Sucht

Mit diesen Methoden werden Sie erfolgreich Nichtraucher

Die letzte Zigarette: Zwei von drei Rauchern haben mindestens einmal im Leben versucht, ihre Sucht loszuwerden.

Die letzte Zigarette: Zwei von drei Rauchern haben mindestens einmal im Leben versucht, ihre Sucht loszuwerden.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Berlin  Das Rauchen aus dem eigenen Leben zu verbannen, fällt vielen schwer. Stiftung Warentest hat einige Methoden zur Entwöhnung bewertet.

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Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland sterben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Studien zufolge verlieren Männer, die pro Tag über zehn Zigaretten rauchen, im Schnitt etwa neun Lebensjahre, bei Frauen sind es etwa sieben. Zwei von drei Rauchern haben laut Umfragen mindestens einmal im Leben versucht, die Sucht loszuwerden. Nur etwa fünf Prozent haben es im ersten Versuch und ohne Hilfsmittel geschafft.

Welche Methode des Entzugs Erfolg verspricht, hat die Stiftung Warentest jetzt untersucht. Basis für das Urteil der Verbraucherschützer sind Fachliteratur und die aktuelle Studienlage, die von Medizinern und Arzneimittelexperten ausgewertet wurden. Die Studien mussten geprüft und in anerkannten medizinischen Zeitschriften veröffentlicht sein.

• Nikotinersatzpräparate

Rezeptfrei erhältlich sind Nikotinersatzprodukte wie Pflaster, Kaugummis, Sprays oder Lutschtabletten. Als Pflaster führen sie dem Körper über die Haut kontinuierlich Nikotin zu und dämpfen damit Entzugserscheinungen.

Nikotin wirkt auf das Belohnungszentrum im Gehirn, in dem das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Der Stoff erzeugt eine entspannende und euphorisierende Wirkung, der Entzug äußert sich oft in Symptomen wie Unruhe, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit. „Nach sieben bis zehn Tagen sind Entzugserscheinungen stark abgeschwächt, spätestens nach einigen Wochen verschwinden sie“, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Laut Einschätzung der im Auftrag der Stiftung Warentest arbeitenden Experten sind Nikotinersatzpräparate „zur Entwöhnung geeignet“. Die Erfolgsaussichten könnten sich verdoppeln. Vor allem starke Raucher würden profitieren. Die Krankenkassen bezahlen sie in der Regel nicht.

Pflaster und Kaugummis

Die bewerteten Pflaster Nikofrenon, Niquitin Clear, Nicotinell und Nicorette TX gelten allesamt als geeignet. Deren Startdosis hängt von der Zahl der gerauchten Zigaretten ab und wird absteigend reduziert. Einschränkungen gab es bei Nicorette TX. „Die Pflaster bleiben nicht 24, sondern nur 16 Stunden kleben, also nicht über Nacht. Das kann morgens das Rauchverlangen fördern“, so das Urteil. Die Therapie dauert bei allen Produkten etwa drei Monate und kostet pro Monat circa 100 Euro.

Besonders schnell geben Nikotinkaugummis und -lutschtabletten Nikotin ins Blut ab. Sie könnten helfen, das spontane Verlangen nach einer Zigarette zu bekämpfen. „Sämtliche Präparate sind geeignet“, so das Urteil. Kämen sie ergänzend zu Nikotinpflastern zum Einsatz, sollten sie niedrig dosiert sein. Bewertet wurden die Produkte Nicorette, Nocotinell (Kaugummis und Tabletten) und Niquitin (Tabletten). Auch hier dauert die Therapie drei Monate, die Kosten betragen ebenfalls etwa 100 Euro pro Monat.

• Medikamente

Bewertet wurden die rezeptpflichtigen Tabletten Zyban und Champix. Diese enthalten verschiedene Wirkstoffe und dämpfen das Verlangen nach Nikotin. Gestartet wird die Einnahme, wenn Raucher noch zur Zigarette greifen, zwei Wochen später soll der Absprung dann gelingen. „Beide Medikamente sind laut unseren Experten mit Einschränkung geeignet“, so Stiftung Warentest.

Ersatzprodukte seien aber vorzuziehen, da sie in der Praxis besser erprobt sind. Bei Zyban dauert die Therapie etwa zwei Monate, bei Champix drei. Die Kosten belaufen sich auf etwa 120 Euro pro Monat.

• Kurse

Entwöhnungskurse sollten sich laut Stiftung Warentest an psychologischen Methoden der Verhaltenstherapie orientieren. Es gehe darum, Gewohnheiten zu analysieren und zu verändern. Ein solches Training dauert meist mehrere Wochen und findet in der Gruppe statt. Viele Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für zertifizierte Angebote. „So ein Gruppentraining kann die Chancen auf den Rauchstopp ungefähr verdoppeln“, so Stiftung Warentest. Darüber hinaus gibt es auch Hilfe aus der Ferne – in Form kostenloser Internetangebote oder einer Telefonberatung (BZgA, Tel. 0800/8313131).

Generell sei es ratsam, die Rauchentwöhnung auf mehrere Pfeiler zu stellen, einen Kurs etwa mit dem Einsatz von Nikotinersatzprodukten zu kombinieren. Laut Stiftung Warentest wirkt eine Kombination nachweislich effektiver.

• Akupunktur und Hypnose

„Aussagekräftige klinische Studien, die die Wirksamkeit dieser Methoden belegen, gibt es bislang nicht“, so das Urteil der Verbraucherschützer. Gleichwohl gebe es positive Erfahrungsberichte von Anwendern.

Am ehesten seien Akupunktur oder Hypnose für Raucher geeignet, bei denen die Entwöhnung mit anderen Methoden mehrfach gescheitert sei. Die Kosten, die sehr unterschiedlich ausfallen können, werden von den Kassen meist nicht getragen.

• E-Zigaretten

Eine immer größere Zahl von Rauchern greift zur elektrischen Zigarette, kurz E-Zigarette. Doch ob der Umstieg Vorteile für die Gesundheit hat, ist nicht abschließend geklärt. Laut Warentest fehlen Studien zu langfristigen Auswirkungen, nach heutigem Wissen seien E-Zigaretten jedoch harmloser als normale Zigaretten, schreiben sie.

Die elektrische Variante erhitzt eine Flüssigkeit, ein sogenanntes Liquid mit oder ohne Nikotin, die dann verdampft. Dafür sind wesentlich geringere Temperaturen notwendig als zum Verbrennen von Tabak – es werden also weniger Schadstoffe freigesetzt. Der Umstieg auf eine E-Zigarette könne laut Stiftung Warentest eine Chance sein, Risiken durch herkömmliche Zigaretten zu verringern.

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