Gründerszene

Aus der Uni zum Startup: So helfen die Hochschulen in NRW

Auch die Uni Duisburg-Essen bietet Hilfe für Startups an.

Auch die Uni Duisburg-Essen bietet Hilfe für Startups an.

Foto: Hans Blossey

Für Studenten, die an an innovativen Forschungsprojekten arbeiten, bieten Hochschulen Unterstützung bei der Gründung von Startups an. So geht's:

Direkt nach dem Studium ein Unternehmen zu gründen - oder sogar noch währenddessen - ist für die meisten Studenten im Ruhrgebiet nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, die berufliche Laufbahn zu starten. Der Gang in die Forschung oder die Karriere als Angestellte in Unternehmen zu beginnen, ist nach wie vor der klassische Weg.

Dabei zeigen eine ganze Reihe guter Beispiele aus der Praxis, dass es sich durchaus lohnt, ernsthaft über die Gründung des eigenen Startups nachzudenken. Vor allem dann, wenn man während des Studiums an einem innovativen Forschungsprojekt gearbeitet hat, aus dem sich ein marktfähiges Produkt entwickeln lässt.

Solche Hochschul-Spinoffs, wie beispielsweise das Bochumer Cybersecurity-Startup Physec, das Dortmunder Startup Logarithmo oder Nemos aus Duisburg, zeigen, dass man als sein eigener Chef erfolgreich ins Berufsleben starten kann.

Bekommt das Gründerteam für seine Forschungsausgründung dann noch das EXIST-Gründerstipendium als Förderung zugesprochen, ist sogar für den Lebensunterhalt im ersten Jahr gesorgt.

Natürlich reichen das nötige Kapital und Fachwissen nicht aus, um erfolgreich ein Unternehmen zu starten. Von der Geschäftsmodell-Entwicklung über den Businessplan bis hin zu Marketingstrategien stehen für Gründer eine ganze Reihe zusätzlicher Themen auf der Agenda. Diese Fähigkeiten zu vermitteln ist Ziel spezieller Gründungsprogramme, die auch zunehmend an Hochschulen vermittelt werden.

Auch wenn das Thema Gründung an den Ruhrgebiets-Hochschulen eher noch ein Schattendasein führt, gibt es mittlerweile immer mehr Programme, die Studenten das Thema Entrepreneurship näher bringen sollen.

Besonders die drei großen Ruhr-Universitäten in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen haben Ihre Förderprogramme innerhalb der letzten Jahre erweitert. Was sie beinhalten, darüber gibt es hier einen Überblick.

Die Worldfactory an der Ruhr-Universität Bochum

Unter dem großen Namen "Worldfactory" verbirgt sich das Gründungszentrum der Ruhr-Universität Bochum. Hier sollen vor allem innovative Ideen aus der Hochschule gefördert werden, aus denen marktfähige Produkte entstehen könnten. Das Qualifizierungsprogramm ist fakultätsübergreifend und offen für alle Studierende und setzt sich zusammen aus den Bereichen Entrepreneurship, Practice und Transfer.

Ziel des Programms ist die Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns sowie die Erarbeitung und Umsetzung konkreter Projektideen durch gründungsinteressierte Studenten.

Zentraler Ort der Worldfactory ist das Universitätsforum UFO, wo den Projektteams Coworking- und Team-Spaces zur Verfügung gestellt werden. Gründerevents und Startup-Pitches werden hier genauso angeboten, wie eine offene Beratungssprechstunde für Gründungsinteressierte. Zudem hat sich mit „Jump on Ruhr“ auch eine studentische Gründerberatung entwickelt, in der Studierende ihr Entrepreneurship-Wissen an ihre Mitstudenten weitergeben.

Für die Vernetzung und die Umsetzung der Forschungsprojekte mit und in der Wirtschaft soll schließlich das außeruniversitäre Bochumer Institut für Technologie gGmbH (BO-I-T) als Bestandteil des Konzepts der Worldfactory sorgen.

Centrum für Entrepreneurship & Transfer an der TU Dortmund

Die zentrale Servicestelle zur Förderung von Hochschul-Startups an der TU Dortmund ist das Centrum für Entrepreneurship & Transfer (CET). Neben der Gründungsförderung gehören die Betreuung von Erfindungen und Patenten sowie die Begleitung junger technologie- und wissensbasierter Unternehmen zu den Schwerpunkten des Centrums.

Schon mit ihrem vorigen Programm "tu startup", das der Uni den Titel "Gründerhochschule" einbrachte, wurden gründungsinteressierte Studenten jeder Fachrichtung unterstützt. Smart Robotic Systems, Logarithmo oder comnovo sind nur einige dieser Teams.

Das CET bietet neben Vorträgen und Seminaren zu gründungsrelevanten Themen wie Geschäftsmodellentwicklung oder Marketing auch Unterstützung in den vier zentralen Bereichen Forschung, Qualifizierung, Beratung sowie Schutzrechte und Transfer an.

Hier können sich gründungswillige Studenten Hilfe holen, wenn es beispielsweise um die Beantragung von Fördermitteln wie das EXIST-Gründerstipendium oder das Sichern und die Verwertung von Erfindungen und Patenten geht.

Zudem startet die TU Dortmund im Verbund mit der Fachhochschule Dortmund, der Hochschule Hamm-Lippstadt, der Wirtschaftsförderung Dortmund, dem Technologiezentrum Dortmund das Innovationslabor StartUP.InnoLab, mit dem über drei Jahre bis zu 36 innovative Teams intensiv bei der Entwicklung ihrer Gründungsidee begleitet werden.

Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung an der Uni Duisburg-Essen

Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung, kurz IDE, wurde 2016 als zentrale Anlaufstelle der Uni Duisburg-Essen zu allen Fragen rund ums Thema Entrepreneurhip ins Leben gerufen. Ziel des Zentrums ist die Förderung von Innovationen und Hochschul-Spinoffs - vom Hightech-Startup bis hin zum Social Business. Dabei unterstützt das IDE aktiv die Entwicklung und Umsetzung von Produktideen und Geschäftskonzepten von Studenten der Universität Duisburg-Essen.

Zu den Angeboten, die für alle Studentinnen und Studenten der Uni offen sind, gehören beispielsweise das schon viele Jahre erfolgreiche Programm "small business management", Barcamps zur Weiterentwicklung von Ideen oder sozialen Innovationen oder auch die Innovationsfabrik, die Forschungsergebnisse aus dem Ingenieurs- oder naturwissenschaftlichen Bereich mit Methoden der Kreativbranche verbindet.

Im Wintersemester 2017/2018 ist zudem der bundesweit einzigartige Master-Studiengang Innopreneurship an den Start gegangen. Studenten lernen hier nicht nur, neue Ideen zu entwickeln, sondern auch, wie sie diese als innovatives Produkt auf den Markt bringen können.

Bereits gegründete, technologie- und wissensbasierte Startups der Unis Duisburg-Essen und Köln haben darüber hinaus ab März die Möglichkeit, sich Unterstützung im neu entstandenen Future Champions Accelerator Rhein-Ruhr zu holen.

Hochschul-Startups als Chance für das Ruhrgebiet

Besonders dem Ruhrgebiet mit seinen mehr als 20 Hochschulen würde ein stärkerer Fokus der Unis auf der Förderung von Unternehmertum und Startup-Spirit gut tun. Denn die Startups von heute mit ihren innovativen Ideen und zukunftsweisenden Technologien sind der Mittelstand von morgen.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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