Ex-Sänger von Genesis

38.000 sind berührt und feiern Phil Collins im Stadion Köln

Phil Collins kam mit Gehstock auf die Bühne im RheinEnergie-Stadion in Köln - und begeisterte sein Publikum.

Phil Collins kam mit Gehstock auf die Bühne im RheinEnergie-Stadion in Köln - und begeisterte sein Publikum.

Foto: Thomas Brill

Köln.  So schnell ist der ehemalige Sänger und Drummer von Genesis nicht totzukriegen: Da war viel Begeisterung und viel Rührung „In The Air Tonight“.

Die Bühne ist abgedunkelt. Bis auf einen Spot, der den, der da vorne am Mikro steht, in Orange taucht. „I can feel it coming in the air tonight, oh Lord“, singt Phil Collins. In Großaufnahme sieht man sein Gesicht auf den Leinwänden. Man sieht die Sehnen am Hals, die Linien des Kinns, das Pulsieren der Kehle. Und die Hand, die das Mikrophon umklammert. Fest. Ganz fest. Manchmal schließt Collins die Augen, so als sei das hier ein Gebet oder eine Beschwörung: „Well I remember, I remember, don’t worry, how could I ever forget.“ Und je mehr sich das Stück steigert, desto lauter und eindringlicher es wird, desto öfter lassen die Leinwände das Gesicht eines noch sehr jungen Mannes aufleuchten, der am Schlagzeug alles gibt, was er zu geben vermag. In schnellen Schnitten, immer im Wechsel, sieht man beide: Vater und Sohn.

Vater und Sohn: Nicholas Collins wird immer besser

38.000 Menschen im Kölner Stadion berührt das am Freitag tief. Weil da einer steht, der eingangs erklärt hat, warum er die meiste Zeit des Konzerts im Sitzen verbringen wird: „Ich hatte eine Rückenoperation und mein Fuß ist gefucked. Completely gefucked!“ Schlagzeugspielen kann der 68-Jährige nicht mehr. Ab der „Not Dead Yet“-Tour 2017 hat Nicholas Collins, damals erst 16, den Job übernommen. Bei der aktuellen Fortsetzung – „Still Not Dead Yet“ – ist er wieder dabei. 2017 war er gut. 2019 ist er noch besser.

Collins Senior kommt mit einem Gehstock auf die Bühne

Schon wenn Collins Senior um 20.25 Uhr die Bühne mit einem Gehstock betritt, brandet ihm eine Woge der Sympathie entgegen. Sie gilt nicht nur seinem Lebenswerk, als Genesis-Mitglied und Solo-Musiker, sondern auch seinem Durchhaltevermögen. Und seinem Galgenhumor. Hier steht einer, der eigentlich nicht mehr stehen kann. Und macht auch noch Witze drüber. Still Not Dead Yet – immer noch nicht tot (zum jetzigen Zeitpunkt). Und so schnell auch nicht totzukriegen. Was allein schon dafür spricht: nicht nur Samstag, sondern auch tags darauf, schafft es der Brite, die Arena fast zur Gänze zu füllen.

Die, die dabei sind, erleben ein grandioses, zweistündiges Konzert. Mit einer Setliste, die Filmmusik („Against All Odds“), Genesis-Songs („Follow You, Follow Me“), Cover-Versionen (Stephen Bishops „Seperate Lives“) und Solo-Hits („Another Day in Paradiese”) miteinander kombiniert

Die Band ist nicht nur groß, sondern großartig!

Mit einer großartigen Band, die so großartig ist, dass man hier jeden einzelnen erwähnen muss. Angefangen mit dem fantastischen Bläser-Quartett Dan Fornero (Trompete), George Shelby (Saxofon), Luis Diego Bonilla (Posaune) und Harry Kim (Trompete). Über die furiose (nicht nur Background)-Riege mit Arnold Mc Culler, Amy Keys, Lamont van Hook und Bridget Bryant. Bis hin zu seit Jahrzehnten bewährten Mitstreitern wie Daryl Stuermer und Ronnie Caryl (Gitarren), zu Leland Sklar (Bass), Brad Cole (Keyboard). Und Richie Garcia (Percussion), der seinem Spitznamen „Der Oktopus“ alle Ehre macht.

Die 38 000 erleben Phil Collins stimmlich ungebrochen, kurzzeitig doch noch einmal als Schlagwerker (im Cajon-Trio mit Sohn und Percussionist) und als liebenden, humorvollen Vater. Der das vom Filius am Piano begleitete „You Know What I Mean“ wie folgt ansagt: „Er hat sich entschlossen, alle meine Platten anzuhören, und ein Stück gefunden, das ihm zusagt. Er hat sich selbst beigebracht, es am Klavier zu spielen. Und ich habe mir selbst beigebracht, es wieder zu singen. Und nun spielen wir es zusammen für euch.“

„You Can´t Hurry Love“, „Invisible Touch“ und „Take Me Home“

Als Gegengewicht zu solchen Familienmomenten kommt dann bei „You Can´t Hurry Love“ Partystimmung auf und „Invisible Touch“ legt mächtig Tempo vor. Kaum ist das letzte begeisterte „Yeah- Ye-hea“ des Publikumschors verklungen, kommt der „Easy Lover“ zum Zug, ehe es mit „Sussudio“, Luftschlangen und Konfetti in die Endrunde geht. Noch Wünsche? Ja. „Take Me Home“. Aber bitte, noch nicht, als erste und letzte Zugabe, um kurz vor 22.30 Uhr. Dieser zweite Wunsch bleibt leider unerfüllt. Aber sonst hat es an nichts gefehlt. 38 000 Menschen freuen sich auf die „Weiterhin-immer-noch-nicht-tot“-Tour. In der felsenfesten Überzeugung, dass es eine geben wird.

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