Krimifestival

Criminale in Aachen ist der Branchentreff der Krimiautoren

Er las zum Auftakt der Criminale 2019 in Aachen: Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf. Der Gelsenkirchener schreibt Ostfriesenkrimis.

Er las zum Auftakt der Criminale 2019 in Aachen: Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf. Der Gelsenkirchener schreibt Ostfriesenkrimis.

Foto: Stadt Aachen, Olaf Müller

Aachen.   250 Fachleute des Spannungsgenres machen die Stadt Karls des Großen unsicher. Mehr über Lesungen, Workshops und die Glauser-Nominierten.

Sie ziehen seit mehr als 30 Jahren von Stadt zu Stadt, von Region zu Region und hinterlassen stets eine Spur von Blut, Gewalt, Morden – und ein begeistertes Publikum bei ihren Lesungen und Events. In diesem Jahr findet die „Criminale“, das angesagte Festival der deutschsprachigen Kriminalschriftsteller, in Aachen statt. Gut 250 Fachleute der Spannungsliteratur machen für eine Woche die Stadt Karls des Großen unsicher. Höhepunkt ist am 13. April die Verleihung der Glauser-Preise.

„Es treffen sich nicht nur die Autoren, ebenso sind Vertreter aus Verlagen und Buchhandlungen, Agenten und Blogger dabei“, erklärt Jens Kramer, Vorsitzender des Syndikats, der Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren. Das mehrtägige Programm des Syndikats hat es in sich: Es ist gespickt mit einer Vielzahl von Lesungen, Vorträgen, Podiumsdiskussionen und auch praktischen Workshops.

Nützliches Einbruchswerkzeug ganz legal

Wie zum Beispiel „Schlösser knacken leicht gemacht“. In Krimis ist es eine schnelle Sache – der Einbruch in eine Wohnung. Auch Horst Schimanski hat das im „Tatort“ mit einer Scheckkarte ja schon mal vorgeführt. In der Realität ist das Ganze jedoch sehr viel trickreicher. Klaudia Zotzmann-Koch, Expertin in Sachen Datenschutz und passionierte Schloss-Knackerin, hat den Autoren Schlösser, Dietriche und Spanner mitgebracht: nützliches Handwerkszeug „und alles legal zu kaufen“.

Nur, die verschiedenen im Schloss befindlichen Stifte mit einem Haken herabzudrücken, um den Sperrmechanismus zu knacken, das gelingt lediglich der Hälfte der Seminarteilnehmer. „Es ist viel Fingerspitzengefühl gefragt“, weiß die 41-jährige Bloggerin, die mit solcher Art „Lockpicking“ gerne mal auf einer Bahnfahrt die Mitreisenden verblüfft.

Sie gibt den Teilnehmern außerdem mit auf den Weg: „Schreibt in euren Geschichten nicht von Elektro-Picks, die sind total laut und jeder in der Nachbarschaft bekommt es mit. Das könnt ihr dem Leser nicht verkaufen. Ein leiser Einbruch geht ganz klassisch mit dem Dietrich.“

Gift ist ihre Leidenschaft

Wie ganz klassisch mit Gift gemordet wird, das erzählt Sibyl Quinke in einem Vortrag. Sie ist promovierte Apothekerin „und wir nennen sie bei uns nur Dr. Poison“, stellt Jens Kramer die Wuppertalerin vor. Nicht zu Unrecht, denn Zyankali, Arsen, Strychnin und andere todbringende Substanzen sind ihre Leidenschaft.

„Gift wirkt oft langsam und die Opfer entsorgen sich so von selbst“, berichtet sie dem Publikum mit einem hintersinnigen Lächeln. Doch auch sie rät zur literarischen Vorsicht: „Nicht nur die Dosis macht’s, auch die richtigen Pflanzenteile sind zu beachten und nicht zuletzt den bitteren Geschmack gut überdecken!“

Polizei und Gerichtsgutachter berichten aus der Praxis

Ob Exposé schreiben und plotten, Lesecoaching, Selfpublishing oder die Methoden von Polizei und Gerichtsgutachtern kennen lernen – der fachliche Austausch sei wichtig, „um unsere Geschichten glaubhaft zu machen und in der Buchbranche informiert zu bleiben“, so Jens Kramer.

Andererseits empfinden die Schriftsteller das Miteinander auch als sehr wohltuende Abwechslung zum Schreiben im eigenen Kämmerlein. „Man spricht über Projekte und was gerade bei den Verlagen so läuft“, sagt die Düsseldorfer Autorin Ella Dälken. Ihre Kollegin Barbara Steuten pflichtet ihr bei: „Jedes Jahr treffe ich tolle Kollegen und wir haben viel Spaß.“ Der Essener Klaus Heimann schätzt die Mischung aus Fortbildung und gesellschaftlichem Branchentreff. „Jeder ist Experte für etwas, wir lernen voneinander“, findet Sibyl Quinke.

Mehrere Autoren aus dem Ruhrgebiet nominiert

Jens Kramer: „Die Criminale ist ein Wanderzirkus, jedes Jahr sind wir in einer anderen Stadt – das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal unter den vielen Krimifestivals in der Republik.“ Und der „Glauser“ sei einer der bedeutendsten Krimipreise – von Fachkollegen vergeben. Er wird in fünf Kategorien vergeben: Roman, Debüt, Kurzgeschichte, Kinder- und Jugendroman sowie Ehrenglauser.

In diesem Jahr sind gleich mehrere Autoren aus dem Ruhrgebiet nominiert. In der Sparte Kurzkrimi sind es die Essener Ursula Sternberg und das Duo Reinhard Jahn/Walter Wehner sowie Almuth Heuner (Bochum). Judith Merchant komplettiert die fünf Nominierten, sie kommt aus Bonn. Und Marie Reiners aus Köln ist mit ihrem Debütroman im Rennen – sie ist bekannt als Drehbuchautorin von „Mord mit Aussicht“. Wer die begehrten Preise bekommt – am Samstag, 13. April, wird das Geheimnis gelüftet im Rahmen einer großen Gala in Aachen.

>>>DIE CRIMINALE-ORTE SEIT DEM JAHR 2000

  • Das Krimifestival existiert seit mehr als 30 Jahren. Es findet jedes Jahr in einem anderen Ort statt, wobei auch Österreich und die Schweiz miteinbezogen werden.
  • Dies sind die Städte, in denen das Branchentreffen des Spannungsgenres seit dem Jahr 2000 stattgefunden hat: 2018 Halle (Saale) & Region, 2017 Graz - Steiermark, 2016 Marburg, 2015 Büsum, 2014 Nürnberg/Fürth, 2013 Bern, 2012 Hochsauerlandkreis, 2011 Niederrhein (25. Criminale), 2010 Nordeifel, 2009 Singen, 2008 Wien, 2007 Deutsche Weinstraße (Pfalz), 2006 Koblenz, 2005 Hochsauerlandkreis, 2004 Niederrhein, 2003 Westerburg/Rennerod (Westerwald), 2002 München, 2001 Mosbach (Odenwald) und 2000 Essen.
  • Neben Fachseminaren gibt es Veranstaltungen für das breite Publikum mit vielen Lesungen an ungewöhnlichen Orten. Höhepunkt jeder Criminale ist die Gala zur Verleihung des Glausers, dem Preis der deutschsprachigen Krimiautoren.
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