz auf seiner Website kaufen können. Zusätzlich bietet der Arzt und Unternehmer eigens komponierte Sound-Dateien an, die den Patienten bei der Entspannung oder beim Einschlafen helfen sollen.

Auch Online-Sprechstunden hält der Tinnitus-Spezialist ab. Auf seinem Youtube-Kanal beantwortet er jeden Mittwoch die Fragen von Patienten.

Escamed aus Dortmund hilft Bluthochdruck vorzubeugen

Noch ganz frisch am Start ist das Dortmunder Startup Escamed, das sich ebenfalls einem Volksleiden angenommen hat. Das junge Gründerteam hat einen Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe ein individueller Ernährungsplan zur Vorbeugung und Therapie von Bluthochdruck entwickelt werden kann. Mit der passend dazu entwickelten App haben Nutzer jederzeit ihren persönlichen Ernährungsberater auf dem Smartphone dabei.

Für die Beratung haben die Gründer verschiedene den Blutdruck beeinflussende Nährstoffe ermittelt. Außerdem fließen persönliche Vorlieben und Unverträglichkeiten der jeweiligen Nutzer mit in den individuellen Ernährungsplan mit ein. Darüber hinaus bietet die App zusätzliche Hilfestellungen an, wie Erinnerungen, Medikamente einzunehmen oder zu sportlichen Aktivitäten zu motivieren.

Mit seiner Idee hat das Startup bereits einige Preise gewonnen, darunter Platzierungen bei den bundesweiten Gründerwettbewerben start2grow oder dem Businessplan-Wettbewerb Medizinwirtschaft.

Covibo aus Dortmund: Länger zuhause wohnen im Alter

Ebenfalls aus Dortmund kommt das junge Team Covibo, eine Ausgründung aus der Fachhochschule Dortmund. Die Gründer haben ein System entwickelt, das es alten Menschen ermöglichen soll, länger selbstständig in den heimischen vier Wänden wohnen zu können.

Dieses System besteht aus einer Basisstation, einem kleinen Gerät, das in der Wohnung steht, einer Smartphone-App und anderen Geräten in der Wohnung, wie beispielsweise einem Bewegungsmelder. Die Basisstation selbst bezeichnen die Gründer als "digitalen Aktenordner", der beispielsweise Gesundheitswerte wie Gewicht oder Blutdruck oder automatisch erfasst und speichert oder die Einnahme von Medikamenten dokumentiert und daran erinnert oder auch die Bewegung im Raum erfasst und bei Unregelmäßigkeiten automatisch den Notruf aktiviert.

Je nach Bedarf bietet das Startup verschiedene Pakete an, ob zur Erfassung der Vitalwerte, eine Therapie zu unterstützen oder die Bewegung im Raum aufzuzeichnen.

Benyoo aus Mülheim entwickelt Gesundheitsplattformen für Unternehmen

Das Mülheimer Startup Benyoo unterstützt Unternehmen bei der digitalen Umsetzung ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements und zwar mit einer individuell auf die jeweilige Firma zugeschnittene Gesundheitsplattform.

Für die Inhalte auf den Plattformen - von Artikeln über Videos bis hin zu verschiedenen Aktionen - müssen nicht die Unternehmen sorgen, das übernehmen die Redaktion und angeschlossene Gesundheitsexperten des Startups. Die Plattform und die Inhalte passt das Startup-Team sowohl an das Design der Firma als auch an die Bedürfnisse der Mitarbeiter an.

Einen hochkarätigen Kunden hat das Startup auch schon an Land gezogen: Für Aldi-Süd hat das Gründerteam das Portal einfach-ganz-ich.de entwickelt.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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