Literatur an Rhein und Ruhr

Auf Mallorca mordet diese Düsseldorfer Autorin am liebsten

Lieblingsort: Brigitte Lamberts auf Mallorca – vor einem Restaurant. Sie hat die besten Rezepte – für Krimis und Kulinarisches.

Lieblingsort: Brigitte Lamberts auf Mallorca – vor einem Restaurant. Sie hat die besten Rezepte – für Krimis und Kulinarisches.

Foto: Privat

Düsseldorf.  Brigitte Lamberts war einst wissenschaftliche Publizistin. Heute schreibt sie Krimis – mit kulinarischen Hinweisen. Auch für Mallorca-Touristen.

Eine Leiche am Hotel-Pool? Nein, solch’ ein Einstieg in einen Kriminalfall wäre zu platt und ist nichts für Brigitte Lamberts. Die letzten beiden Bücher der Düsseldorfer Autorin spielen zwar auf der Deutschen liebsten Urlaubsinsel. Doch die promovierte Kunsthistorikerin, die seit sieben Jahren in diesem Genre unterwegs ist, schätzt seit den 1980er Jahren (anfangs als Urlauberin mit ihren Eltern) neben der Schönheit der Landschaft auch das mallorquinische Lebensgefühl – „eine Mischung aus Sturheit und Leichtigkeit“ auch die Insel-Küche. Und die vielfältige Geschichte.

So verwob sie in „El Gustario und das tödliche Elixier“ das späte Mittelalter und in dem jetzt erschienen „El Gustario und der tödliche Schatten“ den spanischen Bürgerkrieg, der auf den Balearen ebenfalls seine Spuren hinterlassen hat. Damit nicht genug: Derzeit schreibt Lamberts am dritten Band, in dem die Verquickung der Nazi-Diktatur mit dem Sylt des Südens im Vordergrund stehen wird. Titel steht noch nicht fest, so Lamberts.

Kommissar Clemens von Bühlow ermittelt

Als Autorin ist sie Einzelkämpferin, bodenständig, geerdet, liebt klare Strukturen. Als wissenschaftliche Publizistin und PR-Beraterin ist sie an detailgenaues und akribisches Recherchieren gewöhnt. Obwohl: Angefangen hat sie mit Unterstützung einer Co-Autorin, Annette Reiter, einer Nachbarin in Stockum, im Düsseldorfer Norden. Krimis mochten beide unabhängig voneinander, sind aufgewachsen mit „Tatort“, „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Aktenzeichen XY“, nannten sich 2012 das „Mörderische Duett“ und verfassten in kurzer Zeit den ersten von drei Düsseldorf-Krimis. Im Mittelpunkt steht Kommissar Clemens von Bühlow, der Mordfälle im Künstlermilieu aufzuklären hat und dabei nicht selten in ausgefallenen Restaurants landet.

Von der Kombination Krimi und Kulinarik überzeugten sie den kleinen Düsseldorfer Verlag „Edition Oberkassel“. Nach dem letzten Band „Wutenbrannt“ entschloss sich Lamberts, nebenbei tätig für Verlage und Autorin und Herausgeberin von Krimi-Anthologien, alleine Krimis zu schreiben. Tatort Mallorca. Ein Projekt, das ihren Verleger sofort begeisterte.

Kochrezepte und Menü-Vorschläge im Anhang

Denn viele Leser empfinden die ausgefallenen Restaurants, die sie auf Mallorca ausprobiert hat und ihre Figuren aufsuchen, als Clou. Ebenso Kochrezepte und Menü-Vorschläge im Anhang. Die traditionelle Küche Mallorcas ist „deftig, bodenständig mit viel Gemüse und Fleisch“, so Lamberts. Hintergrund: Aus Angst vor Piraten zogen sich die meisten Bewohner ins Innere zurück. Daher war damals Fisch die Ausnahme.

Zum Titelhelden aller drei Bände machte sie einen Düsseldorfer Gastro-Kritiker. Sven Ruge heißt er: Im ersten Band soll er einen Gourmet-Reiseführer schreiben, steckt aber seine Nase nicht nur in brutzelnde Pfannen und brodelnde Töpfe, sondern in fremde Angelegenheiten, die ihm suspekt vorkommen. Und gerät als Ermittler, neben der Guardia Civil, in spannende Verwicklungen.

Anis-Likör und brutzelnde Pfannen

Beim „Tödlichen Elixier“ geht’s um Patxaran – einen Schleen-Anis Likör, der, so Lamberts, „am besten mit Eiswürfel zu servieren ist“. Als Medizin galt er bereits im 15. Jahrhundert bei Blanca von Navarra (verheiratet mit dem König von Aragon und Mallorca). Nach diesem Wundermittel fahndet im ersten Buch ein russischer Oligarch, der an einer unheilbaren Krankheit leidet.

Dass dieser Band bis heute als Verlags-Bestseller gilt, überrascht sie. „Bei Lesungen des neuen, zweiten Bands werde ich immer wieder auf den ersten angesprochen“, so Lamberts.Im Nummer Zwei steht der spanische Bürgerkrieg im Zentrum. Nach kurzer Zeit gewannen Francos Faschisten 1936 die Oberhand auf Mallorca. Der Konflikt zwischen Faschisten und Demokraten riss auch alte Familien auseinander, erklärt sie. Erfahren hat sie das 2017, bei einem ihrer Insel-Aufenthalte, als in dem kleinen Ort Porreres ein Massengrab entdeckt und Leichen von Franco-Gegnern ausgegraben wurden.

Das Medieninteresse war immens. So entdeckte Lamberts zahlreiche Artikel, auch im ‚Mallorca-Magazin’. Mischte das Zeitgeschehen von 1936/37 mit einer fiktiven Unternehmerfamilie von heute.Neben Stöbern in Foto-Archiven stieß sie auf das neue Buch „Mallorca unterm Hakenkreuz 1933-1945“ des Historikers Alexander Sepasgosarian. Das war der Anstoß für den dritten Band, der 2020 erscheinen soll. Lamberts staunte darüber, dass bereits in den 1930er Jahren mehr als 3 000 Residenten auf der Insel lebten, davon ein Großteil Deutsche.

Strukturen wie im „Dritten Reich“

Die Zahl stieg in der frühen NS-Zeit, als sich hier Nazis, Mitläufer und jüdische Deutsche trafen und sich Strukturen (auch der Denunziation) wie im „Dritten Reich“ bildeten. Als Franco an der Macht war, „drohte jüdischen und politischen Flüchtlingen, die sich in Sicherheit wähnten, die Deportation nach Deutschland“, erklärt Lamberts.

So stößt in dem Mallorca-Krimi ihr Düsseldorfer Protagonist Sven Ruge auf einen brisanten Mordfall mit Querverbindungen zur NS-Epoche. In den Rückblenden spielt El Terreno eine wesentliche Rolle -das Stadtviertel von Palma, das damals Partymeile und Treffpunkt von reichen Mallorquinern und der eingewanderten Bohème war. Man darf gespannt sein, wie Lamberts Flüchtlings-Schicksale mit Kulinarischen Tipps verquicken wird. Die dafür nötige Prise Fingerspitzengefühl hat sie in den ersten Bänden schon bewiesen.

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