"Social Entrepreneurs"

Fünf Startups aus NRW, die die Welt verbessern wollen

Foto: Jakob Studnar

Foto: Jakob Studnar

Essen.  Bei Firmengründungen geht's nicht immer nur um's Geld: Manchmal wollen Startups auch, mit cleveren Ideen Gutes tun. Beispiele aus der Region:

Geld verdienen und dabei die Welt ein bisschen besser machen: Es gibt Gründer, denen genügt es nicht, eine innovative Technologie zu entwickeln oder ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Sie sind von der Mission getrieben, mit ihrer Geschäftsidee die Gesellschaft, in der wir leben, ein bisschen besser zu machen.

"Social Entrepreneurs" oder Sozial-Unternehmer nennt man solche missionsgetriebenen Gründer. Auch in NRW gibt es immer mehr junge Unternehmer, die mit ihrem Startup ein soziales Problem angehen wollen. Wir stellen fünf von ihnen vor.

ichó: Die digitale Therapiekugel für Demenzpatienten

Demenz ist nicht nur eine der großen Herausforderungen der Gesellschaft, sie ist vor allem Lebenswirklichkeit in immer mehr Familien. So auch bei Steffen Preuß, Eleftherios Efthimiadis und Mario Kascholke, deren Großeltern an Demenz erkrankt sind und eine Kommunikation mit ihnen immer schwieriger wird. Um hier Abhilfe zu schaffen haben die drei Düsseldorfer Studenten „ichó“ entwickelt, eine interaktive, digitale Therapiekugel, die es Pflegekräften und Familienangehörigen erleichtern soll, eine Kommunikation mit demenzerkrankten Menschen aufzubauen.

Diese Kommunikation funktioniert vor allem auf emotionaler Ebene, beispielsweise über Musik, farbiges Leuchten oder verschiedene Spiele. Wichtig ist das Zusammenspiel von Wahrnehmung auf der einen Seite und Bewegung auf der anderen Seite. Mit seiner Idee hat das NRW-Startup international für Aufsehen gesorgt. In diesem Monat noch stehen die drei Gründer im Finale des europäischen Pitch-Wettbewerbs "Ideas from Europe", in dem die innovativsten Gründungsideen aus ganz Europa gegeneinander antreten.

Das Produkt ist inzwischen so weit entwickelt, dass das Team die erste Kleinserie mit 200 bis 300 Stück der Kugeln produzieren will. Noch in diesem Jahr sollen sie auf den Markt kommen. Dazu stehen die drei Gründer derzeit im Gespräch mit Investoren und Business Angels für eine erste Finanzierungsrunde.

Feinwasser: Mit T-Shirts die Arbeitswelt fairer und bunter machen

Die erste Finanzierungsrunde hat das Dortmunder Social Startup Feinwasser bereits erfolgreich gemeistert: Per Crowdfunding. 20.000 Euro haben die beiden Gründer auf der Plattform Startnext gesammelt, um ihre erste T-Shirt-Serie zu produzieren. Doch nur auf den ersten Blick ist feinwasser ein Modelabel für T-Shirts mit außergewöhnlichen Motiven. Für die beiden Gründer, Lukas Böhm und Crispin Müller, steckt noch viel mehr dahinter. Mit ihren fairen T-Shirts wollen sie den Grundstein für eine ganz andere Art von Unternehmen legen. Ihr Ziel: demokratische Entscheidungsstrukturen und völlige Transparenz. "Im Grunde versuchen wir ein von Grund auf nachhaltiges und faires Unternehmen aufzubauen", sagt Gründer Lukas Böhm.

Erstes Ziel des jungen Unternehmens sei nicht, möglichst viel Profit zu erwirtschaften. "Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass alle Menschen, die an der Herstellung unseres Produktes beteiligt sind, ein gutes Leben führen können." In einem ersten Schritt zu diesem Ziel lässt das Dortmunder Startup faire Shirts in einer komplett transparenten Lieferkette herstellen und bedruckt diese mit Aquarellbildern, die die beiden Gründer selbst erstellen. abei kooperiert das Team mit sozialen Initiativen, für die es nicht nur spezielle Motive entwirft, sondern auch noch einen Teil der Erlöse spendet. Besonders ist zudem, dass der Preis für ein Shirt von den Kunden selbst bestimmt werden kann. So sollen sich auch Menschen mit weniger Einkommen faire Mode leisten können.

