50 Jahre Mondlandung

Ausstellung in Lennestadt zeigt Mondauto und Apollo-Start

Die Ausstellung demonstriert unter anderem die Originallautstärke beim Start der Saturn V. Es gilt als das zweitlauteste Geräusch, das die Menschheit je produziert hat

Die Ausstellung demonstriert unter anderem die Originallautstärke beim Start der Saturn V. Es gilt als das zweitlauteste Geräusch, das die Menschheit je produziert hat

Foto: Lars Heidrich

Lennestadt.   Zum Jubiläum „50 Jahre Mondlandung“ können Besucher im Galileo-Park mit dem Mondauto fahren und einen Raketenstart erleben - dank VR-Brille

Die Blechbüchse hat 3000 Tonnen Treibstoff unter dem Hintern. Platzangst ist darin garantiert. Trotzdem quetschen sich drei Männer tagelang ins Cockpit. Vom tödlichen Vakuum trennt sie nur die dünne Hülle der Raumkapsel. Die Astronauten machen einen Menschheitstraum wahr: Sie fliegen zum Mond.

Vor 50 Jahren ist der erste Mensch auf dem Erdtrabanten gelandet. Dieses Jubiläum feiert der Galileo-Park in Lennestadt-Meggen mit drei Ausstellungen. Komplexes astrophysikalisches Wissen zur Erde und den Galaxien wird hier für Familien und Schulklassen im besten Sinne begreifbar, denn die Besucher können dank virtueller und erweiterter Realität selbst im Kommandomodul Columbia den Start von Apollo 11 erleben, mit dem Mondauto fahren und durch die Saturnringe fliegen. Trekkies, Akte X-Fans und Sterngucker sollten das nicht verpassen.

Der aktuelle Stand der Forschung

Manfred Liedtke und sein Team haben die drei Ausstellungen mit einer unglaublichen Fülle an Wissen und Einfällen gestaltet. VR-Brillen treffen dabei auf spielerische Inszenierungen. „Wir sind hier an der Spitze der Technik und bieten sie einem breiten Publikum zur Nutzung an“, beschreibt Liedtke das Konzept. Der 62-Jährige arbeitet am Institut für Mediengestaltung der Hochschule Mainz und ist gleichzeitig leidenschaftlicher Astronom. Er gehört zum Team der Astronomiestiftung Trebur, die eines der größten Teleskope in Deutschland betreibt. So gelingt der Spagat, dass die Ausstellung über den aktuellen Forschungsstand informiert und diesen durch den Einsatz von Videotechnik und Computer­-simulationen in Mitmach-Form vermittelt.

Der maßstabsgerechte Nachbau des Mondautos ist mit seinem Simulator ein Höhepunkt der Ausstellung und für das Publikum besonders spannend, weil man damit per VR-Brille fahren kann. Es ist allerdings gar nicht so einfach das Gefährt vorwärts und rückwärts über die schrundige Oberfläche zu steuern, während man durchgerüttelt wird. „Man muss gut durchdenken, wie man die Technik verwendet. Sie sollte nicht nur Selbstzweck sein, sondern VR setze ich immer dort ein, wo sie eine sinnvolle Erweiterung der Erfahrung ist“, beschreibt Liedtke seinen Ansatz.

So demonstriert die Ausstellung ebenfalls mit einer Computeranimation die Originallautstärke beim Start der Saturn V. Es gilt als das zweitlauteste Geräusch, das die Menschheit je produziert hat. An einer weiteren Station kann man mit dem Laserstrahl die Landestelle von Apollo 15 anpeilen. Trifft man sie, wird der Laser von einem Reflektor zur Erde zurückgeworfen. Aus der Laufzeit des Signals errechnet ein Computer die Entfernung.

Das Kapitel „Von der Erde zu den Galaxien“ vermittelt parallel, wie Sterne und Planeten geboren werden und verdeutlicht die Proportionen. Unsere Sonne zum Beispiel ist ein Winzling im Vergleich zu einem Riesenbrummer wie dem Polarstern, und das ist nur gut so, denn andernfalls wäre kein Leben auf der Erde entstanden.

Viel Sorgfalt hat Manfred Liedtke darauf verwendet, mit begehbaren Modellen deutlich zu machen, dass die Sterne nicht am Himmel hängen wie an einer Zimmerdecke, sondern räumlich im All verteilt sind.

Wo Nachbarn leben könnten

Neueste Erkenntnisse der Physik werden auf diese Weise verständlich erklärt und führen zu immer neuen Überlegungen. Seit 1995 weiß man, dass es exosolare Planeten gibt, dass wir also theoretisch Nachbarn haben können. Die Raumsonde Voyager transportiert einen goldenen Datenträgern mit Informationen über die Menschheit in unvorstellbare Entfernungen. Seriöse Astrophysiker suchen im ewigen Rauschen der Sterne nach Anzeichen für außerirdische Intelligenz.

Diese Suche ist Thema des dritten Kapitels: „Allein im Universum. Begegnung mit phantastischen Phänomenen“ leitet spielerisch und mit einem Augenzwinkern in die Welt der Ufo-Sichtungen, Dogon-Schöpfungsmythen und Nazca-Linien. Der Besucher kann sich entführen lassen und ein Alien-Raumschiff betreten, mit dem er Planeten besucht, die eine völlig andere Wahrnehmung erfordern, zum Beispiel Pulsarwelten mit grellen Lichtblitzen alle fünf Sekunden. Auf den Flügen durch den Interstellaren Raum kann man das Klingonenalphabet studieren und an einem Übersetzungsautomaten ausprobieren.

Nur ein Katzensprung

Science-Fiction-Autoren träumen den großen Menschheitstraum ebenso wie Astrophysik-Professoren. Und so schließt sich der Kreis. Manfred Liedtke: „Der Schritt ins Weltall war für uns Menschen so gewaltig, aber vom Universum aus gesehen war er nur ein Katzensprung. Wir Menschen sind so winzig klein, wir leben auf einem winzigen blauen Punkt im All. Aber das Universum wäre nichts ohne uns, weil wir es wahrnehmen und weil unsere Phantasie ausreicht, um rauszufliegen. Diesen Spagat von der Phantasie über Raumschiff Enterprise bis zum Pioniergeist der Mondlandung praktisch mit dem Rechenschieber, das macht uns Menschen aus, und das macht auch die Ausstellung aus.“ Die Wahrheit ist sowieso irgendwo da draußen.

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