A wie Anastasia

Da taucht im Berlin der Weimarer Republik eine Hochadelige auf, die doch tot sein müsste. Hatten die Bolschewiki zwei Jahre zuvor nicht den ganzen Stamm der Romanows ausgelöscht in einer Villa im Ural? Und war nicht allein Leonid, der Küchenjunge, wie durch ein Wunder entkommen? Nein, beteuert die nicht unaparte junge Frau. Und, ach, so schwer das Los, als jüngstes Kind des Zaren überlebt zu haben, dass sie im Landwehrkanal dem Ganzen ein Ende habe machen wollen...

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Da taucht im Berlin der Weimarer Republik eine Hochadelige auf, die doch tot sein müsste. Hatten die Bolschewiki zwei Jahre zuvor nicht den ganzen Stamm der Romanows ausgelöscht in einer Villa im Ural? Und war nicht allein Leonid, der Küchenjunge, wie durch ein Wunder entkommen? Nein, beteuert die nicht unaparte junge Frau. Und, ach, so schwer das Los, als jüngstes Kind des Zaren überlebt zu haben, dass sie im Landwehrkanal dem Ganzen ein Ende habe machen wollen...

Natürlich ist das alles erfunden, Franziska Schanzkowsky lügt sich ihre Herkunft zurecht. Dass sie weder weiß, wie bei Zarens die Möbel gemustert waren noch ein Wort Russisch über die Lippen bringt, schreibt das clevere Bauernmädchen dem Schock zu. Der Presse gefällt das – und der Traumfabrik erst: Ingrid Bergman spielt Anastasia, auch Lili Palmer. Noch 1997 macht Disney eine Trickfilmheldin aus ihr – da stimmt ihre Geschichte natürlich, angereichert durch die sprechende Fledermaus von Rasputin.

Legenden sind zähe Biester. Über 30 Frauen haben seit 1918 versichert, Anastasia zu sein. Noch 2002 behauptet in Moskau Natalia Petrovna Bilikhodze, sie sei die echte. Da ist sie 101. Die Zahl der Prätendentinnen ist letzthin deutlich zurückgegangen. Ein Zusammenhang mit dem Geburtsjahrgang ist nicht auszuschließen. Am 18. Juni wäre Anastasia, Großfürstin von Russland, 117 Jahre alt geworden.

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