Good Profits - Geld investieren in soziale Unternehmen

Das Geschäftsmodell von Sebastian Grothaus und Dirk Stiller sieht auf den ersten Blick nicht gerade sozial aus. Die beiden Gründer betreiben mit “Good Profits” in Herne eine Investmentfirma, allerdings eine besondere: Investiert wird ausschließlich in Unternehmen, die die Welt verbessern wollen, beispielsweise durch besonderes soziales Engagement, Umweltschutz, Arbeitsplätze für Benachteiligte oder gesunde Ernährung.

Die Motive der beiden Social Entrepreneurs sind zum einen, durch Investitionen in soziale Unternehmen einen gesellschaftlichen Nutzen zu erwirken und daraus entsprechende Gewinne zu erzielen. Zum anderen möchten sie mit "Good Profits" eine einfache, faire und transparente Geldanlage anbieten.

Eins der Unternehmen, in das Good Profits investiert, ist das deutsche Unternehmen Africa Greentec. Das Social Startup betreibt mobile Solarcontainer für afrikanische Dörfer und verschafft damit den Menschen Zugang zu sauberem und günstigem Solarstrom.

Futterzeit: Hundefutter aus Insekten

Mit ihrem Startup "Futterzeit" wollen die beiden Bochumer Studenten Jonny Edward und Felix Bierholz einen wichtigen Beitrag für die Umwelt leisten, in dem sie ein alternatives Hundefutter anbieten. Das Besondere an ihrem Hundefutter: Es besteht nicht aus Fleisch, sondern aus Insekten.

Der massenhafte Fleischkonsum unserer Gesellschaft belastet die Umwelt erheblich, beispielsweise durch den hohen CO2-Ausstoß von Rindern. Dass Insekten sowohl eine nahrhafte als auch nachhaltige Alternative zum Fleisch ist, wussten die beiden reisebegeisterten Studenten nach einem Besuch in China. Dort gelten Insekten als Delikatesse.

Die Idee zu einem alternativen Hundefutter kam den beiden Gründern, als sie aus einer Fernsehdokumentation erfuhren, dass Hunde dreimal so viel Fleisch konsumieren wie Menschen. Mit "Futterzeit", so die Aussage der beiden Jungunternehmer, sind sie die ersten Hundefutter-Hersteller, die ausschließlich auf Insekten als nachhaltige Proteinquelle setzen.

Als erstes Produkt haben sie ein Trockenfutter auf den Markt gebracht, das man über ihren Onlineshop kaufen kann. In Zukunft sind auch weitere Produkte wie Nassfutter geplant.

Beeming Box: Mit dem Bio-Einkauf lokale Hilfsprojekte unterstützen

Das Social Startup Beeming Box mit Sitz in Hürth kombiniert den Verkauf von frischen Bio-Lebensmitteln mit Spenden in lokale Hilfsprojekte. Der Clou dabei: Die Spenden verursachen für den Kunden keine Mehrkosten. Möglich ist dies, in dem das Unternehmen selbst auf einen Teil des Umsatzes verzichtet.

Mit jeder Bestellung einer Obst- oder Gemüsebox gehen bis zu 20 Prozent des Einkaufswertes automatisch an ein lokales Hilfsprojekt, das der Kunde selbst auswählt. Dabei landet die Spende direkt und zu 100 Prozent auf dem Konto des jeweiligen Projektes.

Mit seinem Unternehmen möchte Gründer Jens Schneiders „real social food“ anbieten: Soziales Engagement soll - auch für Unternehmer - genauso selbstverständlich werden wie gesunde Ernährung.

Sozial-Unternehmen: Mehr als "nur" ein Startup

Mit ihrem Anspruch, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, sind Sozial-Unternehmer mehr als "nur" Gründer eines Startups. Ihre Mission ist es, mit Unternehmertum als Hebel Gutes zu bewirken.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie schreibt als Kolumnistin regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über Tipps für Gründer, die brummende Branche, die neuesten Trends und die spannendsten Projekte.

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