Fecht-EM

Fecht-EM in Düsseldorf: Hartung in der Hauptrolle

Max Hartung.

Max Hartung.

Düsseldorf.  Der 29-Jährige Max Hartung steht bei der Fecht-EM in Düsseldorf im Fokus. Am Mittwoch greift er zum Säbel. Er kann das EM-Triple perfekt machen.

Das Licht geht aus, die Scheinwerfer beleuchten die Planche, die Bühne gehört allein den Darstellern. Die Show beginnt jetzt, und es empfiehlt sich, genau hinzusehen, dorthin, wo Millimeter in Millisekunden über Sieg und Niederlage entscheiden. Nur kurz begegnen sich die Protagonisten, aber heftig, und lassen im nächsten Moment voneinander ab. Auf der einen Seite der Verlierer, auf der anderen der Gewinner.

Säbel-Europameister Max Hartung liebt diesen Moment. „Wenn das Spotlight angeht, ist es fast wie im Theater“, sagt der 29-Jährige. Dann verschwinden die Gesichter im Publikum, dann kann Großes passieren. Auf den Brettern, die die Fecht-Welt bedeuten.

Im Einzel EM-Triple möglich

Hartung hat schon in jungen Jahren erlebt, was dort alles geschehen kann. Er wurde Weltmeister mit der Mannschaft, wurde Säbel-Europameister, mit der Mannschaft und zweimal im Einzel. Und heute, bei der Fecht-Europameisterschaft in Düsseldorf kann er das EM-Triple im Einzel perfekt machen.

Der Moment könnte besser nicht sein, fast ist es ein dramaturgischer Bogen. Die erste Heim-EM seit acht Jahren begann für die deutsche Auswahl enttäuschend. Gleich am ersten Tag blieb Lokalmatador und Peking-Olympiasieger Benjamin Kleibrink nur eine Nebenrolle. Er ging mit den Florett-Männern ebenso leer aus wie die Säbel-Frauen.

Auch der zweite Tag brachte unbefriedigende Resultate. Die Degenfechter um den Vorjahresdritten Richard Schmidt scheiterten früh. Nur Stephan Rein aus Heidenheim kam unter die besten 32, unterlag aber dem Finnen Niko Vuorinen mit 14:15. „Irgendwie haben sie alle Schiss. Sie kommen mit dem Druck nicht zurecht“, befand Sportdirektor Sven Ressel. Besser machte es die erst 19 Jahre alte Leonie Ebert. Die Florett-Fechterin verlor im Viertelfinale gegen die Italienerin Elisa Di Francisca 5:15 und verpasste nur knapp die erste deutsche Medaille.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf Hartung. Nach dem um 9 Uhr beginnenden Einzel der Degenfechterinnen ist er ab 13 Uhr im Einzel gefordert. Für den Dormagener geht es neben dem Triple auch um Punkte für die Olympia-Qualifikation für Tokio 2020. Zudem wollen die Männer im Teamwettbewerb den nächsten Schritt machen. „Die Anspannung ist hoch“, sagt Hartung. Die Vorzeichen sind gut. In dieser Saison hat der Rheinländer bereits zwei Weltcups gewonnen, zuletzt den in Madrid. In der Weltrangliste hat er sich auf Rang zwei vorgekämpft. „Es läuft seit ein paar Turnieren richtig gut. Irgendwie habe ich die Lockerheit“, sagt Hartung. Woran es liegt, könne er „gar nicht so genau sagen“, aber dass er seine Bachelor-Arbeit beendet hat, sei sicherlich ein Grund. Und dass er mittlerweile die Erfolge „einfach genießen“ kann. „Einfach rausgehen und zeigen, was man kann.“

Im Nahkampf mit den Funktionären

Für Hartung gilt das in zweifacher Hinsicht. Als Profisportler bewegt er sich auf der schmalen Bühne der Fechter, als Athletenvertreter auf der großen, aber ebenso erbarmungslosen Bühne der Funktionäre. Ende 2014 wurde er Mitglied der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes. 2017 übernahm er den Vorsitz. Im gleichen Jahr gründete er mit anderen Athletenvertretern den Verein Athleten Deutschland , um Sportlern eine gewichtigere Stimme zu verschaffen. Hartung setzt sich für eine bessere Sportförderung ein, fordert mehr Geld. Das IOC ist der mächtige Gegenspieler. Ein weitaus schwierigerer Kampf, aber Hartung kann mit dem Druck auf der Bühne umgehen.

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