Kino

Cecil Beaton: Auf und Ab eines britischen Dandys

Inszenierte andere gekonnt, aber am meisten sich selbst: Cecil Beaton in den 30er-Jahren, den Jahren seines Aufstiegs.

Inszenierte andere gekonnt, aber am meisten sich selbst: Cecil Beaton in den 30er-Jahren, den Jahren seines Aufstiegs.

Neu im Kino: „Love, Cecil“ errichtet dem exzentrischen Fotografen Cecil Beaton ein schmuckes Filmdenkmal mit opulenten Bildern.

Der britische Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf Sir Cecil Walter Hardy Beaton, 1904 als Sohn eines Londoner Holzhändlers geboren, interessierte sich schon früh für Mode und Kameras. Er porträtierte zunächst seine Schwestern und die Mutter, konnte mit Talent und Geschmack sein Hobby zum geliebten Beruf machen und hielt dank klug gewählter Kontakte Einzug in die Kreise der Bohéme.

Cecil Beaton war schwul, was in Künstlerkreisen der 20er-Jahre eine schicke, aber risikobehaftete Note war, denn Homosexualität wurde in Großbritannien immer noch als Straftat verfolgt, bis hin zu einer Gefängnisstrafe, wie schon zu Zeiten Oscar Wildes. Beaton sonnte sich vielleicht deshalb bewusst in der Gesellschaft burschikoser Frauen, aber auch attraktiver, einflussreicher Begleiter und Wegbereiter.

Ein dreijähriges Bombenopfer mit Teddy im Arm

Unaufhaltsam war sein Aufstieg bei Blättern wie „Harper’s Bazaar“ bis hin zum künstlerischen Leiter der amerikanischen Ausgabe der Zeitschrift „Vogue“ in New York. Dort unterlief ihm in einer Karikatur ein vielleicht ironisch gemeinter, in der unmittelbaren Wirkung aber als verunglimpfend begriffener Scherz über Juden, der seine Karriere in den USA zerstörte.

Ab 1937 britischer Hoffotograf, zog er für England in den Krieg gegen die Nazis und trug mit seinem Foto eines dreijährigen Bombenopfers, das er mitsamt Teddy im Krankenhaus fotografierte und das 1940 zum Titelbild des Magazins „Life“ avancierte, dazu bei, dass die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten.

Zahlreiche Tony-Awards und drei Oscars

Beaton war wieder obenauf. Seine Porträts von Filmstars, seine Entwürfe für Theaterbühnen, seine Malereien, Zeichnungen und Ausstattungen für Musical-Verfilmungen brachten ihm zahlreiche Tony-Awards und drei Oscars ein (Kostüme für „Gigi“ 1958 und 1964 Kostüme und Ausstattung für „My Fair Lady“). Anfang der 70er-Jahre schlug ihn Queen Elizabeth II. zum Ritter, doch ein Schlaganfall hinterließ bis zum Tod 1980 irreparable Schäden im Bewegungsapparat.

Eine Biografie voller Wechselbäder aus höchsten Karrieregipfeln und Abstürzen ins beinah Bodenlose. Lisa Immordino Vreeland destillierte daraus ein dokumentarisches Film-Porträt, das quasi im Vorbeigehen ein halbes Jahrhundert edwardianisch geprägten Stilwillens in einer seltenen Opulenz auf sich vereint. Zugleich ist es das Charakterbild eines Emporkömmlings, der zeitlebens seine unstandesgemäße Herkunft inmitten aristokratischer und höchst vermögender Kreise durch Eifer und Extravaganz zu kompensieren trachtet.

Gekonnte Inszenierungen voller Glanz und Glamour

Vreelands Erzählstruktur ist chronologisch, was weder innovativ oder originell anmutet. Aber erstens entspricht das eigentlich exakt der künstlerischen Substanz Beatons, der weniger durch kreative Neuerungen als vielmehr durch gekonnte Inszenierungen voller Glanz und Glamour auffiel. So wird die Präsenz Beatons im Spiegel der englischen Gesellschaft umso präziser herausgearbeitet. Das unterhält auf fesselnde Weise – und ist ein bildersatt inszenierter Schmaus für die Augen.

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